Kritiken

Picross e5 im Test

Ein schier endloser Stau im Bus, gestohlene Kabel bei der Bahn oder ein verspäteter Start im Flugzeug – Gründe für eine verlängerte Wartezeit bei der Rückkehr zu den Liebsten an Weihnachten gibt es viele. Was gibt es für diese erzwungene Phase der Langeweile besseres als ein Rätselbuch in der Tasche zu haben? Musste man sich früher noch mit Papier und Feder begnügen, um die kniffligsten Aufgaben lösen zu können, reichen heutzutage ein paar Euro eShop-Guthaben und ein elektronischer Handheld, um Zugang zu schier endlosen Rätseln zu bekommen. Wir den mittlerweile fünften Teil von Jupiters Picross e-Reihe für den Nintendo 3DS für euch einmal genau unter die Lupe genommen und herausgefunden, ob Picross e5 das richtige Rätselspiel zur richtigen Zeit sein kann.

Zeitlose Logik
Kenner der sogenannten Pic-a-Pix-Rätsel werden sich jetzt sicherlich langweilen und lieber selber zum Handheld greifen, aber soviel Zeit muss sein. Die Rätsel in den PICROSS-Spielen folgen alle demselben Prinzip. Dem Spieler werden verschiedene Matrixen unterschiedlicher Größe vorgegeben, deren einzelnen Kästchen gefüllt werden müssen um am Ende ein Pixelmotiv zu erhalten. Hinweis darauf, welche Kästchen ihr füllen müsst und welche nicht, geben die einzelnen Zahlen am Rand der Zeilen und Spalten der Matrix. Jede Zahl steht dabei für eine vorgegebene Kette an Feldern, die ausgefüllt werden müssen. Steht demnach eine „4“ in einer Spalte, finden sich dort an einer Stelle vier ausgefüllte Felder nebeneinander. Mehrere Zahlen in jeweils einer Zeile oder Spalte geben zudem die Reihenfolge dieser Ketten, sowie mögliche Leerzeilen an. Mit diesen Grundregeln, die auch PICROSS e5 ausgiebig erklärt und auch Lösungstrategien verrät, und ein wenig logischem Denken lassen sich nahezu alle Rätsel des Spiels lösen.

Viele neue Rätsel erwarten euch in Picross e5.
Viele neue Rätsel erwarten euch in Picross e5.

Dieses Grundgerüst ist es, worauf sich Jupiter bei seinen Picross e-Spielen am besten versteht und wagt daher beim fünften Ableger keine Risiken. Wie der Schuster, der bei seinen Leisten bleibt, haben wir in e5 dieselben drei Modi wie im Vorgänger, dafür aber ein frisches Update an neuen Rätseln. Die titelgebenden Picross stellen dabei das Hauptspiel dar, das den Großteil des Titels ausmacht. Anhand der bereits erwähnten Regeln gibt es eine Vielzahl an Rätseln, die nicht nur euren logischen Verstand, sondern auch die Kreativität ausreizen. Sind es zu Beginn noch zarte Aufwärmübungen, um in Schwung zu kommen, bringen die späteren Rätsel manchen Knobler in die Bredouille. Doch mit einer sehr moderaten Lernkurve lernt nahezu jeder Spieler mit jedem Rätsel mit und schärft so seine Picross-Künste. Wer vor allzu großen Problemen stehen sollte, der kann jederzeit auf das Fragezeichen in der rechten Ecke klicken und so sich aktuell lösbaren Zeilen und Spalten markieren lassen. Doch Vorsicht, denn die Zeit läuft mit und jeder kleinste Fehler wird mit einer zweiminütigen Zeitstrafe geahndet. Diese Regel lässt sich allerdings in den Optionen wahlweise abstellen, wenn ihr ohne Zeitdruck vor euch hinknobeln wollt.

Große Kunst und große Hindernisse
Die beiden anderen Modi von Picross e5 variieren die Grundregeln ein wenig. Die leider etwas spärlichen drei Micross bieten euch Rätsel innerhalb des Rätsels. Im Grunde löst ihr erst ein simples Picross, dessen Lösung ihr noch einmal in Einzelteilen austüfteln müsst. Jedes ausgefüllte Feld muss noch nachträglich ausgewählt und mit einem eigenen Picross-Rätsel gelöst werden. Ganz zum Schluss steht dann ein detailliertes Bildnis als Belohnung, wie beispielsweise das „Mädchen mit dem Perlohrring“ von Jan Vermeer. Von dieser Form hätte ich wirklich gerne mehr gehabt. Stattdessen fanden auch wieder die Mega-Picross ihren Weg ins Spiel. Hier wird die Knobelei noch ein wenig anspruchsvoller, weil nun die Zahlen am Rand teilweise für zwei Reihen gleichzeitig gelten. So werden sich in zwei Spalten oder Zeilen an einer Stelle zusammenhängende Blöcke aus eben dieser Menge an ausgefüllten Feldern finden lassen. Der Anspruch daran, wann sich welches Feld füllen lässt, steigt mit dieser zusätzlichen Hinweisart. Und für Picross-Veteranen hat Jupiter sogar ein Treuesystem der ganz besonderen Art eingebaut: Wer bereits die Vorgänger auf den Nintendo 3DS heruntergeladen hat, der bekommt eine kleine, aber feine Reihe zusätzlicher Rätsel spendiert.

Ein Micross setzt sich aus mehreren kleinen Picross zusammen.
Ein Micross setzt sich aus mehreren kleinen Picross zusammen.

Touchpen oder Tasten? Das ist hier die Frage!
Die diversen Rätsel könnt ihr auf zwei unterschiedliche Arten angehen. Mit dem Touchpen habt ihr das direkteste und schnellste Ergebnis, denn ihr markiert wahlweise ein gefülltes oder ein leeres, durch ein X gekennzeichnetes Feld mit der Spitze des Pens. Doch unterwegs versagt die Effizienz dieser Steuerungsart schon mal. Eine kurze Bodenwelle und schon ist der Busfahrer schuld an einer Zeitstrafe. Und je größer die einzelnen Matrixen werden, desto kleiner werden auch die Felder, die ihr anzutippen habt. Hier fehlt eindeutig ein Zoom, der Ungenauigkeiten vorbeugen könnte. Die Eingabe mit Steuerkreuz und den einzelnen Knöpfen ist bei einer unruhigen Fahrt sicherlich zu empfehlen und ebenso direkt, hemmt allerdings die Spielgeschwindigkeit. Sollte es nötig sein, könnt ihr allerdings jederzeit, auch während eines laufenden Rätsels, die Art eurer Steuerung wechseln.

Minimalismus auf allen Ebenen
Die Spiele der Picross-Reihe sind simpel und nach nur wenigen Minuten dürften die Regeln jedem Spieler geläufig sein. Und genauso simpel wie das Spielprinzip kommt der gesamte Rahmen von e5 daher. Das Menü ist zweckdienlich und auf das Nötigste beschränkt, die Farben klar und deutlich voneinander zu unterscheiden, wenn ihr nach einem Tipp strebt. Auch die Auswahl der einzelnen Rätsel ist übersichtlich und zeigt die bereits gelösten Picross mit einer farbigen Version des gelösten Bildes an. Dieses wird euch auch ohne große Umschweife bei der Lösung präsentiert, ganz anders noch als bei der kleinen Inszenierung in Picross 3D. Nahezu dieselben Worte dürfte man sicherlich über die Musik verlieren können, die Klänge dudeln seicht vor sich hin und fallen weder positiv noch negativ groß auf. Es dient letztlich seinem Zweck das Knobeln in einer angenehmen Atmosphäre zu unterstreichen.

Das richtige Rätselspiel zur richtigen Zeit bei sich zu haben, kann Gold wert sein. Wer einen Nintendo 3DS und ein Faible für diese Form der logischen Aufgabe sein Eigen nennt, der sollte sicherlich bei Picross e5 zugreifen. Das Spielprinzip ist simpel und motiviert nach jedem gelösten Teil nochmal für eine weitere Runde. Dazu stimmt, abgesehen von den Micross, der Umfang, da sowohl Picross als auch deren Mega-Form in großer Zahl vorhanden sind und sich bei Besitz der anderen Spiele weitere freischalten. Vor allem für einen Preis von grade einmal fünf Euro im Nintendo eShop kann man nichts falsch machen. Lediglich bei den Steuerungseingaben muss man selber die geeignete Form für den richtigen Zeitpunkt auswählen, da beide ihre Vor- und Nachteile besitzen. Und auch die fehlenden Neuerungen sind zu bemängeln, da man – grade als Einsteiger – keinen Kaufanreiz gegenüber Picross e4 serviert bekommt, außer eben einer frischen Ladung neuer Rätsel. (Hinweis: Dieser Test wurde von unserem ehemaligen Redakteur Sascha P. Ritter verfasst)