Ausblicke

Angespielt: Sekiro: Shadows Die Twice

Auf kaum ein Spiel war ich diese gamescom gespannter als auf Sekiro: Shadows Die Twice. Zugegeben war ich nach dem E3-Trailer etwas skeptisch gegenüber From Softwares neuestem Projekt, entfernt es sich doch auf den ersten Blick stark von den vergangenen Souls-Titeln und besitzt deutlich mehr von der hauseigenen Tenchu-Reihe. Ein fester Protagonist, keine Rollenspielelemente und ein Fokus auf die Geschichte: „Hm, naja mal schauen“. Wieso mich die Demo aber dennoch vollkommen überzeugen konnte, erfahrt ihr in meiner Vorschau.

Sekiro mag zwar durch sein Setting im feudalen Japan und dem Wegfallen der klassischen RPG-Elemente einen starken Bruch zu Bloodborne und co. darstellen, die gleiche DNS besitzen beide Games aber ohne jeden Zweifel trotzdem, wie ich bereits nach kurzer Anspielzeit mit der gamescom-Demo erleben durfte. Sowohl das minimale Interface, die spärlichen Heilitems auf Knopfdruck, als auch die einnehmende Soundeffekte beim Kämpfen, kamen mir nur allzu vertraut vor. Ebenso bleibt bereits ein einzelner Gegner eine ernstzunehmende Herausforderung und kann bei zu geringer Aufmerksamkeit direkt zum Tod führen. Was sofort deutlich wurde, ist, wie wichtig die Bewegung im dreidimensionalen Raum ist: Wo man bei früheren Games des Studios noch die meiste Zeit am Boden festklebte, verlangt Sekiro, dass man nun auch die vertikale Ebene mit in seine Spielweise einbaut. Nicht nur kann man sich so dynamisch durch die Level bewegen, auch Klettern, Schleichen und Meucheln sind essentielle Bestandteile des Gameplays bzw. bieten so auch mehr Möglichkeiten sich aus brenzligen Situationen zu befreien.

Mithilfe eines Seilhakens musste ich mich über Dächer, Abgründe und Klippen schwingen, und konnte von dort aus geschmeidige Luftattentate ausführen. Wichtig zu wissen ist hierbei, dass man sich nicht einfach überall hinaufschwingen kann, sondern dass ein weißes Symbol auf mögliche Gelegenheiten in der Welt hinweist. Wenn man sich diesem nähert, füllt es sich langsam weiß und leuchtet schließlich grün, sobald man den Seilhaken nutzen kann. Sprünge über riesige Abhänge fühlen sich wie tatsächlich gefährliche Sprünge an, weil man nicht wie in so manch anderem Spiel eine automatisierte Hilfestellung erhält oder den Erfolg von einem QTE abhängig macht. Wenn man nicht gerade eine Schlucht herunterfällt, nimmt unser Shinobi-Protagonist übrigens keinen Schaden bei großen Höhen.

Im Kampf standen mir neben einigen Wurfgeschossen und einer kleinen Axt, hauptsächlich ein Katana zur Verfügung, mit dem ich schnelle, tödliche Schläge, sowie beim richtig getimten Block, einen verheerenden Konterschlag austeilen konnte. Das Kampfsystem setzt stark auf das gegenseitige Abtasten, Ausweichen und perfekte Kontern, wodurch jede kleine Unachtsamkeit bestraft wird bzw. umgekehrt ein genaues Auge belohnt wird. Das ganze ist nochmal einen ganzen Tick schneller als bei Bloodborne, während Trefferfeedback sowie Animationen dabei gewohnt auf überragendem Niveau sind. Und wenn man mal das zeitliche segnet, hat man die Möglichkeit unter Anderem auf Kosten der Hälfte seiner Lebensenergie an Ort und Stelle erneut aufzuerstehen und weiterzumachen. Shadows Die Twice eben.

Gegen Ende der Demo bin ich in einer Höhle gelandet, in der ein von schwarzem Nebel umhüllter Bossgegner auf mich wartete. Natürlich habe ich mich sofort auf ihn gestürzt, was sich allerdings als fataler Fehler herausstellte. Durch den Nebel wurden nicht nur sämtliche meiner Bewegungen verlangsamt, sondern das Viech war auch noch unverwundbar, weshalb mir nichts weiter blieb als mich mühselig wieder aus dem Staub zu machen. Wie die Mitarbeiter von Activision mir nahelegten, benötigt man zum Besiegen der Kreatur erst noch ein Item, welches ich auf dem Weg nach draußen tatsächlich dann auch gefunden habe. Und nicht nur das, auch eine nette Abkürzung zum Anfangsgebiet der Demo konnte ich so entdecken. Doch bevor ich diesem Schattenviech erneut gegenübertreten konnte, war die Zeit leider schon vorbei.

Wenn ich Sekiro: Shadows Die Twice mit einem kurzen Satz beschreiben müsste dann ungefähr so: „Es fühlt sich alles richtig und einfach nur gut an“. Egal ob die Kämpfe selbst, das Schleichen oder die neuen Möglichkeiten beim Erkunden der Welt, Miyazaki und Fromsoftware haben es erneut geschafft etwas zu kreieren, dass sich zwar in vielerlei Hinsicht von Souls unterscheidet, dessen Kernkonzepte allerdings weiterhin beibehält und diese durch ein neues, dynamischeres Fortbewegungsystem ergänzt. Nach der gamescom steht Sekiro nun ohne jeden Zweifel ganz oben auf meiner Most Wanted-Liste.

Für Redakteur Christoph sind vor allem gut geschriebene Charaktere, eine mitreißende Handlung sowie fantastische Welten mit dichter Atmosphäre, Aspekte die ihn beim Spielen begeistern. Neben Titeln wie The Last of Us und Bloodborne, schlägt seine Leidenschaft für Games dabei besonders für japanische Produktionen à la Final Fantasy und Persona.