Super Mario Odyssey Vorschau

Kaum ein Titel konnte Fans wie Kritiker auf der E3 2017 in Los Angeles gleichermaßen begeistern, wie Nintendos kommender 3D-Sandbox-Platformer Super Mario Odyssey für Nintendo Switch. Bereits der E3-Trailer sprudelte nur so vor innovativen Neuerungen und kunterbunten Welten, die darauf warten, erkundet zu werden. Auf Nintendos diesjährigem Post E3-Event in Frankfurt am Main hatte ich die Gelegenheit eine erste spielbare Version  anzutesten. Ob uns mit Super Mario Odyssey wirklich das beste Mario aller Zeiten bevorstehen könnte, verrate ich euch im folgenden GU Hands-on-Bericht.

Großstadt-Dschungel
In der E3-Demo ließen sich zwei unterschiedliche Welten jeweils für 10 Minuten anspielen. Mit freiem Joy-Con-Duo ausgerüstet stürzte ich mich zunächst in das Metro Kingdom. Dieses dürfte vielen vermutlich bereits aus dem Januar 2017-Trailer bestens bekannt sein, ist es doch, anders als bisherige typische Mario-Welten, in einer real angehauchten Großstadt im Stil von New York angesiedelt. Das gilt auch für die Bewohner dieses „Königreichs“, mit denen Mario in verschiedenster Weise interagieren kann. Meinen ersten Halt machte ich bei Bürgermeisterin Pauline, die alteingesessene Mario-Spieler als Marios erste hilfsbedürftige Freundin aus dem NES- und Automaten-Klassiker Donkey Kong wiedererkennen dürften. Im Rahmen eines anstehenden Festivals möchte Pauline eine große Musikparade auf die Beine stellen, doch dazu benötigt sie vier Musiker für ihr Orchester. Hier kommt nun Mario ins Spiel, der sich in der ganzen Stadt auf die Suche nach geeigneten Jobanwärtern machen soll.

Bereits die erste Mission veranschaulichte das neue „alte“ Gameplay-Konzept von Super Mario Odyssey sehr gut. Statt sich linear vom Startpunkt zu einer Zielflagge zu bewegen, lädt das Spiel ein, die Welt genau zu erkunden, wie man es von Super Mario Sunshine oder Super Mario 64 gewohnt ist. Ist der erste Musiker, ein begnadeter Schlagzeuger, direkt nach Missionserhalt nicht zu übersehen gewesen, musste ich für die anderen drei schon intensiver schauen, denn das Metro Kingdom erstreckt sich dank zahlreicher Hochhäuser und Wolkenkratzer in luftige Höhen. Ein weiteres typisches Element der meisten 3D-Teile findet sich ebenfalls in Odyssey wieder. Erhielt man in Super Mario 64 Sterne und in Super Mario Sunshine Insignien für das Bewältigen einer Aufgabe, so sind es hier Monde, die Mario zur Belohnung winken. Und von denen konnte ich in meiner 10-minütigen Demo bereits zahlreiche einsammeln. Das lässt nur hoffen, dass die Zahl der Missionen auch insgesamt deutlich höher ausfällt als in den letztgenannten Titeln. Daneben gibt es selbstverständlich auch noch die klassischen Münzen sowie  in jeder Welt eine eigene Sonderwährung. Hat man einige von ihnen angespart, lassen sich im lokalen Shop neue Klamotten für Mario erwerben. Mit dabei sind – zur Freude von waschechten Mario-Liebhabern – neben normalen Stücken, auch klassische Alternativ-Outfits aus anderen Spielen, wie das Archäologen-Outfit aus Mario Picross oder das Bauarbeiter-Outfit aus dem Super Mario Maker. Es scheint, als hätte der Customization-Trend nun endlich auch die Mario-Hauptreihe erreicht. Nebenbei erfüllen die normalen Münzen auch noch eine weitere Funktion. So gibt es in Super Mario Odyssey keine Leben mehr im klassischen Sinne, stattdessen verliert Mario eine gewisse Anzahl an Münzen nach jedem Tod, bevor er schließlich zur letzten Checkpoint-Flagge zurückkehren muss.

Davor zieht Mario seinen Hut!
Während dem Erkunden der Gegend wird man automatisch auch gleich mit dem Move-Repertoire Marios bestens vertraut gemacht. Hechtsprung, Rückwärtssalto, Dreifachsprung und der Wandsprung gehören erneut zu Marios einsetzbaren Aktionen. Gilt also die Devise: Einem alten Hasen bringt man keine neuen Tricks bei? Nicht bei Mario! Neu hinzugekommen ist beispielsweise eine Dauer-Rolle, mit der Mario sich rollend fortbewegen kann und selbstverständlich die zentrale Gameplay-Neuerung des Spiels, der drehende Mützenwurf! Befindet sich Mario in der Luft, kann er so, wie schon in Super Mario Galaxy, für einen Bruchteil einer Sekunde schweben. Dazu kann er nun auch auf seine abgeworfene Mütze springen und sie als Absprungplattform nutzen. Das erfordert jedoch viel Geschick und ist mir beim Antesten nur wenige Male gelungen. Doch das ist noch nicht alles! Auch Gegner lassen sich so besiegen und in manchen Fällen durfte ich sogar in deren Körper oder in diverse Gegenstände schlüpfen. Zwar machte sich schon der von n-Space entwickelte Gamecube-Titel Geist dieses Gameplay-Konzept zunutze, mit Super Mario Odyssey bekommt das ganze allerdings endlich den nötigen Feinschliff, was natürlich nicht zuletzt an den sehr unterschiedlichen Antagonisten des Mario-Universums liegt. In der zweiten Demo-Version, dem Sand Kingdom, kam das besonders anschaulich zur Geltung. Ein weiter Abgrund verhinderte mir das Weiterkommen zur nächsten Plattform, doch in der Nähe befand sich ein Kanonengeschoss aus dem einige Kugelwillis gefeuert kamen. Nach einem schnellen Mützwurf steckte ich selbst im Körper des in der Luft schwebenden Kugelwillis und war nun in der Lage seine Flugbahn selbst zu bestimmen. Ohne Mühe war der Abgrund überwunden. Eine Berührung mit einer Wand genügte jedoch zur Explosion meines neuen Ichs und flugs steckte ich wieder in Marios ursprünglicher Form. An einer anderen Stelle schienen Münzen und ein Schalter seltsamerweise in der Luft zu schweben. Ein Körpertausch mit einer herumwatschelnden Moai-Statue erlaubte mir das Aufsetzen einer besonderen Sonnenbrille, welche auf normalem Wege nicht sichtbare Plattformen enthüllte. Im Metro Kingdom durfte ich hingegen in einige Stromleitungen schlüpfen, mit denen ich im Nu auf die Spitze eines Wolkenkratzers gelangte oder in einen Bänker, der in seiner Freizeit mit einem ferngesteuerten Auto spielte, welches ich selbst wiederum in einen kleinen Käfig manövrieren durfte, um ein weiteres Mondstück freizugeben. Durch die vielfältigen Einsatzmöglichkeiten von Marios Mütze bietet das Spiel eine schier endlose Zahl an unterschiedlichen Gameplay-Mechaniken und das überrascht nicht nur immer wieder aufs Neue, sondern motiviert auch zum Ausprobieren und Weiterspielen. Wer weiß schon, welcher Körper oder Gegenstand als nächstes auf mich wartet?

Auf technischer Seite überzeugte mich Super Mario Odyssey ebenfalls auf nahezu ganzer Linie. Sicher, das Metro Kingdom und insbesondere die Menschen machten wie schon dem Trailer nach befürchtet auch in der ersten spielbaren Version einen sterilen Eindruck, dafür punktet es trotzdem mit seinem Ideenreichtum. Außerdem sorgen kleine Cameos wie der Wechsel in einen 8-Bit-Super Mario Bros.-Modus beim Durchschreiten einer Röhre an einer Wand oder ein versteckter Captain Toad,  für kunterbunte Leckerbissen. Wirklich überzeugt hat mich das Sand Kingdom, das gigantisch groß im Vergleich zu früheren 3D-Mario-Welten ausfiel und mit seinen Totenkopf-Sombrero-Bewohnern, und einer Mario-typisch kreativen Plattform-Architektur wieder viel Charme versprühte.

Fazit
Die zwei anspielbaren Welten gaben mir bereits einen guten Eindruck wohin die (titelgebende) Reise mit Super Mario Odyssey gehen soll. Nach The Legend of Zelda: Breath of the Wild hat Nintendo auch beim neuen Mario-3D-Titel bewiesen, dass es durchaus auf die Stimmen der Fans hört. Die offenen 3D-Welten ließen in mir wieder den Erkundungsdrang aufleben, den ich vor allem zuletzt in Super Mario 3D World schmerzlich vermisste. Dabei gibt es dennoch, anders als bei Zelda, wenig Leerlauf. Zahlreiche unverbrauchte Gameplay-Ideen, die mit Marios neuer Fähigkeit einhergehen, runden das auf Super Mario 64-basierte Grundkonzept perfekt ab. Wenn die fertige Version mehr von dem bietet, was ich in der kurzen Demo erleben durfte, dann steht uns ohne Zweifel einer der besten, wenn nicht gar DER beste Mario-3D-Titel aller Zeiten bevor.
Profilbild von spider-karim
Verfasst von
Zu einem guten Plattformer sagt Karim selten nein, aber auch epische Rollenspiele fesseln ihn vor den Bildschirm. Im öffentlichen Nahverkehr vergnügt er sich auch gerne mit kurzweiligen Puzzlern – Mobile-Gaming auf dem Nintendo 3DS ist seine absolute Leidenschaft. Zuhause angekommen, kümmert sich Karim um Datenbankpflege oder versorgt euch mit aktuellen News und Anspielberichten.

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2 Kommentare auf "Super Mario Odyssey Vorschau"

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Z.Carmine
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Wird toll werden. Und ein überzeugender Kaufgrund für Switch.

(Ich hoffe, beim nächsten Zelda hört Nintendo weniger auf „die Fans“. ugly Ausserdem gibt es da keinen Leerlauf, sondern pures, selbstbestimmtes Abenteuer:ugly:)

Arino
Mitglied

Schon krass, von Nintendo gleich 2 potentielle GotY-Spiele bzw. die zu den Speerspitzen ihrer Reihe gehörenden Spiele dieses Jahr zu bekommen, und dann kommt es sogar echt noch etwas früher als gedacht heraus, großartig =).

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