Kritiken

Splatoon im Test

Wirft man einen Blick auf das bisherige Line-up der Wii U, stellt man ohne große Verwunderung fest, dass vor allem niedliche, bunte Charaktere, entführte Prinzessinen und Bewegungsspiele im Überfluss vertreten sind. Ein Genre, welches bisher wenig auf Nintendos Konsolen repräsentiert wurde, sind jedoch Shooter. Mit Splatoon kommt nun ein familienfreundlicher Shooter mit großem Suchtfaktor ins Rennen. Wir haben uns den Farbshooter einmal näher angesehen.

Schadenfreude ist die schönste Freude
Farbrollen, Wasserpistolen, Wasserbomben. Alles in das sich Farbe füllen lässt, dient in Splatoon als Ausrüstung. Getreu dem Motto „Mehr hilft mehr“ muss der Spieler im Multiplayermodus mit dieser Ausrüstung versuchen so viel wie möglich einzufärben. Im Team mit drei anderen Spielern tritt er gegen ein zweites Team an und stürzt sich in verschieden großen Arenen in ein farbiges Abenteuer. Am meisten Spaß macht es allerdings das gegnerische Team auszutricksen, indem man beispielsweise die bereits eingefärbten Flächen nutzt, um als Tintenfisch verdeckt hindurchzuschwimmen und so hinter dem gegnerischen Spieler wieder aufzutauchen.

Wer diese Sauerei wohl hinterher aufwischt?

Eine entsprechende Ladung Farbe im Genick sorgt dafür, dass der Spieler wieder vom Ausgangspunkt aus startet. Aber auch das Abtauchen ist nicht ungefährlich, da eine Ladung der gegnerischen Farbe genau den selben Effekt auf einen als Tintenfisch herumschwimmenden Spieler hat. Während man durch die eigene Farbe schwimmt, lädt man automatisch seinen Farbtank auf, um weiterhin sein Revier markieren zu können. Primär-, Sekundär- und Spezialwaffen werden alle durch den selben Tank mit Munition beliefert, weshalb es sich dringend empfiehlt eine gute Schuss- und Schwimmtechnik einzutrainieren.

Laufen, ballern, schwimmen…
Am Ende einer jeden Runde wird gemessen, wer die meiste Bodenfläche eingefärbt hat. Die Runden sind zwar zeitlich bemessen kurz, jedoch sorgt gerade der Zeitdruck für die Spielatmosphäre. Ein Nachteil ist, dass die Teams durch das Zufallsprinzip zusammengewürfelt werden und es so vorkommen kann, dass man als Anfänger einem Team gegenübersteht, das nicht nur waffen-, sondern auch erfahrungstechnisch weit überlegen ist. Das kann durchaus auch mal nerven und frustrieren. Nach hinten raus macht das allerdings keinen Unterschied mehr, hat man sich einmal eine gute Taktik und ein ruhiges Händchen bei der Steuerung angeeignet. Die Steuerung erfolgt über das GamePad. Auf dem Screen wird die Karte der Arena angezeigt, welche es farblich zu erobern gilt. Während einer jeden Runde hat man die Möglichkeit den aktuellen Farbstand zu sehen und sieht gleichzeitig, welche Bereiche noch eingenommen werden müssen. Auf dem Fernsehgerät spielt sich dann die hauptsächliche Action ab.

Für das Schießen und Schwimmen, bzw. Nachladen, sind die Schultertasten vorgesehen. Mit den Analogsticks steuert man den eigenen Charakter und die Kamera. Standardmäßig ist die Bewegungssteuerung für die Kameraausrichtung aktiviert, diese lässt sich aber für nervöse Spieler abstellen und ausschließlich über die Analogsticks steuern. Die Steuerung ist insgesamt sehr flüssig und unkompliziert. Die Karte ist besonders für die Spieltaktik wichtig, trotzdem möchte man sie nicht winzig klein in irgendeiner Ecke platziert sehen. Die Platzierung auf dem GamePad ist dementsprechend positiv zu vermerken.

Rette die Welse!
Der Multiplayermodus dürfte sicherlich für viele Spieler das Hauptfeature von Splatoon sein, allerdings sollte auch der lokale Spielmodus nicht unerwähnt bleiben. Ab einem bestimmten Level schaltet man nicht nur weitere Waffen und Ausrüstung frei, sondern auch den Storymodus. Hier geht es hauptsächlich darum kleinere NPCs zu besiegen, Rätsel zu lösen und die verschwundenen Elektrowelse zu finden, die am Ende jedes Levels warten. Sehr kurz, teilweise knifflig, teilweise aber auch recht lieblos kommt der Storymodus nicht an den Multiplayer heran.

Halb Mensch, halb Tintenfisch.

Es ist kein schlechtes Feature, vor allem, wenn man unbedingt spielen möchte. Aber die ständigen Verbindungsfehler im Multiplayer, die zumindest in unserem Test oft aufgetreten sind und das Spielerlebnis ein wenig getrübt haben, vermasseln einem die Tour. Zudem erhält man ein klein wenig Abwechslung vom hektischen Hauptteil. Aber ein wenig mehr Liebe für dieses Feature hatten wir dann doch erwartet.

Bunt muss nicht immer unangenehm sein

Womit wir allerdings wieder sehr zufrieden sind: Design und Sound. Das quietschbunte Design entspricht zwar nicht unseren klassischen Vorstellungen eines Shooters, aber Splatoon ist auch kein klassischer Shooter. Ja, es ist bunt. Nein, es ist nicht unangenehm bunt. Dadurch, dass jedes Team mit einer Farbe schießt, ist es nicht übertrieben bunt. Man bekommt auch keine Zahnschmerzen, wie man es zum Beispiel durch Ableger der Kirby-Reihe gewohnt ist. Was den Soundtrack angeht ist dieser nicht überragend, aber auch nicht nervtötend repetitiv. Er tut was er soll. Er stachelt den Spieler an und hetzt ihn auf. Und das auf eine nicht unangenehme Art. Weitere Download-Inhalte sind übrigens auch geplant. Glücklicherweise werdet ihr für diese Zusatzinhalte nicht extra zur Kasse gebeten. Lediglich für einige Zusatzmissionen im Einzelspieler-Modus werden die entsprechenden Splatoon-amiibos benötigt. Bei diesen handelt sich jedoch nur um die selben Level wie aus dem Hauptspiel, die mit einer anderen Waffe gemeistert werden müssen.

Shooter oder nicht?
Ja, es ist einer. Splatoon bietet dem Spieler in verschiedenen Settings die Möglichkeit entweder wie ein Berserker im Alleingang durch das Spiel zu rennen und alles einzufärben, was ihm in den Weg kommt, oder taktisch geschickt in Teamarbeit zu versuchen sein gegnerisches Team auszutricksen und dabei so viele Punkte wie möglich zu sammeln. Jede gewonnene Runde bringt den Spieler weiter in seinem Level und seinem persönlichem Ranking. Das Ganze ist im Storymodus unerheblich, aber dient als gute Übung für die einzelnen Missionen, wie es sie auch in klassischen Shootern gibt.

Eines ist klar: Splatoon ist ein einmaliges Spielerlebnis. Es ist bunt, es ist chaotisch, es ist schnell und es ist vor allem lustig. Wer mit Schadenfreude nicht viel anfangen kann, hat eventuell einfach noch nicht seine dunkle Seite entdeckt. Mit diesem Spiel entdeckt sie sicherlich jeder. Der Farbshooter richtet sich grafisch vielleicht eher an die jüngere Gruppe von Videospielern, allerdings ist es durch den hohen Suchtfaktor und das Spielprinzip ein sicherer Titel für jede Altersgruppe. Der Multiplayer würde auf sich allein gestellt eine gute Figur machen, der Storymodus ist aber auch ein nettes Feature. Was den Dauerspaß angeht könnte es fast nicht besser sein. Lediglich Kleinigkeiten, wie ein mangelnder Filter im Zufallsprinzip, machen es „nur“ zu einem fantastischen Spiel.