State of Decay 2 Test

Seit einiger Zeit stand State of Decay 2 ganz oben auf meiner persönlichen Wunschliste, doch die lange Vorfreude war letztlich leider umsonst. Gescheitert ist der Titel aber nicht nur an den hohen Erwartungen, sondern auch an den eigenen Unzulänglichkeiten. Eintönigkeit, eine dünne Atmosphäre und viele Bugs auf der einen Seite, einen halbgaren Koop-Modus und uninspiriertes Missionsdesign auf der anderen Seite. Die Zombie-Apokalypse in State of Decay 2 gleicht eher einer Kaffeefahrt mit anschließendem Verkauf von Rheumadecken – vermutlich ruft letzteres sogar größere Survival-Gefühle hervor.

Fünf Jahre war State of Decay 2 in Entwicklung – der Erstling ist damals an mir vorbeigegangen, doch nach der Ankündigung eines Online-Koops für den zweiten Teil wurde die Xbox One exklusive Zombie-Apokalypse zunehmend interessanter. So interessant, dass ich mir zum Release des Titels eine Xbox One zulegte, um mit Freunden gemeinsam in die Welt von State of Decay 2 eintauchen zu können. Das Spielprinzip ist schnell erklärt: Überlebende müssen in einer offenen Spielwelt voller Untoter bestehen, indem sie sich eine sichere Basis bauen, die dafür benötigten Materialien (Essen, Medikamente, Baustoffe) sammeln und Bedrohungen ausschalten. Reizvoll: Stirbt ein Charakter, ist er für immer verloren – und mit ihm alle antrainierten Skills und Fähigkeiten. Gepaart mit der Möglichkeit dieses Erlebnis mit drei weiteren Freunden anzugehen, klingt State of Decay 2 wie eine echte Koop-Offenbarung. Doch schon vor der Veröffentlichung wurde die Freude im Hinblick auf dieses Feature reichlich getrübt: So handelt es sich leider nicht um eine echte Koop-Erfahrung, bei der man gemeinsam eine Basis errichtet und zusammen durch die Story schreitet, sondern um eine Art „Helfer-Koop-Modus“. Lediglich der Host, der sich drei Freunde in seine Session einladen kann, hat Zugriff auf das Crafting-System und kann Story-Fortschritte verzeichnen – die restlichen drei Freunde, die sich nicht mehr als 500 Meter vom Host entfernen dürfen, sind quasi Hilfsarbeiter. Sie haben weder Einblick in das Basis-Menü noch einen Überblick über die gesammelten / abgelieferten Ressourcen. Zwar werden Materialien, die sich in großen Packsäcken finden und aus denen sich dann Medizin, Benzin, Waffen oder Munition herstellen lassen, in einen gemeinsamen „Speicher“ abgelegt, doch alle anderen Items (Verbesserungen für die Basis, Seuchenmittel, etc.), die von den einzelnen Spielern bei den Beutezügen gefunden werden, landen in einem persönlichen Schließfach – ebenso wie die gecrafteten Objekte. Gemeinsamer Zugriff auf alle Ressourcen ist im Koop-Modus also nicht möglich. Auch der Schwierigkeitsgrad passt sich, anders als beispielsweise bei Capcoms Monster Hunter World, leider nicht an. Wer mit Freunden unterwegs ist, wird also selten in ernsthafte Schwierigkeiten geraten, was der Atmosphäre nicht zuträglich ist, denn echte Bedrohung haben wir auf unserer Reise durch die Welt kaum gespürt.

Generell ist die Welt von State of Decay 2 erschreckend leer und eintönig. Der Gebäude-Bausatz, mit dem die Entwickler die Karte gefüllt haben, besteht aus (gefühlt) fünf Gebäudetypen. Ähnlich verhält es sich mit den Untoten, denn statt einer Vielzahl unterschiedlicher Zombie-Typen, hat man schon nach sehr kurzer Zeit alle Varianten der Untoten gesehen. Diese Liste lässt sich ewig weiterführen: So gibt es lediglich ein paar unterschiedliche Autotypen, wobei sich die gleichen Autotypen noch nicht einmal in der Farbe unterscheiden und auch die Regale, Schränke und Kisten, in denen sich die Materialen verbergen, sind aus einem Guss. Diese Kritik mag etwas kleinlich wirken, aber tatsächlich wird die Immersion dadurch enorm erschwert. Eine bedrohliche und “lebendige” (hihi) Untoten-Welt sieht anders aus – und eine Zombie-Apokalypse hat man sich dann doch etwas anders vorgestellt. Es fehlt die Bedrohung und das „Survival-Feeling“, wie es beispielsweise in This War of Mine transportiert wurde. Stattdessen begegnen uns zwar ab und an ein paar Zombie-Horden, meistens streifen aber nur vereinzelte Streuner durch die Berglandschaft. Sepia-Filter drüber und wir könnten fast von idyllischer Urlaubslandschaft sprechen. Da sich zudem alle Charaktere, die man im Laufe der Geschichte in seine Gemeinschaft aufnimmt, spielen lassen, wirkt auch der (vermeintlich) drohende Tod eines Charakters weniger bedeutsam.

Die Story selbst ist übrigens kaum erwähnenswert, läuft quasi unbemerkt nebenher und die Aufgaben beschränken sich auf langweilige Taxi-Missionen („Fahre zu A und bringe B zu C“), die man in dieser uninspirierten Form schon lange nicht mehr in aktuellen Videospielen gesehen hat. Als würde dies den Spielspaß nicht schon genug drücken, ziehen sich zahlreiche Bugs durch State of Decay 2. Mal hängt man in Wänden fest, mal friert das Bild beim Autofahren ein (im Anschluss kann man allerdings oft bestaunen, wie das Auto explodierend durch die Luft fliegt), mal werden plötzlich keine lootbaren Kisten mehr angezeigt. Die fünfjährige Entwicklungszeit nimmt man dem Spiel stellenweise nicht ab und nach knapp 20 Spielstunden, die je nach Dauer der „Loot-Ausflüge“ auch deutlich kürzer ausfallen kann, läuft dann auch schon der Abspann über den Bildschirm. Mit drei Überlebenden der einstigen Gemeinschaft ließe sich nun auf einer neuen Karte, insgesamt gibt es drei unterschiedliche Karten, die sich aber wirklich kaum voneinander unterscheiden, von vorne anfangen – aber warum sollte man das tun? Das Spiel liefert schon im ersten Durchgang kaum fesselnde, herausfordernde oder spannende Momente. Für einen zweiten Durchgang dürfte den meisten Spielern daher jegliche Motivation fehlen.

Fazit
So richtig schlau bin ich aus State of Decay 2 nicht geworden und woran die Entwickler nun genau fünf Jahre gearbeitet haben, bleibt für mich unklar. Die Welt ist eintönig und leer, die Herausforderung minimal, das Crafting- und Basenbau-System ist nicht der Rede wert und einen vollwertigen Koop-Modus liefert das Spiel ebenfalls nicht. Der Mix aus offener Spielwelt und wenigen (dafür aber umso stupideren) Taxi-Missionen geht leider nicht auf. State of Decay 2 plätschert seinem Ende gemütlich entgegen und präsentiert dabei eine ermüdende Zombie-Apokalypse. Klar, der Zombie-Hype hat zahlreiche Formen und Varianten dieser apokalyptischen Vorstellung hervorgebracht: Dead Rising, Dead Island, The Walking Dead, Left 4 Dead, The Last of Us – die Liste ist endlos. Wenn ich mir allerdings eine Spielwelt aussuchen könnte, in der ich der Zombie-Apokalypse gegenübertreten müsste, würde ich die Welt von State of Decay 2 wählen. Ich würde auf dem Ausguck meiner Basis auf dem Liegestuhl liegen und den vorbeiziehenden Zombies freundlich zuwinken – nach ein paar Stunden wäre der Spuk dann ja glücklicherweise auch schon wieder vorbei.
Toll
  • große Spielwelt...
  • Crafting- / Basenbau-System...
  • Koop-Modus...
Naja
  • ...die aber eintönig und leer ist
  • ...das allerdings wenig Tiefe bietet
  • ...der eher als "Helfer-Modus" daherkommt
  • zahlreiche Bugs
  • langweiliges Missionsdesign
  • wenig Atmosphäre / kein Survival-Gefühl
5
Durchschnittlich
Verfasst von
Egal ob Shooter, Adventure oder Japano-RPG – Daniel ist auf kein bestimmtes Genre festgelegt. Als echter Multikonsolero ist er auf allen Konsolen zuhause. Vor allem kooperatives Spielen, on- und offline, lässt sein kleines Gamer-Herz hüpfen. Und so richtig abschließen mit einem Spiel kann Daniel erst dann, wenn er alle Geheimnisse gelüftet hat. Das kostet Zeit. Daniel hat Zeit.

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Joshua HampfRobert Stotzem Letzte Kommentartoren
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MrPrince
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Würde es tendenziell etwas höher bewerten, weil viele Mechaniken und Ideen des Spiels noch immer einzigartig sind. Aber ich habe mir definitiv auch mehr erhofft nach der langen Entwicklungszeit und dem vermeintlich größeren Budget. Viele deiner Kritikpunkte teile ich.

Tazel
Admin

Habe tatsächlich gar nicht so auf die “Zahl” geachtet, sondern auf die begriffliche Zuordnung “Durchschnittlich”, die mit der 5 verknüpft ist. In seiner Gänze ist das für mich leider nicht mehr als ein durchschnittliches Spiel gewesen. Schade. sad

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