Pro Evolution Soccer 2018 Test

Der letztjährige Ableger der Fußballsimulation aus dem Hause Konami ist bei uns nur knapp an der Bestnote vorbeigerauscht. Nun steht mit Pro Evolution Soccer 2018 der Nachfolger auf dem Platz und startet einen weiteren Angriff. Der weise Hans Meyer sagte einst: „Im Fussball baut man Dir schnell ein Denkmal, aber genauso schnell pinkelt man es an.“ Ob wir unsere Blase im Griff hatten, erfahrt ihr in unserem Test zu Pro Evolution Soccer 2018!

35 lizenzierte Ligen hat FIFA 18 vorzuweisen. Bei PES 18 sind es 13 Ligen – zu großen Teilen aber unvollständig. Zwar gibt es die UEFA-Lizenz exklusiv, doch Champions League ohne Bayern München – aus Deutschland sind nur der BVB, Schalke und RB Leipzig spielbar – dürfte für einige ziemlich unbefriedigend sein. Ja, die Lizenzproblematik ist eine nervige „Täglich-grüßt-das-Murmeltier“-Geschichte, aber unerwähnt darf sie natürlich trotzdem nicht bleiben. Dennoch ist Konami bemüht. Fast täglich wurde im Vorfeld der Veröffentlichung ein neuer Exklusivdeal vermeldet. So hat Konami für Pro Evolution Soccer 2018 beispielsweise exklusive Partnerschaften mit Usian Bolt, David Beckham und Colo-Colo abgeschlossen. Weder der Sprint-Star, noch der Mann von Posh Spice oder die komplett lizenzierte chilenische Liga dürften aber ausschlaggebend für den Kauf sein. Warum sich auch mit Lizenzen rumschlagen? „Ich habe immer gesagt, mich interessiert nicht, wer spielt. Hauptsache ich spiele.“ (Mario Basler)

Schon im letzten Jahr hieß es in unserem Test: „Die Geschwindigkeit des Spielgeschehens ist der Schlüssel zum Erfolg von Pro Evolution Soccer 2017.“ Daran hat sich bei Pro Evolution Soccer 2018 nichts geändert. Die optimale Balance in Sachen Spielgeschwindigkeit für Sprints, Tempoverlagerungen, Seitenwechsel, Schüsse und Passspiel sind im jeweiligen Bereich einfach genau auf den Punkt. Hinzukommt, dass PES 2018 in diesem Jahr vor allem beim Passsystem einen weiteren, deutlich spürbaren, Schritt nach vorne gehen konnte. Timing ist nach wie vor ein entscheidender Faktor, doch durch das neue REAL Touch-System, ist das Passsystem nun deutlich anspruchsvoller. Nicht nur die Füße der Kicker, sondern auch Brust, Kopf und Oberschenkel sind nun essentielle Bestandteile des Passsystems. Die Ballverarbeitung nach Zuspiel ist schwieriger, frustrierender und dadurch so viel besser. Wer sich im Angriff befindet dabei aber selbst nicht so genau weiß, was er mit dem Ball machen soll und auf gut Glück den Passknopf drückt, wird den Ball mit absoluter Sicherheit verlieren. Der Spieler muss eine Idee für seinen Angriff haben und auf den Platz übertragen, sonst wird das einfach nichts. Durch verbesserte Basis-Bewegungen (Gehen, Drehungen, Körperhaltung bei Passempfang) ergeben sich außerdem ganz neue Möglichkeiten, um seine eigene Philosophie auf den Platz zu zaubern. Da reißen sich keine Lücken von selbst, da ergeben sich keine Konterangriffe, wenn man es nicht selbst darauf anlegt und da stellt der Abwehrspieler den gegnerischen Stürmer eben nicht automatisch. Pro Evolution Soccer 2018 ist eine Fußballsimulation, die nahe an der Perfektion ist. Wer voll konzentriert ist und sich zu einem mühevollen 1:1 gegen einen menschlichen Gegner kämpft, kann das nächste Spiel auch glatt mit 0:4 verlieren, wenn die Konzentration nicht auf dem gleichen Level gehalten werden kann. Frust vorprogrammiert! Warum das so frustrierend ist? Weil man dem Spiel nicht die Schuld geben kann – auch wenn man das natürlich trotzdem tut, insgeheim aber weiß, dass der Grund der Niederlage in der eigenen Unfähigkeit begründet liegt. Man muss sich reinfuchsen in dieses Spiel und man muss sich mit seiner Taktik, seiner Spielweise, seiner Idee von Fußball auseinandersetzen. Seit Pro Evolution Soccer 6 spiele ich beispielsweise schon gegen meinen Bruder und schon immer ist er dieser Tiki-Taka-Typ, der mir mit seinem schnellen Passspiel auf die Nerven geht. Doch noch nie hat er mich damit so genervt wie in PES 2018. Warum? Weil er es durch das neue Passsystem nun noch genauer umsetzen kann. Dabei waren mir diese Tiki-Taka-Typen schon immer ein Dorn im Auge, weil sie meiner Art von Fußball nicht entsprechen und weil ich selbst eben eher derjenige bin, der mit einem Spieler Lücken reißt und dann den einen guten Ball spielt (zumindest in der Theorie). Nach zahlreichen Niederlagen sah ich mich gezwungen meine Spielweise zu überdenken, taktisch umzustellen, schnellere Spieler auf die Außenverteidigerpositionen zu ziehen, kurz: meinen Fußball grundlegend zu überdenken. Es läuft besser seither.

Die verbesserten Grafiken, Zuschauer- und In-Game-Animationen sind mir egal. Der neue Online-Koop für 2-gegen-2 und 3-gegen-3 ist nett, ebenso wie die deutlich verbesserte KI der Gegner. Die Verbesserungen und der größere Tiefgang im Meisterliga- oder myClub-Modus sind lobenswert. Die Rückkehr der Zufallspartien (zufällige Vereine werden im Versus-Modus ausgewählt) freut mich. Letztlich ist das aber alles Nebensache. Wer sich für die Auflistung der verschiedenen Modi, der enthaltenen Stadien oder Bälle interessiert, findet dies sicher übersichtlich(er) auf der offiziellen PES 2018-Homepage. Mir geht es um den Realismus im Spiel, der bei PES 2018 tatsächlich noch eine Schippe drauflegen konnte. Es fehlt nicht mehr viel bis zur Bestnote, Konami! Und damit meine ich keine Lizenzen oder neue Exklusiv-Deals mit ehemaligen Profifußballern. Tatsächlich gibt es in meinen Augen nur zwei Dinge, die bei den künftigen Ablegern noch etwas ausgefeilter sein dürften: Eine noch weiter verbesserte Mitspieler-KI und eine überarbeitete manuelle Spielerauswahl. Denn wenn sich der eigene Fußball einmal nicht umsetzen lässt, dann liegt das häufiger daran, dass die KI-Mitspieler nicht immer den Weg laufen, den sie zwei Sekunden zuvor angezeigt haben oder das beim manuellen Spielerwechsel erst drei – vier andere Kicker das „Hütchen“ über den Kopf bekommen. Aber so ganz perfekt wäre ja auch langweilig.

Fazit
Die Pro Evolution Soccer-Reihe hat in den vergangenen Jahren endlich wieder ihre alte Klasse erlangt. Auch mit Pro Evolution Soccer 2018 geht Konami diesen Weg unbeirrt weiter. Immer ein Stückchen besser, immer etwas ausgefeilter, immer näher am Fußball – viel näher geht es nicht mehr. Pro Evolution Soccer 2018 ist die beste Fußballsimulation auf dem Markt. Punkt.
Toll
  • optimale Balance bei der Spielgeschwindigkeit
  • ausgefeiltes Passsystem
  • taktische und spielerische Tiefe
  • neue und verbesserte Spielmodi
Naja
  • fehlende Lizenzen
  • Mitspieler-KI in manchen Situationen unausgereift
  • manueller Spielerwechsel noch ausbaufähig
9.5
Großartig
Verfasst von
Joshua ist Herausgeber und leitender Redakteur von Gaming-Universe. Neben News, Vorschau- und Testberichten liegt sein inhaltlicher Schwerpunkt vor allem bei Magazin-Artikeln und Interviews. Spielerische Lieblinge zeichnen sich vor allem durch eine tiefgründige oder emotionale Geschichte aus – wobei er ansonsten viel Zeit in Partien mit der einzig wahren Fußballsimulation investiert.

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