Kritiken

Tetris im Test

La, lala la, lala la la la la laa, lala la, lala la, la, la, la, laaaa… und so weiter. Das könnte ich jetzt ewig so weitermachen und am Ende wäre jedem klar, was ohnehin bereits jedem zutiefst klar ist: Tetris ist Tetris ist Tetris ist gut. Ist klasse. Ist zeitlos. Egal ob das geniale Spielprinzip, die markante Musik oder die simple, aber perfekte Präsentation der Blocklegerei. Nicht ganz ohne Grund ist der Klassiker auf nahezu jedem Handy, Smartphone und auch dediziertem Spielgerät gleichermaßen verfügbar wie beliebt. Allerdings lässt sich durchaus ein Punkt machen, dass Tetris auf einem Spiele-Handheld immer noch am besten aufgehoben ist. Warum das so ist, erfahrt ihr im folgenden GU-Test.

Tetris in 3D – und jetzt?
Unvermittelt nach Spielstart begeistert erst einmal der starke 3D-Effekt der – jawohl, aufgepasst – Entwicklerlogos und des Spieltitels. Nun ist ein Tetris in seiner ganzen Natur eine eher zwei-dimensionale Angelegenheit, sodass jegliche Tiefeneffekte gezwungenermaßen nicht mehr als optischer Schnickschnack sein können. Stimmt auch, tut der ganzen Sache aber keinerlei Abbruch. Im Gegenteil, die Grafik ist flüssig, klar und erhält durch den Blick in in Richtung Z-Achse eine gewisse Sanftheit, die angenehm für das Auge des Spielers ist. Daneben gibt es sogar einen speziellen Modus, in dem das 3D nicht völlig ohne Hintergrund zum Einsatz kommen darf, doch dazu später.

Party-Tetris
Um Tetris-Veteranen die Beurteilung der 3DS-Variante etwas zu erleichten, sei an dieser Stelle gesagt, dass Tetris für 3DS vom selben Entwickler wie schon Tetris Party für WiiWare stammt. Leider ohne den Coop-Marathon-Modus desselben, dafür aber mit vielen anderen, teils neuen Modi. Der Marathon-Modus im Singleplayer ist selbstverständlich die Hauptattraktion eines jeden Tetris, so auch hier, und wenngleich die vielen Party-Modi alles andere als übel sind, ist es letztlich das klassiche Spiel, dem man sich am meisten widmen wird. Und warum auch nicht, Tetris at its best.

Will man dennoch etwas Abwechslung, kann man sich beispielsweise den Puzzle-Modus vornehmen. Hier werden die Tetriminos durch Ausschnitte von Bildern ersetzt und müssen entsprechend passend zusammengesetzt werden, damt sich am Ende das am oberen Bildschirm angezeigte Motiv ergibt. Fehler werden mit Zeitabzug bestraft, was bei den schnell kompliziert zu erfassenden Bildern allzubald zum Game Over führt. Im Schatten-Modus ist das etwas einfacher: Im Hintergrund zeichnet sich der Umriss eines Gebildes ab, der mit Tetriminos ausgefüllt werden muss. Eine Prozentanzeige gibt an, wie genau man sich an den vorgegebenen Umriss gehalten hat. Mit der Hau-drauf-Variante ist das Lösen der einzelnen Silhouetten kein Problem, wer jedoch die 100% erreichen will, muss sich genau überlegen, wie er Steine platziert und wann er die begrenzte Skip-Funktion einsetzt, um unpassende Tetriminos zu überspringen.

T3Dris
Neben vielen anderen Varianten, darunter der Meister-Modus, in dem Steine direkt mit höchster Geschwindigkeit herabfallen, der Turmkletterer-Modus, in dem man einem kleinen Männchen mittels Tetriminos eine Treppe bauen muss, oder das Rennen, in dem man ein Tetrimino steuert und nach unten eine Art Labyrinth bis ins Ziel führen muss, gibt es ganz neu auch den AR-Modus. AR heißt, das wissen wir mittlerweile, Augmented Reality. Dabei kommt die Kamera des Nintendo 3DS zum Einsatz und fixiert mittels Fragezeichen-Karte einen Punkt vor sich an. Sodann entsteht der Tetris-Kasten im eigenen Zimmer. Noch anschaulicher werden die Fähigkeiten des AR-Modus, wenn man den AR-Turmkletterer spielt und selbst im Kreis gehen muss, um den eigenen Tetriminos und Männchen zu folgen, damit es nicht an der Hinterseite des Turms außer Sicht gerät. Lustig, interessant, aber spielerisch dann doch eher nervig. Für kleine Präsentationen, was mit AR geht, aber immer zu haben.

Ebenfalls noch nie dagewesen ist der Fit-Modus, der in einer Vogelperspektiven-Ansicht gespielt wird. Aus der Tiefe kommt eine Ebene mit Lücken auf einen zu, die mit Tetriminos gefüllt werden müssen. Anfangs noch einfach, weil man nur zwei Bausteine zu verschießen hat, muss man in höheren Levels richtig kombinieren, in welcher Position welches Tetrimino eingesetzt werden muss, damit alle hinein passen. Knifflig, frisch und motivierend. Und nicht selten ein wenig frustrierend, weil man einfach nicht rechtzeitig auf die Lösung kommen will.

Tetriminos im Anschlag, zielen, Feuer!
Bis zu acht Spieler können gegeneinander spielen, egal ob im lokalen Multiplayer, im Online-Modus oder per Download-Spiel. Jawohl, solange acht Leute einen Nintendo 3DS besitzen, braucht es lediglich eine Kopie des Spiels, um miteinander zu spielen. Die Stabilität des Online-Spiels zeigt sich hervorragend, selbst mit Tetris-Gegnern aus Japan ließ sich gut kämpfen. Einziger Mangel zeigt sich in der Begrenzung der Einstellungsoptionen. So kann man zwar Items deaktivieren, dann aber nur noch Einer gegen Einen spielen. Will man zu dritt oder zu acht spielen, sind die zahlreichen Spezialitems immer aktiviert, die leider eher nerven als das Spiel bereichern. Sich von einem Ufo aus der Patsche helfen zu lassen und Steine wegzubeamen ist ja noch okay. Der zufällige Tausch des gesamten Tetris-Spielfelds mit einem Gegner hingegen ist eher frustrierend. Unter dem Gedanken einer harmlosen Spaßpartie ist das nicht weiter schlimm, aber manchmal möchte man eben doch knallhartes Können demonstrieren. Dann eben nur zu zweit. Möchte man nicht gegen zufällige Gegner antreten, kann man sich auch mit Spielern aus seiner Freundesliste treffen.

An und für sich ist das reine Tetris-Prinzip eine 10 von 10 wert. Tetris ist portables Gaming in Perfektion. Weil das so ist, muss man sich bei der Beurteilung auf die Umsetzung, das Feeling und die Vielfalt des Gebotenen konzentrieren. In Tetris 3D wird eine üppige Anzahl an grundverschiedenen Modi geboten, die allesamt Kurzweiligkeit aufkommen lassen. Nervig ist die Menüführung des Spiels. Ein klein wenig unübersichtlich, vor allem aber langsam. Jedesmal muss man sich durch das Ringmenü navigieren, jedesmal zwingt eine kurze Startsequenz vor Spielbeginn zum Warten und wann immer man im Optionsmenü etwas verändert, etwa die Hintergrundgrafik oder die gespielte Melodie, verlässt man durch Druck des B-Button das aktuelle Menü und muss erst wieder über das Hauptmenü zum jeweiligen Modus, wo nun die Einstellung geändert ist. Das größte Plus von Tetris 3D in der heutigen Zeit: Steuerkreuz und Knöpfe. Die hat man etwa in der WiiWare-Variante auch, ist dann aber an den TV-Bildschirm gefesselt. Spielt man Tetris am Handy oder Smartphone, ist man zwar frei, hat aber suboptimale Kontrolle über seine Tetriminos. In der 3DS-Version kann man Tetris genau so erleben, wie man es sich vorstellt. Die Frage ist dann nur noch, ob der Klassiker die 30 Euro wert ist, die man im Schnitt dafür bezahlen muss. Wer allerdings langlebigen Zeitvertreib für unterwegs sucht und nicht auf Bedienkomfort verzichten möchte, der fackelt nicht lange. Tetris ist auch in seiner neuesten Variante ein unbedingt zu empfehlender Spaß.

V
Wenig lässt das Herz von Redakteur Max höher schlagen, als opulente, ausladende 3D-Welten mit hohem Interaktionsgrad, damit er sich so richtig in andere Welten versetzt fühlt. Konträr dazu zeigt sich sein aufgeschlossenes Gemüt, wenn er sich verrückten Japano-Titeln widmet, in denen die Grenzen zwischen Katzen und Mädchen schon mal verschwimmen.