Kritiken

République im Test

République wurde einst über eine Kickstarter-Kampagne finanziert und ist das erste Spiel des Indie-Studios Camouflaj, welches von Metal Gear Solid 4-Producer und Halo 4-Creative-Director Ryan Payton gegründet wurde. Zunächst wurden die ersten Episoden des Stealth-Abenteuers lediglich für iOS- und Android-Geräte veröffentlicht – wenig später folgte dann eine Remastered Edition für PC und Mac. Nach Fertigstellung der fünften und letzten Episode kommen nun auch PlayStation 4-Besitzer in den Genuss des etwas anderen Schleichspiels. Was genau das Spielerlebnis rund um République ausmacht, erfahrt ihr in unserem GU-Test.

Willkommen im totalitären Regime
Im Mittelpunkt der Geschichte steht Hope, eine junge Frau, die in einem riesigen, unterirdischen Komplex als Gefangene des Regimes mit der Kennung 309-H gehalten wird. Wir befinden uns in Metamorphosis, einem Ort, in dem die diktatorisch geführte Organisation der „Republik“ unter den Fittichen eines mächtigen Anführers operiert. Er steht an der Spitze des Regimes und herrscht mithilfe von totalitärer Macht – seinen Willen setzt er unmittelbar durch seine treuen untergebenen Soldaten, den Prizrak, um. Die Bevölkerung wird mittels geschürter Angst sowie harten Bestrafungen bei Verstoß gegen die Regeln in Schacht gehalten und somit zu Mitgliedern dieses paranoiden, totalitären Systems erzogen. Das was der Anführer des Regimes sagt, ist Gesetz. Um die Entwicklung von freien Individuen zu unterbinden, wurde von ihm ein strenges Literaturverbot verhängt. Es dürfen nur die eigens verfassten Manifeste im Umlauf sein und gelesen werden. Genau das wird Hope zum Verhängnis: Ihr wird der Besitz dieser „vergifteten“ Werke vorgeworfen und deshalb wird sie von den Sicherheitskräften unter Arrest gestellt. Nun droht ihr als Bestrafung eine Gehirnwäsche, die ihre Identität auslöschen soll, die sogenannte Re-Kalibrierung. Irgendwie hat sie es jedoch geschafft, ein Smartphone in ihren Besitz zu bringen. Woraufhin sich das eingesperrte und total verängstigte Mädchen flehend per Video-Anruf direkt an uns wendet. Sie braucht dringend unsere Hilfe um aus diesem diktatorischen Komplex zu entkommen.

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Direkt im Anschluss an diesen Anruf bekommen wir Zugang auf das Überwachungskameranetzwerk von Metamorphosis. Ziemlich schnell wird klar, dass wir durch unsere Hacking-Skills per Tastendruck von Kamera zu Kamera springen können und so mit der Umgebung interagieren. Durch Drücken der R1-Taste wechseln wir in den sogenannten Omni-View, einen Scan-Modus der das Spielgeschehen einfriert und anhand von Symbolen und farblich hervorgehobenen Objekten die Interaktionsmöglichkeiten aufzeigt. Durch diese Manipulation ist es uns möglich, für Hope Türen zu öffnen und durch das Scannen von Dokumenten oder Computern an wichtige Informationen zu gelangen.

Wir spähen vorab durch die Korridore der Anlage und machen dort die patrouillierenden Wachkräfte ausfindig. Nachdem wir einen sicheren Weg gefunden haben, lassen wir die junge Dame durch direkte Steuerung an den Wachen vorbeischleichen und können diese bei Gelegenheit auch noch ausrauben, um an ein paar wichtige Objekte zu gelangen. Dabei sollte Hope möglichst unentdeckt bleiben, da sie sonst wieder gefangen genommen und in der nächsten Zelle unter Arrest gestellt wird. Da eine Entdeckung nicht immer vermeidbar ist, kann Hope mittels zuvor aufgelesenem Pfefferspray oder Taser die Wachen betäuben, um anschließend schnell das Weite zu suchen. Diese kleinen Hilfsmittel lassen sich jedoch nur einmal einsetzen, danach sind sie nutzlos. Außerdem ist es uns möglich, dem Verfolger bei der Aufholjagd einfach eine verriegelte Tür vor die Nase zu setzen.

Cooper – dein Freund und Helfer
Bei der Befreiung von Hope sind wir nicht auf uns allein gestellt. Wir bekommen regelmäßigen telefonischen Support von Cooper, welcher der Widerstandsbewegung angehört. Er steht uns mit seinem technischen Know-How zur Seite und zeigt uns durch seine Kenntnisse die bestmöglichen Wege auf, um unser Ziel zu erreichen. Coopers elektronische Stimme ist zunächst etwas gewöhnungsbedürftig, da diese durch Text-to-Speech-Synthese verfremdet wurde, um nicht erkannt zu werden. Während er sich zu Beginn des Spiels noch automatisch und relativ häufig meldet, beschränkt er sich im weiteren Verlauf zunehmend auf eine optional im Menü wählbare Hilfe. Weiterhin gibt er uns die ersten Hinweise zum Auffinden bestehender Datenterminals, mittels welcher sich unser Omni-View-Scanner upgraden lässt. Nur so ist es uns im fortlaufenden Spiel möglich, Areale mit höherer Sicherheitsstufe zu erreichen.

Interagiere mit deiner Umgebung
Durch das genaue Betrachten von Postern, Kassetten, E-Mails und Büchern bekommen wir wichtige Hintergrundinformationen zur Spielwelt geliefert und im Scan-Modus lassen sich außerdem noch einige andere Objekte, wie z.B. Schraubenzieher und Batterien ausfindig machen. Mit den Batterien können wir die Akkuleistung unseres Omni-Views auffrischen und mit dem Schraubenzieher ist es möglich Belüftungsschächte zu öffnen, um neue Geheimnisse oder Abkürzungen zu entdecken. Beim Erkunden der Sammelobjekte bekommen wir nicht selten vertonte Dialoge geliefert, welche mehr über die Geschichte rund um das ideologische Regime verraten. Dies stellt den Großteil der Informationen rund um das Stealth-Game dar, da wir nur selten Zwischensequenzen mit Dialogen zu sehen bekommen. Wen das Sammelfieber gepackt hat, der kann jederzeit in den Optionen nachsehen, wie viele der erhältlichen Objekte bereits in der jeweiligen Episode aufgelesen wurden. République möchte nicht nur mittels simpler Schleich- und Manipulationstechniken glänzen, sondern man versucht auch das Setting durch so manches kniffliges Rätsel aufzulockern, indem der Spieler beispielsweise die Beleuchtung von Statuen in einer bestimmten Reihenfolge einschalten muss, um zu seinem Ziel zu kommen. Hier geht das Konzept im Kern gänzlich auf – nach dem erfolgreichen Absolvieren solcher Rätselaufgaben hat man als Spieler definitiv ein kleines Erfolgserlebnis.

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Verbessere deine Hacking-Skills

Gesammelte Informationen lassen sich in speziell dafür vorgesehenen Räumen an einem Bildschirmterminal verkaufen. Ein Datenschieber bezahlt uns je nach Wert der Daten entsprechend angemessen und das somit erhaltene Geld können wir anschließend wiederum bei ihm in Upgrades investieren, welche unser Hacker-Dasein erleichtern. So ist es uns später beispielsweise möglich, den Funkverkehr zu stören, die Patrouillenwege der Wachen für eine kurze Zeit sichtbar zu machen oder diese mittels Interaktion durch Elektrogeräte abzulenken. Außerdem können wir an weitere, zum Teil ebenfalls wiederverkäufliche Informationen gelangen, indem wir E-Mails hacken oder den Anrufbeantworter abhören. Neben dem Verkaufsbildschirm gibt es in dem Raum auch noch eine Akku-Ladestation für unseren Omni-Viewer. Es lohnt sich also, dort regelmäßig vorbeizuschauen.

In République zeichnet sich recht schnell ein linearer Levelaufbau ab. Dieser Eintönigkeit wird jedoch glücklicherweise im weiteren Verlauf abgeholfen: ab Beginn der vierten Episode kommt ein wenig Schwung in das Stealth-Abenteuer. So sind in diesem Spielabschnitt unsere Hacking-Skills zum Großteil unbrauchbar und wir müssen uns vielmehr auf das richtige Timing beim geschickten Vorbeischleichen an einem überaus imposanten Gegner verlassen. Darüber hinaus ist Hopes Smartphone nun mit einer Kamera ausgestattet und wir bekommen die vertonten Hintergrundinformationen nach einem Schnappschuss des entsprechend markierten Objekts. Merkwürdigerweise sind einige Textpassagen in der vierten Episode nicht ins Deutsche übersetzt, sondern in Spanisch dargestellt worden. Durch die weiterhin erfolgte englische Sprachausgabe konnte man dennoch nachvollziehen, welcher Aufgabe wir uns als nächstes annehmen mussten. Es wäre jedoch schön, wenn das Ganze noch durch einen Patch behoben werden würde.

Kameraperspektive teilweise ungünstig
Das Handling mit den verschiedenen Kameraperspektiven geht zwar recht flüssig von der Hand, dennoch kann man mitunter schnell die Orientierung verlieren, da sich bei einem Kamerawechsel die Blickrichtung abrupt ändert. Dadurch wird es recht unübersichtlich und man verliert nicht selten den Blick dafür, wo sich der nächste Zielpunkt befindet. Aufgrund dessen muss man hierbei relativ häufig auf die Karte im Menü zurückgreifen, welche leider nicht dynamisch angelegt wurde. Sie zeigt uns starr die Position, in welcher sich Hope gerade befindet aus einer bestimmten Perspektive. Wenn wir mit der Kamera gerade auf einer anderen Position sind, können wir dies leider nicht auf der Karte erkennen. Wenigstens werden noch nicht durchsuchte Räume entsprechend gekennzeichnet und sollten wir unsere junge Dame nicht mehr auffinden können, ist es mittels Tastendruck im Menü möglich, zu ihr zurück zu gelangen. Weiterhin störend ist jedoch der automatische Kamerafokus auf Hope. Auch wenn wir eine für uns passende Kameraperspektive auf das Geschehen gefunden haben und die Gefangene von diesem Blickwinkel aus steuern möchten, springt die Kamera beim Betreten des nächsten maßgebenden Kamerabschnitts leider immer wieder auf sie zurück. Nicht selten kommt es dabei zu verlängerten Ladezeiten.

Ein grafisches Highlight wird man in dem Spiel vergebens suchen – man sieht definitiv, dass République zunächst nur darauf ausgelegt war, auf mobilen Endgeräten zu laufen. Trotzdem haben sich die Entwickler alle Mühe gemacht, mittels der eingesetzten Unity 5-Engine das Spiel an Konsolen-Niveau heranzutasten. Eine optische Besserung ist im Vergleich zu den mobilen Ablegern deutlich zu sehen und auch wenn es auf der Konsole nicht wirklich beeindruckend ist, tut das dem Spiel keinen Abbruch. Wohl kaum jemand wird sich diesem Stealth-Abenteuer alleine aufgrund der Optik annehmen. Hier geht es vielmehr um die erdrückende Stimmung, welche diese dystopische Welt gekonnt vermittelt. Vor allem die Hauptfigur Hope glänzt durch ihre glaubhaft dargestellten Emotionen und Äußerungen. Die englische Sprachausgabe wurde insgesamt gut synchronisiert und mit deutschen Untertiteln versehen, welche leider etwas klein am oberen Rand des Bildschirms dargestellt werden.

République beschäftigt sich im Grunde mit der Frage, wie eine elektronisch vernetzte Zukunft aussehen könnte und gestaltet sich vor allem aufgrund seiner erdrückend glaubwürdigen Handlung als interessant. Sie wurde auf den Eckpfeilern aktueller Themen errichtet und möchte erreichen, dass der Spieler ein besonderes Verhältnis zu der Hauptfigur Hope aufbaut. Wir sollen uns als ihr Beschützer fühlen und genau das hat Camouflaj auch gut hinbekommen. Wir haben das Mädchen ständig durch unsere Kamera im Blick und versuchen sie bei ihrem Weg auf der Suche nach Wahrheit vor den brutalen Sicherheitskräften zu beschützen. Man geht in seiner Rolle als Hacker auf und fühlt sich regelrecht als Strippenzieher, wenn man geschickt seine Umgebung manipuliert. Um ein besseres Stealth-Action-Erlebnis zu liefern, hätte man die Cleverness der Wachen allerdings etwas hochstufen müssen. Im Grunde sind diese zu durchschaubar und es stellt sich als relativ einfach dar, diese Patrouillen zu umgehen. Zudem wird der Spielfluss leider durch die teilweise ungünstige Kamerasteuerung und den dadurch auftretenden Ladezeiten unterbrochen. Nichtsdestotrotz ist République ein ungewöhnliches Spiel, welches atmosphärisch stimmig und detailgetreu inszeniert wurde. Je nach Spielweise könnt ihr rundum pro Episode mit bis zu zwei bis drei unterhaltsamen Spielstunden rechnen.

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Für Redakteurin Jenny hat sich die Videospielwelt in den letzten Jahren als perfekter Ort zum Wohlfühlen und abschalten herauskristallisiert. Dabei ...