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Steep Test

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8.5

Sehr gut

7.4

Leserhype

Endlose Weiten, Schnee wohin das Auge fällt, das ist das Bild, das sich dem Spieler beim ersten Start von Steep bietet. In Ubisofts neuestem Wintersport-Konglomerat wird ein neuer Ansatz verfolgt: Anstatt, wie in älteren Konkurrenzserien, einzelne Challenges vorgesetzt zu bekommen, verbindet Steep eine offene Welt mit darin platzierten Herausforderungen, die frei angesteuert werden können. Ob das neue Konzept aufgeht, erfahrt ihr im folgenden Test!

Zuallererst einmal: Endlich gibt es wieder ein gutes Snowboard-Spiel! Unabhängig vom Rest sei bereits jetzt verraten, dass Fans von Snowboard-Spielen definitiv auf ihre Kosten kommen. Nach dem Niedergang von 1080° Snowboarding und SSX wurde es unangenehm still um den Winter-Funsport, ähnlich wie auch Skateboard-Spiele irgendwann aus dem Popularitätsraster herausfielen. Auch Tennis-Spiele gibt es derzeit abseits des letztjährigen Mario Tennis keine mehr. Man möchte meinen, dass wenigstens ein Vertreter jeder dieser Sportarten pro Konsolengeneration ein Standard sein sollte, ist es aber leider nicht. Umso erfreulicher, dass es mit Steep nun wieder auf die Piste geht.

Direkt zu Beginn fällt auf, dass es augenscheinlich gar keine Menüs gibt. Stattdessen steht man nach einer etwas lang dauernden Ladesequenz mitten im kalten Weiß und fühlt sich wie im feinsten Winterurlaub. Ein knappes Tutorial führt mitsamt deutschem Sprecher durch die ersten paar Missionen. Und dann ist man frei und darf tun und lassen, was man will. Steep enthält keinen richtigen Story-Modus, doch gibt es immer wieder Zwischensequenzen und Erzählerstimmen, die für andauernde Einzelspielermotivation sorgen. Grundsätzlich gibt es drei verschiedene Typen von Missionen: In Punkterennen gilt es, einen möglichst hohen Highscore zu erreichen und am Ende durch’s Ziel zu kommen. Zeitrennen fordern selbsterklärend eine möglichst schnelle Ankunft im Ziel. Und schließlich gibt es noch Berggeschichten. Letztere sind ein Highlight für Genießer, denn anstatt den üblichen Regeln der anderen Challenges unterworfen zu sein, geht es hier vergleichsweise gemütlich nur darum, einem anderen Sportler zu folgen oder bestimmte Orte in der riesigen Gebirgswelt zu erreichen. Da sich Ubisoft entsprechend Gedanken gemacht hat, führen diese Missionen überwiegend durch besonders schöne Gebiete, die man ohne erhöhten Druck genießen kann. Doch wie geht man diese Missionen eigentlich an?

Gleich vier verschiedene Extremsportarten sind in Steep verfügbar. Über den mittels R-Taste jederzeit aufrufbaren Auswahlbildschirm kann man zwischen Snowboard, Fun-Ski, Paraglider und Wingman-Suit wählen. Egal wo man gerade steht, die Auswahl des jeweiligen Sportgeräts erfolgt so rasch und ohne Ladezeiten wie man es sonst von der Item-Wahl in Action-Adventures her kennt. Dabei gibt sich das Snowboard als eine Art Allround-Werkzeug, mit dem am einfachsten vorankommt und auch schwierige Abfahrten gut überwindet. Die Fun-Ski können da beinahe mithalten, sind aber durch die erhöhte Instabilität des Fahrers etwas schwieriger im Fahrverhalten, nur zu schnell fährt man rückwärts anstatt vorwärts den Hang hinab. Der Paraglider ist vor allem als Transportmittel für die freie Erkundung ein angenehmes Utensil, vor allem dann, wenn man neue Abfahrtsorte freischalten möchte. Neue Missionen sind stets an neue Abfahrten geknüpft, die es manuell zu erspähen und durch Erreichen freizuschalten gilt. Das kann bisweilen ganz schön kompliziert sein, wenn man nicht gerade zehn oder mehr Minuten zu Fuß mühsam einen schneebedeckten Berg hinaufsteigen möchte. Auch das geht und trägt zum Mittendringefühl bei: Jederzeit kann man völlig auf eines der vier Hilfsmittel verzichten und zu Fuß voranschreiten. Leider ist die Spielfigur auf diese Weise unglaublich langsam, was noch nachvollziehbar ist. Weniger verständlich ist, dass die Spielfigur nur auf Schnee laufen kann, sobald sich irgendwo eine Kante nackter Fels zeigt, bleibt man hängen und muss zurückgehen. Da es ohnehin mehr Spaß macht, einer der Fun-Sportarten nachzugehen, ist das kein allzu großes Problem, nervige Situationen ergeben sich dennoch.

Zuletzt ist da noch der Wingman-Suit. Im Grunde genommen sollte man den Kommentator, der einen immer wieder zu neuen Aktionen antreibt, ins Gefängnis stecken, denn: Die Wingman-Missionen sind absolute Kamikaze-Unternehmen! Ob von einem Steilhang abgesprungen oder aus einem Heißluftballon heraus, im beinahe freien Flug gleitet man dicht über dem Boden und an Bäumen und anderen Hindernissen vorbei. Dabei gibt es mehr Punkte, je dichter man an irgendwelchen Hindernissen vorbeifliegt. Die anspruchsvollsten Missionen des Spiels sind Wingman-Missionen, in denen man markierte Kreise durchfliegen muss. In den einfacheren Missionen schweben diese Kreise frei in der Luft. Schnell aber muss man zwischen Felsenbögen hindurchfliegen, irgendwann sogar ganze Grotten durchqueren. Dass das nicht immer auf Anhieb klappt, wäre noch untertrieben: Spätestens bei diesen Missionen merkt man die Verwandtschaft zur Fun-Motocross-Reihe „Trials“. Immer wieder prallt man gegen Felswände, bleibt am Boden hängen und darf eine Zeitlupe seines verunglückten Charakters begutachten. Und schon startet man den nächsten Versuch. Und noch einmal. Und noch einmal. Der Suchtfaktor ist dank Medaillen-System schnell in voller Fahrt. Etwas getrübt wird der Spaß von teils übertrieben langen Missionen. Man kann davon ausgehen, dass jede Wingman-Mission, die eine ganze Minute oder länger dauert, Frustpotential ungeahnten Ausmaßes birgt, zuviele schwierige Stellen werden hier in Reihe gestellt, was die eigene Motivation sehr auf die Probe stellt.

Obwohl sich das Fahren auf verschiedenen Schneearten generell gut anfühlt, merkt man bisweilen, dass das Spiel mit sich selbst kämpft: Simulation oder Arcade. Wenn man am Abfahrtsort einer Challenge steht und 20, 30 Mal und öfters in Folge dieselbe Mission neustartet (was ohne jegliche Ladezeit geschieht), weil man unbedingt noch schneller fahren, noch mehr Punkte erreichen möchte, dann ist das bestes Arcade-Feeling. Ist man jedoch ziellos in der hübschen Bergwelt unterwegs, fehlt der eigenen Spielfigur ein wenig die Massivität, es fühlt sich eine Spur zu wackelig an. Vor allem das Stamina-Feature hinterlässt einen zwiespältigen Eindruck: Landet man unschön oder fährt über steinigen Untergrund, wird eine Anzeige eingeblendet, deren Balken schnell kleiner wird. Ist der Balken komplett verschwunden, stürzt man. Solche Stürze kommen auch schon mal bei bloßem Schnellfahren vor, wenn die G-Kräfte zu hoch werden. Hier wäre es angenehmer gewesen, das Sturzverhalten der realen Situation anzupassen, anstatt eine Ausdaueranzeige zu verwenden, die irgendwann gefühlt willkürlich zum Sturz führt. Es wäre jedoch unfair, den Balanceversuch zwischen Simulation und Arcade allzu sehr anzukreiden, immerhin bekommt man dafür auch zwei völlig unterschiedliche Arten, das Spiel zu erleben.

Zwar gibt es im Spielverlauf immer mehr Missionen, die neue Gebiete, neue Herausforderungen einführen. Doch ein zentrales Element in Steep ist das freie Befahren der Berglandschaft. Dank sechs verschiedener Punktekategorien sammelt man auch dann permanent Erfahrungspunkte, die wiederum Events, Items und sonstiges freischalten. Der Gesamtlevel des Spielers zieht bei jeder Erhöhung einen Kommentar des Event-Managers nach sich, was in der Erreichbarkeit neuer Missionen und Abfahrtspunkte resultiert. Im freien Fahren erlangt man Erfahrungspunkte, indem man schnell fährt, lange sturzfrei fährt, dicht an Bäumen vorbeifährt, und so weiter. Für Motivation wird also gesorgt. Schade, dass die Gebirgswelt selbst nicht das vorhandene Potential ausnutzt. Gerade wenn man mal ein Stück zu Fuß erschließt, weil was bergauf muss, und den stimmig realistischen Schneestapfgeräuschen lauscht, wäre es schön gewesen, auch mal NPCs, Tiere oder vielleicht Naturereignisse antreffen zu können. Zwar gibt es sogesehen keinen Story-Modus, die ständigen Kommentare des erwähnten Managers und auch die Begleitfahrten der Berggeschichten sorgen aber dennoch dafür, dass man sich als Teil einer Community von Extremsportlern fühlt. Nicht, dass es keine besonderen Orte zu entdecken gäbe. Doch bei einer so großen, offenen Welt wünscht man sich ganz automatisch noch mehr.

Gut

  • riesiges, offenes Ski-Gebiet in den Alpen
  • "Nur noch einmal!"-Effekt bei den zahlreichen Missionen
  • gelungene Balance zwischen Arcade und Simulation
  • schöne Grafik, die das Winterurlaubs-Feeling einfängt
  • tolle Geräusche beim Fahren und Laufen über Schnee
  • stimmige Berggeschichten-Missionen
  • keine Ladezeiten im Spiel selbst
  • Motivation dank Erfahrungspunkten für alles, was man tut

Schlecht

  • Always Online-Zwang
  • Tricks eher limitiert in ihrer Ausführung
  • trotz guter Balance: teils wäre mehr/weniger Simulation wünschenswert
  • längere Ladezeit zu Spielbeginn wegen Online-Anbindung
  • mehr NPCs, Tiere, etc. in der Gebirgswelt wären stimmig gewesen

Fazit

Wer über den Always Online-Zwang hinwegsehen kann, erhält mit Steep einen tollen virtuellen Urlaub in die französischen Alpen. Der Mix aus arcadigen Missionen, die man immer wieder versuchen möchte, und freiem Erkunden der ausgiebigen weißen Pracht mithilfe vier verschiedener Sportutensilien ist gut gelungen. Eine lebendigere Natur wäre schön gewesen, außerdem gibt es ein paar Missionen, die entweder langweilig (Paraglider) oder übertrieben schwierig und Komplettionisten das eine oder andere graue Haar bescheren werden. In keinem anderen Snowboard & Co.-Spiel aber hat man soviel Freiheit und will immer wieder bis ans unterste Fußende des Gebirges fahren. Wer online spielt, kann sich zudem jederzeit mit anderen Spielern zu Gruppen zusammenschließen, die andernfalls auch so sichtbar sind und den Eindruck von Geistfahrerdaten machen. Vielleicht kommt ja irgendwann ein Nachfolger, in dem man seinen Fahrer RPG-mäßig hinsichtlich Arcade oder Simulation ausrichten kann. Bis dahin macht Steep so einiges sehr richtig und dürfte die meisten Wintersport-Fans glücklich machen.
8.5

Sehr gut

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