Kritiken

Rhythm Thief & der Schatz des Kaisers im Test

Sega is back, und zwar mit einem Rhythmus-Spiel der feineren Variante. In Rhythm Thief & der Schatz des Kaisers wird der Spieler allerdings nicht nur vor stylische Aufgaben in Form von Minispielchen gestellt, sondern erlebt außerdem eine Geschichte im Anime-Format, die Professor Layton-Fans freuen wird. Dass ein Rhythmus-Spiel für einen Touchscreen-basierten Handheld geradezu perfekt ist, zeigt Rhythm Thief an vielerlei Stellen. Leider gelingt dem durch und durch pfiffigen, motivierenden Spiel nicht immer der Spagat zwischen Spaß und Spielbarkeit. Warum ihr dem Fall von Phantom R dennoch eine Chance geben solltet, erfahrt ihr im folgenden GU-Test!

Raphael alias Phantom R ist auf der Suche nach ganz bestimmten Kunstschätzen.

Das Phantom R der Oper
In Paris geht ein Diebstahl nach dem anderen vonstatten und mittlerweile ist der Übeltäter jeddermann bekannt: Phantom R tänzelt des Nachts durch die Straßen der französischen Metropole und eignet sich berühmte Kunstwerke an – und dennoch ist er kein Bösewicht. Raphael, so sein bürgerlicher Name, ist einer ganz bestimmten Spur hinterher, die sich ganz plötzlich verselbstständigt, als er einem Irren, der behauptet er sei Napoleon, begegnet, der ebenfalls ganz bestimmten Kunstschätzen hinterher jagt. Als dann auch noch die neue Bekannschaft, das Mädchen Marie, von dem Bösewicht und seinen willenlosen Schergen bedroht wird, kennt Phantom R kein Halten mehr und macht sich daran, das Geheimnis um die Schätze des Kaisers zu lüften.

Multifunktions-Gameplay
Auf dem Weg von der ersten Färte bis zur finalen Gegenüberstellung des wahren Übeltäters erwarten den Spieler eine Vielzahl an unterschiedlichen Rhythmus-Minispielen, die von allen Input-Möglichkeiten des Nintendo 3DS Gebrauch machen. Mal reicht allein der A-Button, dann werden A-Button und Steuerkreuz benötigt, dann wiederum A- und B-Button, ein andermal die Schultertasten, dann natürlich auch Stylus-Eingaben über den Touchscreen und schließlich muss man sogar die Neigungssensoren des Handhelds benutzen. Rhythm Thief bietet ein wahres Füllhorn an abwechslungsreichen Aufgaben. Damit einher kommen leider auch immer wieder einmal Frustmomente, weil nicht jedes Minispiel auf Anhieb verstanden wird. Glücklicherweise steht dem Spieler dann eine Hilfsfunktion zur Seite, die visuelle Hilfen einblendet, um den korrekten Rhythmus zu finden. Trotz derlei Unterstützung gibt es dennoch das eine oder andere Minispiel, das einen nur schwer zu durchblickenden Takt besitzt, was in Verbindung mit stetig komplizierter werdenden Eingaben beizeiten die Motivation ein wenig schmälert. Doch ganz abgesehen davon, ob man schnell oder nur schwierig in eine Disziplin hinein findet: Echte Totalausfälle gab es im Testspiel mit Ausnahme eines einzelnen keine.

Eine mehrfach in verschieden schwieriger Ausgabe vorkommende Aufgabe ist der Gruppentanz. Dabei tänzelt Phantom R gemeinsam mit zwei Klonen auf dem oberen Bildschirm und muss die Bewegungen der beiden Doppelgänger zeitlich im Takt nachvollführen. Ohne dabei auf den Touchscreen blicken zu müssen, zeichnet man eine Linie nach rechts, links, oben oder unten, oder aber dreht einen Kreis. Lediglich der Kreis verlangt desöfteren eine zu genaue Eingabe, wodurch man sich schon mal einen Patzer einhandelt. In einem anderen Minispiel hüpft man gemeinsam mit Hund Fondue von links nach rechts, wobei der A-Button für Phantom R und der B-Button für Fondue reserviert ist, und beide Figuren in unterschiedlichen Abständen hüpfen. Dabei muss der Spieler stets dann den jeweiligen Knopf drücken, wenn die Figur am Boden aufkommt. Etwas frustiger ist da schon das Servieren in der Küche der Oper. Der Chefkoch sagt verschiedene Manöver an, woraufhin man die entsprechende Bewegung mit dem Stylus ausführen muss, um Teller zu belegen und Gläser weiter zu reichen. Selbst mit aktivierter Hilfe ein nur schwer zu durchschauendes Minispiel. Grundsätzlich gilt: Übung macht den Meister, was bei einem, hat man einmal den Story-Modus beendet, auf Highscore ausgelegten Spiel auch kein Negativum darstellt.

Auch als Kellner macht Raphael eine gute Figur.

Musikalische Sammelei
Neben den später dann auch einzeln anwählbaren Minispielen bietet Rhythm Thief, dessen Story-Modus in mehrere Kapitel unterteilt ist, noch eine ganze Menge mehr. Zwischen den aktiven Aufgaben wandert man auf einer netten Oberweltkarte in Paris umher und erforscht am Touchscreen die jeweilige Szenerie. Via Herumklicken in der Umgebung findet man in beinahe jedem Ausschnitt versteckte Items, zumeist Münzen, mit denen sich Filmszenen freischalten lassen, aber auch Musik-CDs, um die Spielmusik jederzeit anhören zu können. Etwas seltener sind die sogenannten Phantom-Noten, die stets zu fünft auf einem Bildschirm versteckt sind und zügig hintereinander angeklickt werden müssen, um den Teil des Notenblatts zu erhalten. Eine weitere optionale Sammelaufgabe stellt das Anfertigen des Meisterinstruments dar, für das man im ganzen Spiel verstreute Sound-Effekte finden muss. Diese Effekte erhält man, indem man etwa ein Pferd anklickt, das daraufhin wiehert, oder ein Polizeiauto, woraufhin dessen Sirene erklingt. Es gibt aber unauffälligere Geräusche, wie zum Beispiel das Ploppen eines Flaschenkorkens oder das Rauschen eines Springsbrunnens. Ganz abseits der Sammelaufgabe dienen diese Sound-Effekte auch dem Vorankommen innerhalb der Geschichte des Spiels. So erfährt Phantom R, dass die Büchereiangestellte, die die Tür zum Archiv versperrt, immer dann zur anderen Seite des Raums eilt, wenn das Telefon ertönt. Was also böte sich besser an, als das Klingeln des Telefons zu erhaschen und dann in unmittelbarer Umgebung der alten Dame abzuspielen? Um die ohnehin schon enorme Vielfalt des Spiels weiter in die Höhe zu treiben, gilt es an bestimmten Stellen, kleine Puzzles- bzw. Rhythmus-Aufgaben zu lösen. Dazu gehört unter anderem das Sortieren eines zerrissenen Notenblattes oder das Anklicken eines blinkenden Lichts im richtigen Augenblick. Die Schwierigkeit ist dabei überwiegend eher gering und für jeden machbar – ein Musikgenie muss man dafür nicht sein.

Gegenseitige Herausforderungen
Zwar gibt es keinen allzu umfangreichen Mehrspieler-Modus, dennoch können einige der Mini-Spiele im lokalen Multiplayer zu zweit gespelt werden. Es wird sogar die Download-Spiel-Funktion unterstützt, falls nur ein Nintendo 3DS-Besitzer das Spiel in seinem Gamecard-Slot stecken hat. Dann stellen sich allerdings nur drei Minispiele zur Auswahl. Über die StreetPass-Funktion können weiterhin Highscore-Daten ausgetauscht werden, die man dann zu schlagen versuchen kann. Dabei erhält man dazu nur einen einzigen Versuch. Schafft man es, wird der Spieler, dessen Highscore man überboten hat, im Spiel zum Fan.

Rhythmus-Gefühl wird in diesem Spiel ganz groß geschrieben.

Raphael, der Charmeur
Wirklich Lust auf mehr machen die Zwischensequenzen im Anime-Stil des Spiels. So klar und sauber hat sich bislang noch kaum ein Nintendo 3DS-Spiel präsentiert. Herauspoppende Effekte gibt es nicht, dafür hat man durch die verschiedenen zweidimensionalen Ebenen das Gefühl, als könne man ins Bild hineingucken. Fans von Inazuma Eleven werden am Zeichenstil von Rhythm Thief garantiert Gefallen finden. Die eigentliche Spielgrafik ist ebenfalls ordentlich, wenngleich häufige Treppchenbildung auffällt. Die englische Sprachausgabe ist überaus charmant und könnte lediglich an den dramatischen Höhepunkten der Handlung besser sein. Dafür weiß die Songsauswahl auf ganzer Linie zu überzeugen: Wer einigermaßen auf Rhythmus-Spiele steht, den packt mit großer Wahrscheinlichkeit bereits die Titelmelodie im Startbildschirm.

Rhythm Thief & der Schatz des Kaisers stellt eine klare Empfehlung für Rhythmus-Fans mit Anime-Faible dar. Die Geschichte um Phantom R alias Raphael ist nicht besonders originell, kopiert dafür aber gekonnt die liebevolle Präsentation von populären Anime wie beispielsweise Inazuma Eleven. Abgesehen von einem einzigen übermäßig obskuren Mini-Rätsel im Rahmen eines kaputten Bus-Motors sind die meisten Aufgaben motivierende, faire Herausforderungen, die allenfalls ein wenig Übung abverlangen. Der Story-Modus allein ist in gut unter zehn Stunden zu schaffen, bietet darüber hinaus jedoch einiges an optionalen Herausforderungen, mal ganz abgesehen vom Erlangen eines A-Rangs in jedem der Minispiele. Ein gutes Spiel, das, falls es einen Nachfolger geben sollte, vielleicht eine Spur weniger kreativ sein dürfte in Sachen Steuerungsvielfalt. Zumindest das Neigen des Handhelds muss nicht sein, auch wenn sich der 3D-Effekt dabei automatisch deaktiviert.

V
Wenig lässt das Herz von Redakteur Max höher schlagen, als opulente, ausladende 3D-Welten mit hohem Interaktionsgrad, damit er sich so richtig in andere Welten versetzt fühlt. Konträr dazu zeigt sich sein aufgeschlossenes Gemüt, wenn er sich verrückten Japano-Titeln widmet, in denen die Grenzen zwischen Katzen und Mädchen schon mal verschwimmen.