Ausblicke

Shing! – Gamescom Hands-On

Ein eindeutiger Trend im Indie-Sektor sind 2D-Beat ‚em Ups. Wer sich auf der gamescom 2019 an entsprechenden Ständen umsah kam nicht umher auf Spiele zu stoßen, die an Titel wie Streets of Rage erinnern. Ein Vertreter dieser Gruppe ist Shing! von Mass Creation, das für PlayStation 4, Xbox One und – wie kürzlich bestätigt – auch für die Nintendo Switch in Q1 2020 erscheinen soll. Doch statt wie bei vielen Vertretern des Genres Angriffe primär über die Buttons an eurem Controller auszuführen, nutzt Shing! den rechten Stick für Combos, um den fiesen Dämonenhorden ordentlich einzuheizen.

In der Praxis stellt sich diese Steuerungsmethode zunächst als gewöhnungsbedürftig heraus, da der jahrelang trainierte Daumen immer wieder in Richtung der Knöpfe abrutscht. Dabei ist das Grundprinzip eigentlich recht intuitiv: die Richtung, in die ihr den Analogstick drückt, ist gleichzeitig auch Ziel eures Angriffs. Gegner haben dabei drei Trefferzonen am Körper (oben, mitte, unten), die bei fortgeschrittenem Spielverlauf auch gezielt attackiert werden müssen, um ordentlich Schaden zu verursachen. Spezial-Kampfkünste sind durch geschickte Halb-und Volldrehungen des Sticks möglich, die mit etwas Übung zu ansehnlichen Combos ausgebaut werden können. Auch dank des visuellen Spektakels sorgte das Gameplay bei meinem Mitspieler und mir durchaus für einige spaßige Minuten. Fraglich ist allerdings, ob Präzision und Tiefgang beim flitschen des Analogsticks nicht auf der Strecke bleiben.

Shing! 16 minutes of Demo Gameplay

Der Spieler übernimmt im Spiel die Kontrolle über einen von vier Kriegern, so genannte Yokai Hunter, die im asiatisch angehauchten Setting ihre Kampfkünste präsentieren. Neben einem Ninja mit Schwert übernehmt ihr auch die Kontrolle über eine athletische Geisha oder einen mit Äxten bewaffneten Wikinger. Seid ihr alleine unterwegs, könnt ihr zudem jederzeit zwischen den Charakteren wechseln, um so euren Spielstil den Gegnern oder der aktuellen Situation anzupassen. Gleichzeitig fungieren die Mitglieder der Truppe auch als eure Leben für das aktuelle Level. Ist ein Fighter besiegt, könnt ihr diesen Kämpfer nicht weiter verwenden. Wie es sich für einen vollwertigen Genrevertreter gehört könnt ihr natürlich auch mit bis zu vier Spielern gleichzeitig durch die seitlich scrollenden Landschaften ziehen. In meiner Gameplay-Session gingen wir zu zweit gegen die Schergen des Bösen vor und erreichten das Levelende tatsächlich nur knapp ohne einen „Game Over“-Screen zu sehen. Der Schwierigkeitsgrad des Spiels scheint also durchaus hoch zu sein, wobei sich dieser Eindruck mit mehr Spielpraxis auch legen könnte.

Bis zum fertigen Spiel würde ich mir wünschen, dass die Vielfalt an Gegnertypen noch erhöht wird. Die generischen Dämonen-Standardgegner aus der Demo könnten auf Dauer doch recht langweilige Kontrahenten sein. Da hilft es auch kaum, dass sie mal in rot und ein anderes Mal in grün oder lila aufmarschieren. Ansonsten macht der Titel aber grafisch durchaus einen ordentlichen Eindruck, was vor allem an den flüssigen Animationen und Übergängen eurer Combos liegt. Eine saftige Menge Blut beim Zerschneiden der Horden kontrastiert den Cartoon-Stil mit einer gewissen Härte, die dem Spielgefühl zugutekommt. Letztendlich habe ich meine Anspielsession auf der gamescom mit Neugier auf das fertige Spiel verlassen. Die Qualität von Shing! hängt aber davon ab, ob es die Entwickler durch kreative (Boss-)Kämpfe schaffen, die alternativen Steuerung wirklich zu rechtfertigen.

Action-Spiele und Shooter aller Art sind Roberts Fachgebiet. Zwischendurch darf es aber auch gerne ein Spiel mit spannender Story und dichter Atmosph...