Kritiken

Sonic Boom: Feuer und Eis im Test

Was lange währt wird endlich gut? Sonic Boom: Feuer & Eis sollte eigentlich bereits Ende vergangenen Jahres erscheinen, wurde dann aber kurzfristig auf dieses Jahr verschoben. In der Konsequenz ist Sonic Boom: Feuer & Eis das einzige Sonic-Spiel im Jahr seines großen Jubiläums. In Anbetracht dessen, dass die Sonic-Boom-Spiele des Jahres 2014 weitgehend enttäuschten, stellt sich allerdings die Frage, ob Sonic mit einem solchen Geburtstagsgeschenk tatsächlich eine Freude gemacht wird. Wir haben uns den 3DS-Titel einmal ausführlich zu Gemüte geführt und verraten euch, ob Feuer & Eis ein Grund zum Feiern ist.

Kritikpunkte gezielt beseitigt
Wer Sonic Boom: Der zerbrochene Kristall auf dem Nintendo 3DS gespielt hat, der wird sich in Sanzarus zweitem Sonic-Spiel unmittelbar wie zu Hause fühlen. Die Spielstruktur folgt nahezu exakt der des letzten 3DS-Sonics. So ist das Spiel in sechs Welten unterteilt, die jeweils vier Hauptlevel, zwei Tails-Minispiele, ein Rennen gegen Doktor Eggman und ein 3D-Autorunner-Level in einer Röhre bieten. Eine Ausnahme stellt in dieser Hinsicht die letzte Welt dar, die kurioserweise keine Hauptlevel zu bieten hat. Zusätzlich werden einige Welten durch ein Endgegner-Level abgeschlossen. Einer der zwei zentralen Kritikpunkte an Der zerbrochene Kristall war die ermüdende Länge und die geringe Geschwindigkeit der Hauptlevel. Sanzaru hat offenbar die Kritiker erhört und bei Feuer & Eis daran gearbeitet, die Kritiker zu befrieden. Zunächst einmal sind die Level in Sonic Boom: Feuer & Eis nur noch etwa halb so lang wie in Der zerbrochene Kristall. Dadurch gehören auch die unnötigen Transitionssequenzen, in denen der Spieler in der Mitte des Levels einmal über den Bildschirm wischen musste, der Vergangenheit an.

Guter Spielfluss
Weiterhin sind die Level nun wesentlich flüssiger designt, so dass man tatsächlich – ohne Touchscreen-Spielereien – in einem Rutsch durch jedes Level laufen kann, ohne zwischendurch anzuhalten. Das ist für einen guten Spielfluss und somit ein gelungenes Sonic-Feeling quasi unerlässlich. Besonders erfreulich ist, dass die Entwickler auch beim Hauptfeature des Spiels, der Feuer- und Eis-Mechanik, gezielt daran gearbeitet haben, einen unterhaltsamen Spielfluss zu ermöglichen und Sonic-Fans zufrieden zu stellen. So kann man Sonic und Co. per Knopfdruck zwischen einer heißen Feuer-Aura und einer kühlen Eis-Aura wechseln lassen. An verschiedenen Stellen im Spiel trifft man auf Eisblöcke, die durchlässig sind, wenn man die Feuer-Aura verwendet und solide Hindernisse – oder Bodenplattformen – bilden, wenn man mit etwas kühlerer Ausstrahlung unterwegs ist. Der geschickte Wechsel zwischen den beiden Formen ist unerlässlich, wenn man ohne Unterbrechung durch die Level laufen möchte und die Kombination aus diesem Element, der Homing-Attack und dem Lassoschwung ergeben eine bisweilen sehr intensive Button-Akrobatik, ohne jemals unangenehm zu werden. Im Ergebnis ist Sonic Boom: Feuer & Eis trotz der etwas geringeren Spielgeschwindigkeit als in anderen Sonic-Spielen üblich, ein rasantes und unterhaltsames Sonic-Erlebnis. Die Zeitbeschränkungen für die Uhr-Medaille eines jeden Levels ist streckenweise durchaus fordernd, ein perfekte Lauf ist allerdings nie notwendig.

Höherer Schwierigkeitsgrad und besseres Leveldesign federn Kritik am Umfang ab
Wer hingegen mehr Wert auf die Hüpfpassagen in Sonic-Spielen legt, der sollte die Level gründlich erkunden. Neben versteckten Sammelgegenständen neben dem Hauptpfad bietet jedes Level nämlich obendrein ein Geheimareal, das besonders knifflige Plattformsequenzen bietet. Seien es besonders gefährliche Stachelfallen oder haarige Eisblock-Konstruktionen, hier werden auch geübte Sonic-Spieler durchaus ins Schwitzen geraten können. Dadurch, dass diese Zusatzaufgaben optional sind, dürfte aber auch die junge Zielgruppe der Sonic Boom-Fans nicht überfordert werden – man kann die Sammelgegenstände ja schließlich auch einfach ignorieren und einfach nur durch die Level laufen. Dadurch, dass der Schwierigkeitsgrad der optionalen Inhalte – sprich der Zeitvorgaben für die Level und der Sammelaufgaben – merklich erhöht wurde, wird der zweite gewichtige Kritikpunkt am Vorgänger, der geringe Umfang, relativiert. Das gilt allerdings nur für Spieler, die das Spiel wirklich komplett durchspielen wollen. Wer jedes Level nur ein Mal spielen möchte, der wird nur unerheblich viel Zeit zusätzlich mit dem Spiel verbringen können und wahrscheinlich bereits nach etwa drei Stunden den Abspann über den Bildschirm flimmern sehen. Perfektionisten werden mit etwas zehn Stunden Spielzeit zwar nicht besonders verwöhnt, dürften aber auch nicht das Gefühl haben, ihr Geld komplett verschwendet zu haben.

Keine Feinarbeit in Sachen Optik
Technisch ist bei Sonic Boom: Feuer & Eis alles beim Alten geblieben. Das ungeübte Auge würde wahrscheinlich an dem Versuch, anhand von Screenshots den Unterschied zwischen den beiden Sonic Boom-Titeln festzustellen, scheitern. Das bedeutet, dass das Spiel leider wieder nur mit 30 Bildern in der Sekunde dargestellt wird und dennoch nicht wirklich beeindruckend aussieht. Nichtsdestotrotz läuft das Spiel durchweg flüssig.

Sonic Boom: Feuer & Eis ist ein sehr unterhaltsames Jump & Run, das mit der Feuer- / Eis-Mechanik eine sehr gelungene neue Idee mit sich bringt, die sich perfekt in das Gameplay einfügt. Das Leveldesign ist motivierend und nutzt die Möglichkeiten der Spielmechanik auf gelungene Weise. Insgesamt ist es offensichtlich, dass Sanzaru sich die Schwachpunkte des Vorgängers genau angeschaut und nahezu vollständig beseitigt hat. Wer in diesem Jahr nach einem guten Jump & Run sucht, sollte Sonic Boom: Feuer und Eis auf jeden Fall eine Chance geben.