Nintendo Switch angespielt: Nintendos neue Konsole im GU-Detailcheck

Wie ein wohlbehütetes Staatsgeheimnis behandelte Nintendo sein kommendes System unter dem Codenamen NX seit der kurzen knappen Ankündigung im März 2015. Auch nach der offiziellen Enthüllung unter dem finalen Namen Nintendo Switch und der Vorstellung des Heimkonsolen-Handheld-Hybriden-Konzepts im Oktober 2016 hielt sich der japanische Traditionskonzern weitestgehend bedeckt zu weiteren Infos und verwies auf die vollständige Vorstellung am 13. Januar 2017. Zu den ersten Redakteuren weltweit zählend, erhielt ich nun die Gelegenheit erstmals Hand an die neue Konsole und einige kommende Titel zu legen.

Klein, aber oho!
Bereits der erste Teaser-Trailer deutete an, dass die Konsole selbst erstaunlich klein daherkommt. Dies ist auch zwingend notwendig, da der Tablet-Bildschirm gleichzeitig auch die Konsole selbst darstellt und fürs Zocken am TV-Bildschirm lediglich in eine Docking-Station eingesteckt wird, welche wiederum mit dem Fernseher verbunden wird. Trotz dieser Vorabkenntnis war ich doch überrascht, wie klein die Konsole in Natura insgesamt wirklich ist. Sogar die relativ kleine Wii wirkt im Vergleich wie ein verhältnismäßiger Riese.


Die Qual der Controller-Wahl
Im Zentrum der Konsole steht wieder einmal der Controller selbst. Je nachdem wie und mit wie vielen Leuten ihr spielen wollt, können die sogenannten Joy-Con-Controller, welche jeweils der linken und rechten Steuereinheit von üblichen Controllern entsprechen, umgesteckt werden. Aber schön der Reihe nach! Beim Spielen am TV-Bildschirm werden beide Joy-Cons an ein Mittelstück angeschlossen und ergeben so einen nahezu quadratischen Controller. Als eingefleischter Gamer ist diese Controller-Variante zunächst höchst gewöhnungsbedürftig, da beide Hände eng aneinander sitzen und man nicht viel Gewicht in der Hand hat, dürfte aber vor allem Game Boy-Spielern ein Deja-Vu-Erlebnis bereiten. Nutzt man Switch als Handheld-Konsole, so werden beide Joy-Cons an den linken und rechten Rand der Tablet-Konsole selbst angeschlosse. In dieser Form ist das Spielerlebnis ähnlich dem Off-TV-Play am Wii U-Gamepad. Verglichen mit dem Wii U-Gamepad hat man etwas weniger Gewicht in der Hand, da das Switch-Konstrukt um einiges flacher ausfällt. Hier offenbaren sich allerdings auch schon entscheidende Nachteile. Zu Lasten der Kompaktheit designte Nintendo alle Knöpfe sowie die Control-Sticks extrem klein. Mag das bei den Tasten A, B, X und Y nicht so gravierend sein, sind die Auswirkungen für die Bedienbarkeit der Schultertasten um einiges fataler. Die L- und R-Tasten sind dermaßen schmal, dass ich sie beim Spielen förmlich ertasten musste, um sie zu finden. Zwar konnten L und LZ sowie R und RZ in Spielen wie Mario Kart 8 Deluxe äquivalent genutzt werden, doch bei Spielen, die die Tasten für unterschiedliche Aktionen verwenden, könnte das gravierende Folgen haben. Die Plus- und Minus-Tasten wanderten an den oberen Rand der Joy-Cons und bestehen nun nur noch aus kleinen Ritzen. Diese beiden Tasten kamen bei meinen Spielsessions nicht sehr oft zum Einsatz, doch auch daran muss sich der etablierte Spieler wohl zunächst gewöhnen.

Zu guter Letzt können die Joy-Cons in bestimmten Spielen auch als jeweils als einzelne Controller genutzt werden. Hält man sie waagerecht, verwandeln sie sich wiederrum jeweils in einen vollständigen Controller. Auf der linken Seite befindet sich dann ein Control-Stick, während sich rechts die Tasten A, B, X und Y befinden. Sogar Schultertasten erscheinen hier wie auf magische Weise am hinteren Ende jedes Joy-Cons. Unterwegs lässt sich so beispielsweise Mario Kart 8 Deluxe zu zweit am geteilten Switch-Pad-Bildschirm spielen. Praktisch ist diese Controller-Option zwar, 100%ig optimal ist sie aber zugegebenermaßen nicht. Da der linke und der rechte Joy-Con zudem die selben Funktionen aufweisen müssen, entsteht schon das nächste Problem: Ein klassisches Steuerkreuz gibt es nämlich erstmalig nicht mehr. 2D-Spiele wie das Jump’n’Run Sonic Mania lassen sich jedoch nur mit einem Steuerkreuz wirklich gut spielen. Der Kauf eines Switch Pro Controllers wird beim Spielen von unterschiedlichen Genres also wohl nahezu verpflichtend sein, denn alte Peripherie von Wii und Wii U sind mit Nintendo Switch nicht mehr kompatibel. Apropos Switch Pro Controller. Diesen durfte ich in manchen Titeln übrigens ebenfalls antesten und siehe da: Fast alle erwähnten Probleme erübrigen sich beim Spielen mit dem Switch Pro Controller, da dieser sowohl von der Grifflichkeit als auch der Anordnung und dem Design der Tasten den klassischen Konkurrenz-Controllern sehr nahe kommt.


Feel everything!
Spätestens mit Veröffentlichung der Wii wird Bewegungssteuerung bei Nintendo groß geschrieben. Deshalb überrascht es nicht, dass sowohl Joy-Cons als auch diesmal der Pro Controller über einen Gyro-Sensor verfügen. Völlig neu ist dagegen die eingebaute HD-Vibration, die unterschiedliche starke Vibration je nach Controller-Position ermöglicht. In 1-2-Switch wurde dies unter anderem in einem Ratebox-Minispiel verwendet. Neigte man einen Joy-Con zur Seite ließen sich, wie beim Bewegen einer echten Box, Kugeln von einer Seite zur anderen fallen spüren. Für die Switch-Umsetzung von Dragon Quest Heroes I-II gab Square Enix bereits bekannt Vibrationen unterschiedlicher Intensität auszugeben, je nachdem ob man mit seinem Schwert auf einen weichen Schleim oder einen harten Golem schlägt. Ich bin gespannt, wie dieses Feature in anderen Spielen eingesetzt werden wird.

Dass Nintendo Switch den Konkurrenten PlayStation 4 und Xbox One technisch erneut nicht das Wasser reichen können will, stellte Nintendo gleich zu Beginn klar. Selbst Nintendo-Only-Spieler werden beim Spielen der ersten Nintendo Switch-Titel keine großen grafischen Quantensprünge zu sehen bekommen, wie es noch beim Generationswechsel von Wii zu Wii U der Fall war. Mario Kart 8 Deluxe, ARMS und Splatoon 2 waren hübsch anzusehen, keine Frage. Dennoch wären sie wohl in abgespeckter Form auch auf dem Vorgängermodell möglich gewesen. The Legend of Zelda: Breath of the Wild sieht gar nahezu unverändert gegenüber der Wii U-Version aus, wie das folgende Video beweist.

 

Woraus Switch-Titel technisch jedoch durchaus ihren Vorteil ziehen werden, ist die Rückkehr zu Spielmodulen als Speichermedien. Die SD-Card förmigen Switch-Cartridges sollen im Gegensatz zu DVDs und BluRays kürzere Ladezeiten ermöglichen und enthalten trotz ihrer geringen Größe immense Speicherkapazitäten von mehreren Gigabyte. Es ist schon schier unglaublich, was Nintendo aus den Mini-Karten herauszaubert.

Karim meint: Die präsentierten Demo-Titel waren gut geeignet, um die Funktionen und Fähigkeiten von Nintendo Switch zu demonstrieren. Optisch ist aber noch längst nicht das Ende von Marios Fahnenstange erreicht. Es bleibt abzuwarten, was Nintendo und andere Entwickler technisch noch aus der Konsole herausholen werden. Auch insgesamt konnte mich das Hybriden-Konzept noch nicht vollends überzeugen. Dass Nintendo mit dem separat erhältlichen Pro Controller, Spieler, die die perfekte Steuerungsvariante bevorzugen, doppelt zur Kasse bittet, überrascht nicht, dürfte aber doch bei dem ein oder anderen für Unmut sorgen. Das recht dürftige Start-Line Up – das zu einem Großteil aus (Wii U-)Portierungen besteht – trägt da nicht zur Besserung der Lage bei. Immerhin punktet Switch aber mit einer erstaunlich günstigen unverbindlichen Preisempfehlung von unter 350€ zum Launch. Ich blicke also mit gemischten Gefühlen auf den Release am 3. März 2017.

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13 Kommentare auf "Nintendo Switch angespielt: Nintendos neue Konsole im GU-Detailcheck"

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FreakazoidGU
Mitglied

Na da bin ich mal gespannt wie sich die joy cons in meinen händen anfühlen, viele fanden ja das gamepad der wii u zu schwer und unergonomisch, das kann ich bis heute nicht nachvollziehen.

Z.Carmine
Mitglied

Ja, die Ergonomie habe ich schon vorher angezweifelt. Und ich habe auch nicht gerade kleine Hände.

Valet
Editor

„Immerhin punktet Switch aber mit einer erstaunlich günstigen unverbindlichen Preisempfehlung von unter 350€ zum Launch. “

Sarkasmus im Internet ist immer so eine Sache, deshalb:

Sarkasmus?
ugly

Z.Carmine
Mitglied

Nein. Handheldpreis plus Konsolenpreis war die Erwartungshaltung. ugly

FF-Freak
Editor

Ich glaub der meint das ernst ugly Ich musste schmunzeln, lol. War die WiiU dann geschenkt? xD

Valet
Editor

Omg …

Yoshi
Editor

Switch konkurriert aber nicht mit Mobiltelefonen und der letzte Handheld musste schon bei einem Preis von 250€ schnell radikal reduziert werden, weil er so teuer war.

MrPrince
Editor

Völlig unterschiedliche Geräte mit unterschiedlichen Anwendungsbereichen. Der Vergleich hinkt mehr als ein Pirat mit Holzbein.

Arino
Mitglied

Scheint ja auch nicht so, dass in der Konsole alte Technik verbaut ist, von daher kostet das nun auch mal.

Und klar, mit Verlust verkaufen kann man auch.

Zeratul
Mitglied

Ich glaube, dass mir der Joy Con Grip nicht sonderlich gut gefallen wird als Controller, da er vollkommen unergonomisch aussieht. Deswegen ist es für mich schon irgendwie blöd, dass ich sofort nochmal ne extra Stange Geld zahlen muss, nur um nen anständigen Controller für ne neue Konsole zu haben. Den Tablet Mode werde ich voraussichtlich auch (so gut wie) nie benutzen. Insgesamt bringt mir das ganze „Switch-Konzept“ also eigentlich nichts.
Der einzige Grund, weshalb ich mir die Switch wohl dennoch kaufen werde, sind wieder einmal die exklusiven Nintendo-Titel. Auf Mario und Zelda möchte ich einfach ungerne verzichten.

MrPrince
Editor

Sehe ich eigentlich genauso

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