South Park: Die rektakuläre Zerreißprobe Test

Fans der TV-Serie South Park wurden für lange Zeit mit trashigen Videospiel-Adaptionen gestraft. Doch nach einem Mario Kart-Klon und Truthahn-Shooter in der N64-Ära, erschien 2014 das Rollenspiel Der Stab der Wahrheit und war für Fans der Comedyserie ein wahres Geschenk. Nicht nur die Optik stimmte, auch die Story und Humor trafen genau ins Schwarze. Zwar waren die Rollenspiel-Elemente eher seichter Natur, aber dank der fachkundigen Entwickler von Obsidian Entertainment konnten sie dennoch sehr gut unterhalten. Nun muss South Park: Die rektakuläre Zerreißprobe unter neuem Entwickler beweisen, dass das Kleinstädtchen mit seinen kuriosen Bewohnern mehr als einmal auch als Rollenspiel unterhalten kann. Als großer Fan von Stan, Kyle, Cartman und Kenny habe ich mich ins fiktive Colorado begeben und als Superheld eine Verschwörung aufgedeckt.

Während beim letzten Mal noch das Fantasy-Genre aufs Korn genommen wurde, widmet sich die rektakuläre Zerreißprobe dem anhaltenden Hype um Superhelden-Filme. Wer die Serie in den letzten Jahren verfolgt hat, weiß, dass die Kinder selbst eigene Alter-Ego entwickelt haben, in deren Gestalt sie mehr oder weniger schwere Verbrechen aufklären. Kyle gleitet beispielsweise als „Human Kite“ durch die Luft, während Tunichtgut Cartman als „Coon“ die anderen herumkommandiert. Doch ein Konflikt innerhalb der „Coon and Friends“ darüber, wer zuerst einen Kinofilm spendiert bekommt – und wer sich mit einer Staffel auf Netflix begnügen muss – eskaliert und führt dazu, dass einige der Kinder sich als „Freedom Pals“ zusammenschließen. Als das neu hinzugezogene Kind in der Stadt müsst ihr euch beiden Fraktionen erst einmal als Superheld beweisen. Und was käme da gelegener, als eine entlaufene Katze zu finden, deren Besitzer mit satten 100 Dollar Belohnung lockt? Aber natürlich steckt hinter dem Verschwinden von Scrambles eine viel größere Verschwörung, die im Verlauf der Geschichte, wie für South Park üblich, immer aberwitzigere Ausmaße annimmt.

Der Humor bleibt dabei nicht auf der Strecke – infantile Furzwitze inklusive, die sicherlich nicht jedem gefallen werden. Neben diesem Toilettenhumor werden aber auch immer wieder aktuelle Themen aufgegriffen, wie etwa Identitätspolitik und Rassismus. Das ist mal mehr, mal weniger lustig. Wer über die Serie aber herzhaft lacht, wird auch hier bestens unterhalten, dem Fanservice sei Dank. Trotz mehrfacher Verschiebungen des Spiels haben es auch aktuelle Elemente der Serie ins Spiel geschafft, wie etwa Memberberrys, die bei Verzehr nostalgische Gefühle wecken. Aber auch klassische South Park-Charaktere, wie das drogensüchtige Handtuch Towelie, für das in der Serie in letzter Zeit kein Platz mehr war, bekommt hier einen Gastauftritt spendiert. Insgesamt hat man hier als Spieler wieder das Gefühl, eine interaktive Staffel der Serie zu spielen.

Ein guter Superheld braucht aber natürlich zunächst ein cooles Outfit, eine tragische Hintergrundgeschichte und Superkräfte! Eric Cartman stattet euch mit allen drei zu Beginn des Spiels aus. Wer mit seinem Startoutfit nicht zufrieden ist, kann zum Glück im Verlauf des Spiels viele weitere Kleidungsstücke finden, kaufen oder craften. Im Gegensatz zum Vorgänger hat euer Outfit keinerlei Auswirkungen auf eure Angriffskraft, sodass ihr eure kreative Ader voll ausleben könnt und nicht mehr genötigt sein, ein starkes, aber hässliches, Kleidungsstück anzulegen. Stattdessen bekommt ihr im Verlauf der Handlung Artefakte, die sich auf eure Macht und verschiedene Statistiken auswirken. So kann der Charakter nach eigenem Spielstil optimiert werden. Die Hintergrundgeschichte eurer Fähigkeiten soll euch an dieser Stelle nicht vorweggenommen werden aber, so viel sei verraten, sie ist wirklich enorm tragisch! Oder zumindest, was Cartman für tragisch erachtet. Als Konsequenz dieses einschneidenden Erlebnisses hat das New Kid, so werdet ihr im Spiel bezeichnet, zum ersten Mal seine Kräfte erweckt. Zu Beginn könnt ihr aus den Fähigkeiten des Speedsters, des Brutalisten und des Blasters wählen. Speedster sind so schnell wie der Flash, Brutalisten sind Nahkampfexperten wie Batman und Blaster schießen mit Energiestrahlen aus der Distanz. Die Wahl eure Superkräfte wirkt sich auf die rundenbasierten Kämpfe aus, wobei ihr später auch Kräfte mischen oder neu auswählen dürft, falls ihr mit der ursprünglichen Wahl nicht zufrieden seid.

Insgesamt bietet das Kampfsystem deutlich mehr Tiefgang als im Vorgänger und ist dadurch anspruchsvoller und spannender. Kommt es zu einem Gefecht, erscheint je nach Ort, an dem ihr euch befindet, ein unterschiedlich großes, in Aktionsfelder geteiltes Kampfgebiet. Zu Beginn eures Zuges könnt ihr euch im begrenzten Rahmen darauf fortbewegen, bevor ihr eine von drei Angriffen auswählt. Diese betreffen je nach gewähltem Skill mal nur das nächstgelegene Feld, mal auch ganze Reihen. Support-Charaktere in eurer Party, wie etwa Human Kite, können einzelne Teammitglieder auch mit einem Schild versehen oder heilen. Verschiedene Status-Effekte wie Brennen fügen den Kämpfen noch einmal mehr Tiefgang hinzu. Manche Angriffe sorgen zudem für einen Rückstoß, der Feinde nicht nur auf Distanz hält, sondern bei Kontakt mit anderen Figuren oder Gegenständen noch einmal für mehr Schaden sucht. Nicht jedes Gefecht endet damit, dass ihr alle Sechstklässler, Einbrecher oder Hillbillys bezwingt. In regelmäßigen Abständen kommt es auch zu Kämpfen mit speziellen Aufgaben. Ein früher Bosskampf zwingt euch beispielsweise, vor einer übergewichtigen Stripperin wegzurennen, die euch ansonsten mit ihrem Hinterteil plättet.

Neben diesen Kämpfen geht es in South Park: Die rektakuläre Zerreißprobe vor allem darum, die Stadt und angrenzende Gebiete zu erkunden. Hier trefft ihr in bekannten Locations auf vertraute Gesichter und absolviert deren Quests. Mal reicht es kleinere Botengänge zu erledigen, andere Aufgaben erfordern das Lösen von Rätseln. Diese sind aber insgesamt sehr leicht gehalten und hätten meiner Meinung nach anspruchsvoller ausfallen dürfen. Die anderen Superhelden können nach und nach als Kumpel freigeschaltet werden und bahnen euch mit ihren Fähigkeiten, ähnlich wie in einem Metroidvania, neue Wege. Captain Diabetes beispielsweise kann schwere Objekte bewegen und Toolshed kann Lava (hier dargestellt als rote Legosteine, schließlich sind es spielende Kinder) aus dem Weg blasen. Kleinere Sidequests, wie das Sammeln von Selfies oder das Finden von Sammelgegenständen, runden die Story ab.

Insgesamt richtet sich South Park: Die rektakuläre Zerreißprobe in erster Linie an Fans der Serie. Diese bekommen ein weiteres, rundum gelungenes RPG spendiert, das auf den Stärken des Vorgängers aufbaut, aber auch nicht allzu viel neues bietet. Wer mit der Comedysendung bislang nicht viel anfangen konnte, wird auch hier nur schwer vom Gegenteil überzeugt. Zudem bietet das Spiel für solche unter euch, neben den tatsächlich sehr spaßigen, Kämpfen kaum ansprechende Gameplay-Elemente.

Fazit
Insgesamt richtet sich South Park: Die rektakuläre Zerreißprobe in erster Linie an Fans der Serie. Diese bekommen ein weiteres, rundum gelungenes RPG spendiert, das auf den Stärken des Vorgängers aufbaut, aber auch nicht allzu viel neues bietet.
Toll
  • sehr gute Adaption der Serie
  • mehr Tiefgang als im Vorgänger
  • spaßige Kämpfe
Naja
  • sehr leichte Rätsel
8
Sehr gut
Verfasst von
Action-Spiele und Shooter aller Art sind Roberts Fachgebiet. Zwischendurch darf es aber auch gerne ein Spiel mit spannender Story und dichter Atmosphäre sein. Wenn er nicht gerade auf Xbox Live unterwegs ist, verfasst er bestimmt Artikel und News für Gaming-Universe.

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