Kritiken

Phoenix Wright: Ace Attorney – Spirit of Justice im Test

Während Ace Attorney-Fans weiterhin bangen und auf eine Veröffentlichung von The Great Ace Attorney sowie des kürzlich enthüllten Nachfolgers im Westen hoffen, geht zumindest die Hauptreihe dieser Tage auch bei uns in die sechste Runde. Wie schon bei Dual Destinies gilt für den sechsten Teil Spirit of Justice: Das Spiel ist ausschließlich in englischer Sprache und nur zum Download in Nintendos eShop verfügbar. Im Gegenzug ist das Spiel, das in Japan zum Vollpreis erscheint, zum leicht reduzierten Preis von 30€ verfügbar. Wir sind in die Anwaltsrobe geschlüpft und verraten euch, ob sich der Download des neuesten Abenteuers von Phoenix Wright lohnt.

Selbst im Urlaub stets der Anwalt
In Phoenix Wright – Ace Attorney: Spirit of Justice reist der titelgebende Anwalt in blau in das Reich Khura’in, das in Sachen Aufmachung und Geschichte ein wenig an China erinnert. Khura’in ist ein höchst religiöses Königreich und kommt mit einem sehr eigenartigen Satz an Gesetzen daher. Diese Erfahrung muss auch Phoenix Wright machen, als er schon kurz nach seiner Ankunft im fernen Khura’in mit ansehen muss, wie sein Fremdenführer des Mordes bezichtigt und vor Gericht gestellt wird. So schnell ist der Urlaub also vorbei und Phoenix Wright muss auch in Khura’in vor Gericht sein Verhandlungsgeschick unter Beweis stellen.

screenshot_phoenix_spirit_02Anwalt am Abgrund
Allerdings muss Phoenix dabei mit einer ganz neuen Gefahr leben, denn in Khura’in sind klassische Gerichtsverhandlungen seit Inkrafttreten des sogenannten Defense Culpability Acts eine Seltenheit. Rechtsanwälte sind demnach in Khura’in stets mit verantwortlich für die Taten ihrer Klienten. Wird ein Klient verurteilt, so erhält der Anwalt dank dieses Gesetzes stets die gleiche Strafe. Darüberhinaus sind Anwälte, selbst wenn sie dieses enorme Risiko auf sich nehmen – in Khura’in gibt es schließlich sogar die Todesstrafe – äußerst ungern gesehen. So muss Phoenix Wright sich vor Gericht massiver Beschimpfungen erwehren.

screenshot_phoenix_spirit_01Zeugenaussagen des wohl mächtigsten Zeugen: des Opfers
Zu allem Überfluss kommt das Khura’insche Gericht mit einer Besonderheit daher: Die Prinzessin des Reichs verfügt nämlich über die Fähigkeit, unter Kenntnis des Namens und Gesichts des Opfers, die letzten Momente aus dem Leben des Mordopfers nachzuempfinden. Optische, akustische und emotionale Wahrnehmungen werden wiedergeben und von einer Beschreibung seitens der Prinzessin begleitet. Das stellt nicht nur Phoenix vor eine ungewöhnliche Herausforderung, sondern gibt auch gleich den Rahmen für das wesentliche neue Feature im Spiel.

screenshot_phoenix_spirit_04Komplizierte Suche nach dem Widerspruch
Der Spieler muss in diesen Seancen nämlich Widersprüche zwischen Empfindungen respektive Wahrnehmungen und Aussagen der Prinzessin aufdecken. Dabei kann man unabhängig voneinander die Szenen der Erinnerungen und die Aussagen der Prinzessin durchkämmen und gegenüberstellen. In der Konsequenz sind diese Seancen bedeutend anspruchsvoller, aber auch ein Stück weit interessanter als die sonst üblichen Kreuzverhöre. Leider spielen die Seancen allerdings nur in drei der fünf Fälle des Spiels eine Rolle. In den andern Fällen werden diese Szenen durch die Psychoanalysen aus dem Vorgängerteil ersetzt, die es Athena Sykes und Apollo Justice – den anderen beiden spielbaren Anwälten in Spirit of Justice – erlauben, Widersprüche zwischen Emotionen der Zeugen und ihren Aussagen aufzudecken.

screenshot_phoenix_spirit_03Als Spürnase unterwegs
Spielerisch ist das Spiel wie gewohnt in zwei Abschnitte untergliedert, die Erkundungsabschnitte, in denen man wie in einem klassischen Point & Click-Adventure die Umgebung nach Beweisen und Informationen zum aktuellen Fall absucht. Die Erkundungen sind wieder ein wenig freier gestaltet worden, allerdings haben die Entwickler durch Hinweise, wann man ein Gebiet vollständig abgegrast hat, sichergestellt, dass man nicht planlos durch die Gegend irrt. Sofern man jedenfalls nicht an einen Bug gerät. An einer Stelle im fünften Fall ist es uns nämlich passiert, dass das Spiel uns nicht ermöglicht hat, eine Rätselbox zu öffnen, sondern immer wieder die entsprechende Anleitung abspielte. Der Bug hängt damit zusammen, dass man bei Beginn des Rätsels abspeichert und neu startet. Sollte man dennoch Opfer des Bugs werden, sollte man übrigens bedenken, dass man jederzeit beim aktuellen Kapitel neu beginnen kann und die Kapitel glücklicherweise so eng gesetzt wurden, dass man binnen weniger Minuten wieder dort ist, wo man Opfer der Qualitätskontrolle geworden ist.

screen_phoenix-wright-ace-attorney-dual-destinies_01Harte Verhandlungstage
Die Verhandlungen laufen abseits des neuen Seance-Elements genauso ab wie in den vergangenen Teilen. Das heißt, dass nacheinander Zeugen in den Zeugenstand treten und ihre Version der Ereignisse erläutern. Der Spieler muss die Aussagen gründlich lesen und Widersprüche zu Beweisen aus der Gerichtsakte aufdecken. Findet sich kein Widerspruch in der Aussage, liegt das zumeist daran, dass der Zeuge zu vage bleibt und dann muss der Spieler mit Nachfragen zu einzelnen Statements zusätzliche Informationen aus den Zeugen herauskitzeln. Leider ist eine Schwäche der vergangenen Teile auch in Spirit of Justice wieder mit von der Partie. Teilweise sind mehr als ein Widerspruch in einer Zeugenaussage enthalten, die Entwickler sind allerdings davon ausgegangen, dass man zunächst einen spezifischen Widerspruch aufdeckt. Wirft man stattdessen einen Beweis auf eine noch nicht zum Angriff vorgesehene Aussage, wird das vom Richter geahndet und der Spieler bekommt einen Punkt seiner Lebensenergie abgezogen. Zwar kann man im Fall eines endgültigen Versagens stets an der gleichen Stelle weiterspielen, dennoch ist es ärgerlich, dass die Skriptschreiber nicht die Variabilität einbauen, auf Widersprüche in beliebiger Reihenfolge eingehen zu können. Die extreme Hilfestellung des unmittelbaren Vorgängers, der quasi in jedem Schritt im vorhinein verraten hat, was man als nächstes tun muss, wurde in Spirit of Justice übrigens zum Glück wieder ein wenig zurückgeschraubt. Viele der Hilfestellungen sind jetzt erst dann zu sehen, wenn man mehrfach gescheitert ist und sie explizit erfragt.

Phoenix Wright – Ace Attorney: Spirit of Justice ist ein sehr gelungener Nachfolger, der viele gute Ideen aus der Vergangenheit aufgreift und mit den Seancen eine interessante neue Idee hinzufügt. Leider wird das Potential der Seancen nicht vollständig ausgeschöpft und überdies kommen sie auch nur in drei von fünf Fällen überhaupt vor. Ebenfalls etwas schade ist, dass die Fälle zwei und vier merklich schwächer sind als die drei übrigen Fälle. Wie so oft hat Capcom ein wenig Füllmaterial benötigt um den üblichen Umfang von fünf Fällen zu erreichen. Zwar machen die anderen beiden Fälle auch Spaß, doch ist es schade, dass der Zusammenhang zur Gesamtgeschichte etwas schwach und beide Fälle äußerst simpel sind. Nichtsdestotrotz, Ace Attorney Fans sollten auf jeden Fall zuschlagen und einen der stärkeren Teile der Reihe genießen.

Sebastian hat eine ausgeprägte Vorliebe für Jump & Runs, zählt aber auch Action-Adventures und Arcade-Spiele zu seinen Lieblings-Genres. Hauptaugenmerk liegt bei ihm meistens auf der Spielmechanik, eine gut geschriebene Geschichte lässt ihn aber auch schwach werden. Lieblingsspiele: Yoshi’s Island, Super Mario Galaxy 2, Sonic Generations und Zelda: Skyward Sword.
Da ich keinen Backlog-Stapel aufbauen möchte, werde ich es mir wohl erst später holen, wenn ich Zeit dafür finde. Bleibt aber im Hinterkopf.
Z