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Resident Evil 7 biohazard Test

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9

Großartig

8.5

Leserhype

Nachdem Resident Evil zuletzt einiges an Kritik einstecken musste, hat Capcom für zukünftige Ableger neu evaluiert, worin die Stärken der Traditionsreihe eigentlich liegen. Im komplexen Kampfsystem von Teil sechs? Im Koop-Horror unter der prallen Sonne Afrikas, wie in Teil fünf? Das Ergebnis dieser Neuerfindung steht ab jetzt in den Regalen und heißt Resident Evil 7 biohazard. Die Entwickler orientierten sich dafür mehr an den gemächlichen Anfängen der Reihe, statt an den actionreichen Kapiteln der letzten Jahre. Doch Resident Evil 7 ist mehr als nur als ein Retroschocker für Veteranen, die sich an die gute alte Zeit zurückerinnern wollen, als die Videospielindustrie nicht ohne Horrorspiele auskam. Capcom hat es dank einiger mutiger Designentscheidungen geschafft, dass ich endlich wieder mit viel Zuversicht auf die Zukunft der Reihe blicke.

Keine Frage, die ersten Spielminuten von Resident Evil 7 biohazard wirken für Fans der Serie erst einmal befremdlich. Wie schon in der Beginning Hour-Demo, welche im vergangenen Jahr bereits neugierig auf das Endprodukt machte, erlebt der Spieler das Grauen zum ersten Mal in der Geschichte der Franchise aus der First Person-Perspektive. Ihr verkörpert nämlich Ethan Winters, der seit nunmehr drei Jahren nach seiner verschollenen Frau Mia sucht. Ein frischer Hinweis auf ihren Verbleib führt ihn nach Louisiana, wo er auf einer isolierten Farm hofft, seine große Liebe wiederzufinden. Doch das Anwesen ist, dem heruntergekommenen Äußeren zum Trotz, alles andere als verlassen. Bereits nach einem kurzen Streifzug findet sich Ethan am Esstisch mit den Hausherren, der offensichtlich wahnsinnigen Familie Baker, wieder. Diese bieten ihm gleich die Aufnahme in den Kreis der Familie an und wollen den Familienzuwachs mit einem „Festmahl“ feiern. Da ihr aber nicht kannibalistisch veranlagt seid, gilt es herauszufinden, was mit Mia passiert ist und der Farm schnellstmöglich zu entfliehen. Diesen Plan in die Tat umzusetzen stellt sich jedoch als deutlich schwieriger heraus, als anfangs gedacht. Capcom bedient sich zwar an Hillbilly-Horror-Klischees, aber dem altbekannten Schema verleihen sie mit einer Prise Übernatürlichkeit einen originellen Twist. So hat es sich je ein Familienmitglied – und weitere finstere Kreaturen – in einem anderen Bereich der Plantage gemütlich gemacht und setzt alles daran, euch doch noch von der Sippschaft zu überzeugen.

Resident Evil 7 ist kompakter als die zuletzt erschienenen Ableger der Reihe und kreiert dadurch für eine glaubhafte Gruselatmosphäre. Hier durchstreift ihr keine unterirdischen Tempelanlagen oder geheime Superlabore, die an einer apokalyptischen Bedrohung köcheln. Das Grundstück der Bakers ist vergleichsweise bescheiden, aber strotzt nur so vor Details, die das Erkunden aus der Ego-Perspektive zur wahren Freude machen. Ungeziefer in Kochtöpfen, fremdartige Substanzen die von den Wänden tropfen und allerlei blutige Botschaften ziehen den Spieler gleich in die dichte Atmosphäre des Spiels. Ebenso wie die Gegner, die teilweise wirklich klasse designt wurden, erzählen auch die Farmhäuser selbst verstörende Geschichten. So schaurig wie Resident Evil 7 war lange kein Ableger der Reihe mehr. Die tolle Soundkulisse unterstreicht die Stimmung zusätzlich und ließ mich während der rund zehn Stunden andauernden Story stets den Blick um die nächsten Ecke fürchten. Schließlich weiß man nie, wer oder was dahinter lauert. Und ja: Jumpscares gibt es ebenfalls. Während sich populäre Filme des Horror-Genres aktuell aber meiner Meinung nach allzu sehr auf den schnellen Schreck verlassen, sind diese Momente in Resident Evil 7 sparsam und zielsicher verteilt. Mehr als einmal musste ich auf die Start-Taste drücken, um mir nach einem dieser Schockmomente eine kurze Pause zu nehmen.

Atmosphäre ist sicherlich ein wichtiger Faktor für ein gelungenes Horror-Spiel, aber das Gameplay sollte alles andere als schrecklich sein. Glücklicherweise macht Resident Evil 7 auch hier wenig verkehrt, was ebenfalls daran liegt, wie sehr man sich an den Traditionen der Reihe entlanghangelt. Bei eurem ersten Besuch der Anlage sind euch viele Flure und Türen unzugänglich. Verschiedene Schlüssel erlauben es euch, nach und nach die Geheimnisse der Bakers zu lüften. Trotz mehrerer Bauten, die je eine Vielzahl von Zimmern und Stockwerken bieten, werdet ihr durch diese Spielstruktur mit einer angenehmen Geschwindigkeit mit der Farm vertraut gemacht. Die anfängliche Linearität lässt mit zunehmender Spielzeit nach und wenn es schließlich darum geht, bereits bekannte Bereiche erneut zu besuchen, wirkt der Wohnsitz eurer Gastfamilie tatsächlich schon fast wie euer zweites Zuhause. Bis es soweit ist, gilt es allerdings noch einige andere Aufgaben zu lösen.

Die Familienmitglieder streifen nämlich durch die Flure und mögen es gar nicht, wenn ihr ihren Weg kreuzt. Also muss der Spieler ihre Laufwege analysieren und Schutz in den Schatten suchen, um an ihnen vorbei zu schleichen. Zwar werdet ihr nicht konstant von den Bakers verfolgt, sondern nur an festgelegten Momenten der Geschichte, aber diese Situationen entstehen dennoch erfreulich natürlich. Ihr werdet nicht vorgewarnt, dass heimliches Vorgehen gefragt ist, sondern müsst selbst flexibel auf diese Bedrohung reagieren. Zudem bietet das ohnehin dezente HUD keinerlei Angaben über die Qualität eures Verstecks wie man es aus anderen Stealth-Spielen kennt. So ergänzen diese Abschnitte das Gameplay um ein weiteres Element, das für Abwechslung sorgt und dabei sehr gut zur glaubwürdigen Grundstimmung des Spiels passt.

Auf eurem Weg durch die Flure stoßt ihr immer wieder auf Türen, die sich nicht mit einem Schlüssel öffnen lassen, sondern euren Einfallsreichtum beim Lösen von Rätseln erfordern. Für meinen Geschmack fallen diese Denkaufgaben aber überwiegend deutlich zu leicht aus. Oft müsst ihr lediglich eine Figur so drehen, dass ihr Schatten mit einer Form an der Wand übereinstimmt, um den Zugang zu öffnen. Wirklich fordernd ist das nicht, denn diese Aufgaben können durch bloßes Ausprobieren innerhalb weniger Sekunden gelöst werden. Dass es auch besser geht, zeigt ein optionaler Rätselabschnitt, dessen mehrstufigen Kopfnüsse deutlich inspirierter daherkommen. Dieses Level ist auf einer Videokassette versteckt, die beim Einlegen in ein passendes Abspielgerät stets ein interaktives Video enthüllen, das euch in die Haut einer anderen Figur steckt, die früher in Kontakt mit den Bakers gekommen ist. Selbstverständlich findet ihr im Zuhause der Bakers aber neben diesen Tapes auch wieder Dokumente, welche die Story und Lore ausschmücken, sowie allerlei nützliche Ressourcen für den Überlebenskampf. Kräuter und Patronen für eure Schusswaffen sollten jedem, der schon einmal ein Resident Evil gespielt hat, ein Begriff sein. Diesmal habt ihr aber noch mehr Möglichkeiten bei der Verwaltung eurer Items und daher auch deutlich öfter die Qual der Wahl. Rote Kräuter wurden nämlich durch Chemikalien ersetzt, die sozusagen als Grundbaustoff für das Herstellen von Gegenständen herhalten. Während in der Kombination mit einem Kraut eine Arznei entsteht, könnt ihr das Mittel auch verwenden, um Munition herzustellen, oder bereits vorhandene Dinge zu verbessern. Bei meinem Spieldurchgang auf dem Schwierigkeitsgrad Normal hatte ich nie das Gefühl zu viele, oder viel zu wenige Items im Besitz zu haben. Stets muss man mit seinen Items haushalten – so wie es sich für ein Survival-Horror-Spiel gehört!

Wenn Ethan doch in die Fänge der Baker-Familie gerät, stehen ihm diverse Waffen zur Verfügung. Die standartmäßige Pistole wird mit der Zeit um schlagkräftigere Wummen wie die Shotgun, die Magnum oder einen Granatwerfer ergänzt. Die Frequenz mit der ihr auf Feinde trefft, ist deutlich langsamer, als in den zuletzt erschienenen Kapiteln der Reihe. Dafür kann ein einziger Feind, sofern ihr ihn nicht rechtzeitig im Schatten erspäht, schon den frühzeitigen Tod bedeuten. Um den Neustart von einem der fair platzierten Checkpoints zu vermeiden, müsst ihr entweder zielsicher den Kopf treffen, oder die Gliedmaßen der finsteren Kreaturen abtrennen. Für meinen Geschmack war diese Spielmechanik aber einfach nicht präzise genug, sodass ein Kopfschuss immer die bessere Option darstellte. Über Einsatz des linken Bumpers kann Ethan zudem die Angriffe der Baker-Lakaien abwehren, doch auch bei dieser Aktion fühlt sich die Steuerung nie richtig rund an. Letztendlich sorgt die mangelnde Abwechslung an Feinden und äußerst nervige Insektengegner aus dem Mittelteil des Spiels, die scheinbar hauptsächlich die VR-Erfahrung verbessern sollen, mitsamt der mechanischen Rückschritte dafür, dass die Kämpfe in Resident Evil 7 zwar spannender denn je sind, aber nicht ganz mit denen der Vorgänger mithalten können. Deutlich besser sind da schon die Bosskämpfe, welche Treffsicherheit, gelungenes Wirtschaften mit Items und Kreativität erfordern. Denn meist gibt es gleich mehrere Wege, um diese Konfrontationen zu überstehen.

Apropros VR: Auf der PlayStation 4 lässt sich Resident Evil 7 von Anfang bis Ende in VR spielen. Das ist insofern schon beeindruckend, da die meisten PSVR-Spiele bis dato eher kurze Erlebnisse boten oder dem Indie-Sektor entstammten. Noch erstaunlicher ist allerdings, dass die VR-Unterstützung mehr als ein reiner Marketing-Gag ist. Dank zahlreiche Optionen lässt sich das Spielempfinden so anpassen, dass die berüchtigte Motion Sickness kein größeres Hindernis mehr darstellt – und das Zielen per Head-Tracking funktioniert außerordentlich gut. Ganz besonders profitiert allerdings die ja ohnehin schon dichte Atmosphäre. Gerade das, was man nicht sehen kann, wird im virtuellen Raum spürbarer als am TV. Ob man das Horror-Spiel in VR meistern will, bleibt also ganz den Nerven des Spielers überlassen und scheitert nicht schon an technischen Hürden. Empfehlenswert ist dabei allerdings eine PS4 Pro, die nicht nur am TV mit 4K- und HDR-Support, sondern gerade bei Nutzung einer PlayStation VR ein deutlich verbessertes, schärferes Bild auf das Display bringt.

Capcoms Generalüberholung der Reihe hat sich ausgezahlt. Mit einer hochwertigen Präsentation und gut abgestimmten Gameplay kann Resident Evil 7 biohazard beinahe als Erfolg auf ganzer Linie bezeichnet werden. Wenn zukünftige Ableger auf den Stärken dieses Titels aufbauen und die wenigen Schwächen ausmerzen, könnte das Genre als solches ein wahres Comeback erleben. Wenn euch der Sinn nach atmosphärischem Grusel steht, führt derzeit kein Weg an Resident Evil 7 vorbei.

Gut

  • tolle Gruselatmosphäre
  • spannendes Setting
  • gelungenes Pacing
  • Spielbalance / Schwierigkeitsgrad
  • herausfordernde Kämpfe und Bosse

Schlecht

  • Rätsel sind überwiegend enorm leicht
  • Kampfmechanik "nur" in Ordnung
  • wenig Varianz der Standard-Gegner

Fazit

Mit Resident Evil 7 biohazard kann die Traditionsreihe an ihre besten Zeiten anknüpfen. Die Kombination von alten Stärken mit modernem Spielgefühl funktioniert ausgesprochen gut und lässt Horror-Fans in der schaurig-schönen Atmosphäre versinken.
9

Großartig

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6 Kommentare auf "Test"

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Z.Carmine
Mitglied
Patreon

Wo ist denn das alte „Hervorragend“ hin? ugly

lottogewinner
Webmaster

Oh. Wir haben die Übersetzungsdatei gekillt und dann neu übersetzt. Jetzt ist es halt großartig smile

Biber
Mitglied
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Sehr schön geschrieben, sehr „erlebensnah“ und plastisch. So sollten Reviews imo generell sein und keine Aufzählung von Features und technischen Aspekten. Gibt nen sehr guten Eindruck vom Spiel. Danke!

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