Community

Spielen mit Kindern

Ich habe zwei Kinder. Und ich bin offensichtlich kein grundsätzlicher Verächter des Mediums Videospiele. Ich halte Videospiele für ein Medium wie jedes andere auch – mit bestimmten Eigenheiten – aber genauso verträglich wie Musik, Film, Buch etc. Es gibt ja sogar in meiner Generation erstaunlich viele Menschen, die den Kontakt von Kindern mit Videospielen für furchtbar halten – aber nichts dagegen haben, ihre Kinder stundenlang vor Disney-Filme zu setzen. Darauf will ich aber gar nicht hinaus. Ich habe ein differenziertes Bild und weiß, dass Medienkonsum nur dann problematisch ist, wenn er genutzt wird, um Kinder ruhig zu halten, wenn er nicht begleitet wird. Wenn ich mit meiner Tochter ein Buch lese, reden wir immer auch darüber. Was fällt uns auf? Was wollen wir noch wissen? Warum glauben wir, dass die Figuren so handeln, wie sie handeln? Haben wir auch schon mal sowas erlebt? Das ist gar keine große Pädagogik, das passiert ganz automatisch, wie ich auch mit meiner Frau über das rede, was sehen, wenn wir BoJack Horseman gucken. Und so sollte es natürlich auch mit Spielen sein.

Bislang hat mir meine Tochter gelegentlich beim Spielen zugesehen, z.B. wenn Ponk bei mir war und sie noch nicht ganz im Bett, hat sie auch mal eine Zeit Donkey Kong oder Mario mitgenommen. Begeistert hat sie auch mal versucht, in Mario Odyssey herumzulaufen. Ich musste sie aber immer dorthin führen, wo sie nicht runterfallen kann. Sie zeigt grundsätzliches Interesse, aber nicht übermäßig. SIe fordert das Spielen nie ein und nach Mario Odyssey, was schon lange her ist, hat sie nie mehr selber was daran ausprobiert und eigentlich auch so gut wie nie zugeguckt. Nur Labo haben wir zusammen zwei, drei Mal gemacht, aber das klammer ich jetzt mal aus.

Zwei Dinge treiben mich um: Zum einen merke ich, dass ich vermeide, dass sie Spiele sieht oder spielt. Sie ist mit dreieinhalb auch noch sehr jung, aber trotzdem weiß ich nicht genau, warum. Sie sieht auch faktisch nie fern. Früher haben wir manchmal 5-Minuten-Folgen von Shaun oder Peppa Wutz geguckt, aber auch das ist wieder eingeschlafen. Im Alltag bietet es sich auch selten an, andererseits lesen wir ohne Ende Bücher, spielen Spiele oder basteln und malen. Ich frage mich, ob ich so eine zivilisatorisch einprogrammierte Wahrheit in mir trage, dass man das stark begrenzen muss und möglichst spät damit anfangen soll, oder ob da wirklich was dran ist. Schnelle Schnitte und fremdgesteuerte Bilder sind natürlich schwerer zu verarbeiten als das langsame, selbständige Weiterblättern und Lesen.

Das Zweite ist, dass ich mich frage, ob und wenn ja wann ich von mir aus mal ein gemeinsames Spielen anregen sollte. Ich habe nicht das Gefühl, dass das ein Dammbruch wäre, sondern einfach eine von unzähligen anderen Aktivitäten wie eben Lesen, Trampolinspringen, Turnen, Quatsch machen, Kochen, Verstecken, Bauen, Basteln, auf den Spielplatz gehen, whatever.

Selber Spielen in ihrer Anwesenheit möchte ich eigentlich nicht, weil ich grundsätzlich nichts nur für mich tue, wenn sie da und wach ist. Aber das ändert sich vielleicht irgendwann, wenn sie auch stärker für sich oder mit Freunden spielt. Und mit ihr zusammen spielen fänd ich glaube ich schon cool, aber es widerstrebt mir doch etwas. Und das mir, der ich landein landaus bei Eltern dafür werbe, weniger Berührungsängste mit diesem tollen Medium zu haben.

Any thoughts?