Need for Speed Payback Test

Kaum eine Rennspielserie hat sich in der jüngeren Vergangenheit so oft neu erfunden wie Need for Speed. Von einer Hetzjagd mit der Polizei, zu hippen Underground-Rennen in getunten Fahrzeugen, bis zur durch-choreographierten Actionsause The Run. Mit Payback ist zwar noch einiges von der Story-DNA vergangener Spiele vorhanden, aber statt auf Linearität setzt Entwickler Ghost Games auf eine offene Spielwelt. Mit diesem Konzept knüpfen sie an Kritikerlieblinge wie Forza Horizon 3 an. Doch kann der Titel mithalten und eigene Akzente setzen? Dies erfahrt ihr in unserem Need for Speed Payback Test!

Diesmal gibt es zwar keine Videosequenzen mit echten Schauspielern wie im Reboot von 2015, aber die Story spielt in diesem neuen Rennspiel ebenfalls eine wichtige Rolle. In Fortune Valley, einer fiktiven Region der Vereinigten Staaten, gibt es eine Vielzahl von Unterwelt-Gangs, die ihre Dominanz durch ein motorisiertes Kräftemessen beweisen. Die kriminelle Organisation “The House” steht dabei an der Spitze und unterdrückt alle anderen Crews. Tyler, Mac und Jess, die Protagonisten des Spiels, wollen an einer ehemaligen Verbündeten Rache nehmen, die sich dem finsteren Kartell angeschlossen hat. Damit dies gelingt, müsst ihr die restlichen Renncrews von eurem Vorhaben überzeugen –  indem ihr sie bei Rennen schlagt. Leider haben sie sich bei der Charakterisierung dieser Fraktionen für meinen Geschmack etwas zu sehr an kitschigen Klischees bedient. Races gegen die Möchtegern-Revolutionäre von Shiftlock beispielsweise ließen mich bei jedem flachen Spruch mit den Augen rollen. Allgemein solltet ihr nichts dagegen haben, dass sich euer Alter-Ego hinterm Steuer bei gekonnten Überholmanövern zu Wort meldet und dieses lässig kommentiert.

In Fortune Valley gibt es tatsächlich eine Menge zu tun. Verschiedene Renntypen sind eure Hauptbeschäftigung in Payback. Im klassischen Straßenrennen müsst ihr alle eure Fähigkeiten abrufen, um in den Straßenschluchten der Casinometropole als Erster am Ziel anzukommen. Drag-Rennen sind meist kurze Fahrten auf geraden Streckenabschnitten, bei denen es darauf ankommt, zum richtigen Zeitpunkt manuell zu schalten und euer Nitro gezielt zu verwenden. Außerdem erwarten euch vor allem in den Wüstenregionen der Spielwelt Offroad- und Drift-Rennen. Hier müsst ihr die Straße verlassen, beziehungsweise Punkte durch möglichst lange und zahlreiche aufeinanderfolgende Drifts sammeln. Darüberhinaus gibt es aber auch einige Nebenaufgaben, denen ihr auf der Fahrt von einem Renn-Event zum Nächsten recht natürlich begegnet. Ihr könnt etwa mit waghalsigen Sprüngen Werbetafeln zerstören, sammelbare Icons suchen, oder eine Zielgeschwindigkeit an einem Messpunkt erreichen.

Highlight des Spiels sind aber die Missionen, in welchen ihr euch Verfolgungsjagden mit der Polizei liefern müsst. Zwar ist es etwas enttäuschend, dass die KI der Gesetzeshüter kaum mehr zu bieten hat als Rammangriffe, aber dennoch macht es immer wieder Spaß, die gut inszenierten Crashs zu bestaunen, wenn ihr selbst einen Polizeiwagen von der Straße fegt. Tiefgang, wie ihr ihn etwa von Hot Pursuit kennt, dürft ihr diesmal aber nicht erwarten. Im Grunde reicht es aus in der vorgegebenen Zeit Checkpoints zu erreichen, um zu gewinnen. Apropos Inszenierung: Neben den Quests, die euch das Vertrauen einer konkurrierenden Crew gewinnen sollen, werden auch ausgefallenere Missionen eingestreut. In einer frühen Mission sollt ihr beispielsweise zunächst einen LKW verfolgen und dabei Verfolger abschütteln, bevor ihr den Sattelschlepper entert und einen Supersportwagen direkt aus der Lagerfläche stehlt. Momente wie dieser sind durchaus nett gestaltet, aber spielerisch letztlich relativ gehaltlos, da sich dem geübten Spielerauge die gescripteten Momente schnell offenbaren. Zum Gameplay selbst sei gesagt, dass sich Need for Speed Payback deutlich stärker wie ein Arcade Racer spielt, als das bereits genannte Forza Horizon. Drifts werden per Knopfdruck und anschließendem Vollgas getriggert und sind recht einfach zu kontrollieren. Außerdem sorgt Nitro, wie es für die Serie Tradition ist, für einen Geschwindigkeitsschub auf Abruf. Insgesamt ist das Fahrgefühl durchaus in Ordnung, hat für mich aber eine gewisse Präzision vermissen lassen, welche ich von der Konkurrenz gewohnt bin.

Während das Gameplay selbst also durchaus Spaß machen kann, haben mir strukturelle Aspekte, welche den Spielfortschritt betreffen, weniger gut gefallen. Statt in einer Werkstatt einzelne Bauteile zu kaufen, um das Fahrzeug der Wahl zu verbessern, müsst ihr auf so genannte Speed Cards zurückgreifen. Bei einer solchen handelt es sich um eine Art Sammelkarte, die hinsichtlich Typ und Attributen schwankt. Eine Bremsenkarte vom Wert fünf ist dabei besser als eine vom Wert drei und wirkt sich entsprechend auf die Leistungsfähigkeit eures Autos aus. Daraus resultieren einige Probleme. Zum einen macht es einfach für einen Automobil-Liebhaber keinen Spaß das Gefährt mit vagen Zahlen zu verbessern. Das Aussuchen und Kaufen bestimmter Bauteile macht in Rennspielen einen ganz eigenen Reiz aus, der hier auf der Strecke bleibt. Weiterhin stört es, dass ihr diese Karten nur zufällig erhaltet. Nach jedem Event könnt ihr eine von drei Karten ziehen und müsst darauf hoffen, dass sie euch für euer Fahrzeug nützt. Wer Pech hat muss entweder virtuelles oder echtes Geld zahlen, um sein Auto zu verbessern. Daraus folgt ein weiterer Kritikpunkt: Der Schwierigkeitsgrad der einzelnen Quests ist an ein Gesamtlevel des Autos gekoppelt. Das heißt: Stattet ihr euch nicht regelmäßig mit effektiven Speed Cards aus, steigt der Schwierigkeitsgrad an.

Alles in allem könnt ihr als Fan von Arcade-Rennspielen einen genaueren Blick auf Need for Speed Payback werden. In der recht hübsch gestalteten, offenen Spielwelt gibt es eine Menge zu tun. Falls ihr aber allergisch auf Storys in Rennspielen reagiert – oder auf Lootbox-Systeme – ist dieser Titel nichts für euch.

Fazit
Need for Speed Payback bietet ordentliches Gameplay in einem derzeit wenig bedienten Genre. Leider sorgt das Fortschrittssystem über zufällige Verbesserungen für wenig Motivation.
Toll
  • verschiedene Renntypen
  • abwechslungsreiche, offene Spieltwelt
  • ordentliches Fahrgefühl
  • gute Inszenierung
Naja
  • Fortschrittssystem durch zufällige Karten
  • spannende Spielmomente nur gescriptet
  • technisch nur Mittelmaß
6
Ordentlich
Verfasst von
Action-Spiele und Shooter aller Art sind Roberts Fachgebiet. Zwischendurch darf es aber auch gerne ein Spiel mit spannender Story und dichter Atmosphäre sein. Wenn er nicht gerade auf Xbox Live unterwegs ist, verfasst er bestimmt Artikel und News für Gaming-Universe.

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