Sammelleidenschaft: Interview mit einem Final Fantasy-Freak

In der vorletzten Ausgabe unserer GedankenGUt-Reihe haben wir uns ausführlich mit dem Thema Sammelleidenschaft auseinandergesetzt und auch die GU-Community nach ihren liebsten Stücken gefragt. Grund genug, um mal einen Sammler zu Wort kommen zu lassen, der seit vielen Jahren alles rund um die Marke Final Fantasy sammelt. Dominic Ruthardt, im Forum als FF-Freak (wen wundert es) bekannt, ist langjähriges Mitglied unserer Redaktion und stand uns bezüglich seiner Final Fantasy-Sammlung Rede und Antwort.

GU: Warum hat ausgerechnet Final Fantasy deine Sammelleidenschaft erweckt und keine andere Marke?

Dominic Ruthardt: Das ist eine gute Frage. In der Tat habe ich ursprünglich tatsächlich schon als Teenager angefangen Final Fantasy-Spiele zu sammeln. Ich war schon immer ein großer Sammler: Pokémon- / Digimon-Karten, Diddl-Blöcke, Postkarten, Spielfiguren, Ü-Eier etc. Insofern war die Grundvoraussetzung schon einmal gegeben. Aber um auf die Frage zurückzukommen: Ich denke, dass mich vor allem die Einheitlichkeit der Cover dazu verleitet hat alle haben zu wollen. Final Fantasy ist nach den Jahrzehnten der Existenz natürlich auch eine sehr umfassende Sammelmöglichkeit und selbstverständlich muss auch Interesse an den Spielen vorhanden sein. Als Kind kannte ich eigentlich nur Nintendo, weil Eltern und Großeltern durch die Medien natürlich dazu verleitet wurden die Marke Nintendo zu schenken, weil es – auch wenn es viele nicht gerne hören – eben primär und ganz gezielt für Kinder gemacht und vermarktet wird. Als ich es mir dann selbst als Teenager dank Ferienjobs leisten konnte, legte ich mir selbst eine PlayStation 2 zu und durchstöberte meinen lokalen Retro-Videospielhändler nach brauchbaren Spielen. Der – auch heute noch – tolle Verkäufer erklärte mir gleich, dass ich als SNES-RPG-Liebhaber auf jeden Fall mal Final Fantasy ausprobieren sollte und – was soll ich sagen – es war Liebe auf den ersten Blick und wie man so schön sagt: Seine erste große Liebe vergisst man nie wink

GU: Kannst du uns anhand des Releases vom aktuellen Final Fantasy XV vielleicht kurz einmal exemplarisch erklären, wie sich diese Sammelleidenschaft zeigt? Was kaufst du? Und woher beziehst du die Dinge?

DR: Nun, es gibt Dinge, die man extremer sammelt als andere. Ich sammle generell viel Retro aber dort reicht mir dann auch meistens eine Edition, wohingegen ich bei Film-Steelbooks alle Editionen sammle. Bei Final Fantasy sehe ich mich geradezu verpflichtet jede Edition zu besitzen und das ist dann bei einem Release wie FFXV heutzutage ziemlichkostspielig. Ich liste einfach mal:

– Steelbook Edition (Media Saturn exklusiv)
– Steelbook Edition mit Rückseite präsentiert (Media Saturn exklusiv)
– Deluxe Edition (Amazon exklusiv)
– Ultimate Collector’s Edition (Square Enix Store Exklusiv)
– PlayStation 4 Slim Limited Luna Edition 1TB (GameStop exklusiv)
– Lösungsbuch Collector’s Edition Hardcover
– Lösungsbuch Softcover

Das alles ausschließlich für die PS4, weil es natürlich zum Rest der Sammlung passen muss. Andere Editionen (wie auch hier die zweite, identische Version umgedreht) kaufe ich nach dem Release meist günstig und gebraucht nach. Zum Beispiel brauche ich dann die Day One Edition noch 2x wegen des Wendecovers (klassisches FF-Cover innen). Die Xbox-Ausgaben hole ich nur bei Gelegenheit sehr günstig irgendwann, da FF nun einmal eine stark PS-affine Marke ist, wird die Serie auf der Xbox schnell verramscht. Interessant wäre zudem noch die japanische Luna-PS4, da sie einen sehr hübschen Karton aufweist und ich sammle ohnehin limitierte PS4-Konsolen (inzwischen ist das Dutzend voll: Uncharted, Batman, Metal Gear Solid, 25th Anniversary, China 1st Anniversary limitiert auf 1320 Stück, Taco Bell Gold Edition limitiert auf 6000 Stück, Destiny, Star Wars, Dragon Quest Heroes Metal Slime Edition aus Japan, PS4 Pro, Launch-PS4 aus den Staaten wegen des Blu-ray Laufwerks) Aber zurück zum Sammelmuster: Neben limitierten Konsolen, Games und Lösungsbüchern sammle ich auch spontan Figuren der Serie und vor allem Merchandise. Ich kenne zum Glück jemanden, der mir richtige Perlen an Land zieht, die eigentlich nicht für den Verkauf bestimmt sind. So zum Beispiel eine für Presseleute vorgesehene Pressemappe limitiert auf 50 Stück aus Deutschland, die einen LCD-Bildschirm in die Mappe eingearbeitet hat und beim Aufklappen per Lichtsensor die Trailer von FFXV und Kingsglaive abspielt – inklusive Buttons für Start/Pause/Weiter/Zurück/Lautstärke+/-. Aufgeladen wird das gute Stück per Mini-USB-Anschluss. Richtig pompös. Wahrscheinlich zur internen Vermarktung und für Pressetermine gedacht gewesen.

GU: Welches war dein erstes Final Fantasy-Spiel und welche Erinnerungen verbindest du damit?

DR: Meinem Alter geschuldet bin ich eigentlich sehr spät eingestiegen, aber das geht den meisten Zockern so. Bei mir war es Final Fantasy VIII, das ich als Empfehlung von meinem Händler des Vertrauens regelrecht verschlungen habe. Und dann habe ich mich etwas über die Serie informiert, das ganze Lob des Vorgängers zu Ohren bekommen und das unmittelbar danach durchgenudelt. Ganz praktisch war, dass Final Fantasy IX dann vor der Tür stand und ich wie ein gehyptes Fanboykind jeden Magazinartikel durchgelesen habe. Und so nahm es dann seinen Lauf mit FFX und so weiter. Ab und zu habe ich dann versucht die 2D-Teile zu spielen, davon haben mich als Original aber nur Teil 1 und 6 an der Stange gehalten. Bei Teil 3 und 4 mussten Remakes auf dem DS herhalten, Teil 2 fand ich wie die meisten Leute nach wenigen Stunden öde und leider war ich kein Fan von Teil 5. Aber ansonsten war ich auch bei Spin-Offs und Sequels am Start. Online-Teile konnten mich leider nie fesseln.

GU: Wie groß ist deine Final Fantasy-Sammlung?

DR: Schon ordentlich. Ich muss anmerken, dass ich zu Beginn meines Studiums meine Sammlung verkauft hatte, weil, nunja, Studiengebühren, Unterhaltskosten etc. Aber da habe ich schnell gemerkt, dass ich es bereue und seither sammle und behalte ich definitiv alles. Heute kann man es sich als Arbeitstier auch locker leisten. Ein teures Hobby bleibt die Sammelleidenschaft trotzdem. Aber ich habe im Bereich Final Fantasy schon überdurchschnittlich viel angesammelt, wenngleich natürlich auch noch viel – vor allem aus Asien – fehlt.

GU: Welches sind deine drei liebsten Sammelstücke in deinem Besitz?

DR: Üff, schwierig. Optisch finde ich die Final Fantasy XII International Zodiac Job System-Verpackung sehr hübsch. Dicht gefolgt von Final Fantasy X International und Final Fantasy VII International. Die Cover sind einfach alle großartig. Teuer oder selten sind diese Stücke jetzt nicht sonderlich, aber ich finde sie einfach klasse.

GU: Fehlt noch etwas in deiner Sammlung, das du gerne besitzen würdest?

DR: Oooh ja. Sehr viel. Allem voran die Final Fantasy 20th Anniversary Box aus Japan. Der heilige Gral sozusagen. Außerdem muss unbedingt noch die PS3 Fat Lady Cloud Edition her. Dann hätte ich alle limitierten PS3-FF-Konsolen neben der Lightning 250er und Lightning Ver. 2 320er. Ansonsten fehlt noch viel Kram aus Japan. Den Westen habe ich eigentlich ganz ordentlich abgedeckt, da fehlt tatsächlich kaum etwas außer langweilige Alternativ-Releases zur PAL-Ausgabe, die ähnlich aussehen.

GU: Kannst du ungefähr abschätzen, wie viel Geld in deine Sammlung schon geflossen ist? Gibt es Dinge, die bereits eine enorme Wertsteigerung erfahren haben?

DR: Ich habe das kürzlich mal durchgeschätzt und bin nüchtern betrachtet allein bei Final Fantasy bei einem Warenwert von 7.000€ gelandet. Mein kompletter Sammlungwert dürfte so annähernd bei 50.000€ liegen. Das klingt immer heftig, man muss aber alles in Relation sehen. Es gibt Sammlungen, die auf eBay für Millionen angeboten werden. Und es ist auch immer die Frage, wie viel man tatsächlich in die Sammlung investieren musste. Ich komme durch meinen Arbeitsplatz als Geschäftsführer bei einem Indie-Videospielhändler natürlich auch leicht und massig zu guten Konditionen an die Schätzchen ran und investiere mein Geld lieber in so etwas, an dem ich mich jeden Tag erfreuen kann, anstatt das hart verdiente Geld ganz langweilig auf dem Bankkonto ohne Zinsen verrotten zu lassen. Letztendlich gibt einem solch eine Sammlung natürlich auch ein Stück weit finanzielle Absicherung und Sicherheit, wenn sich im Leben doch mal etwas verändert oder so.

GU: Kannst du zum Abschluss in ein bis zwei Sätzen sagen, was dir am neuen Final Fantasy XV besonders gut gefällt?

DR: Da müsste ich schon weiter als ein, zwei Sätze ausholen. Die Grundvoraussetzung ist der klassische FF-Flair. Das Spiel strahlt regelrecht von vorne bis hinten das aus, was Final Fantasy auch ausmacht und man in manch einem Vorgänger etwas vernachlässigt hat, das ist schwierig zu erklären. Die Essenz ist auf jeden Fall da, Tabata hat die Serie auf jeden Fall in eine verwurzelte Region zurückgeführt, was selbst Sakaguchi kürzlich lobenswert fand und ein größeres Kompliment kann man wohl kaum erhalten. Was dann die eine oder andere Fangruppe üblicherweise anprangert, kann man dem üblichen Verhalten unterordnen. Das Spiel ist für jeden Fan ein wahrgewordener Traum, obwohl es so viele Neuerungen und Änderungen enthält. Paradoxerweise ist das nur geschehen, weil man Final Fantasy dem heutigen Massenmarkt zugänglich machen wollte (nachdem man mit dem vorigen Weg linearer Weltgestaltung kein Gehör mehr fand) und da war ein action-orientiertes Kampfsystem zum Beispiel Pflicht. Kombiniert mit raffinierten, klassischen Optionen hat man dann ein gutes Spannungsfeld zwischen Tradition und Moderne gezogen, das voll aufgeht. Man könnte jetzt auch über die Schwächen diskutieren, die jedes Spiel letztendlich irgendwo hat. Aber ich glaube das ist hier der falsche Ort, um das Groß auszuführen. Letztendlich gibt es solche Diskussionen jedoch nach jedem Final Fantasy, weil die Serie mit jedem Ableger so dermaßen unterschiedlich im Vergleich zum Vorgänger ist, dass es unmöglich ist, alle Erwartungen gleichermaßen zu erfüllen, wohingegen andere Spielserien das vorige Konzept aufgreifen und nur ergänzen oder erweitern. Man braucht sich nur die FF-Rankings von zehn verschiedenen Leuten zu Gemüte führen und jede Liste sieht anders aus, weil es eben den Geschmack treffen muss. Das macht die Serie über Jahrzehnte hinweg so spannend zu verfolgen. Im Großen und Ganzen macht Final Fantasy XV aber fast alles richtig und wenig falsch. Das Falsche am Spiel ruht eher im technischen Bereich und das ist als Fan die eher weniger interessante Seite, um Kritik zu äußern. Grundsatzdiskussionen betreffen bei FF meistens Story, Charaktere und deren Beziehungen, Spielweltgestaltung, Gameplay, Spielmechanik und Grafikstil. Und in diesen Bereichen trumpft das Spiel nach schwachem Start ins Nirgendwo definitiv auf. Es benötigt nur einige Kapitel, um den typischen FF-Flair zu entdecken. Epische Momente, spannende Antagonisten, die übliche Liebesstory gepaart mit Erkundung einer gigantischen Spielwelt. Es bleiben viele Schlüsselmomente im Gedächtnis hängen und das ist ein gutes Zeichen. Man kann sich sicher sein, dass FFXV eher weiter oben in den Rankings aller FF-Fans auftauchen wird, obwohl man das vor dem Release lange anzweifelte, da es doch ein komplett anderer Ansatz war.

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3 Kommentare auf "Sammelleidenschaft: Interview mit einem Final Fantasy-Freak"

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Biber
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Wow. Interessant und… wow smile Da mag man sich selber gar nicht mehr Liebhaber und Sammler schimpfen.

Z.Carmine
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Wenn es gefällt, und man es sich leisten kann. Und solange die Reihe weiterläuft, wird es auch noch einiges neues zum Sammeln geben.

MrPrince
Editor
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Auf jeden Fall sehr eindrucksvoll

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