Kritiken

The Legend of Zelda: A Link Between Worlds im Test

Neun Jahre ist es her. Seit neun Jahren, genauer gesagt seit dem Erscheinen von Minish Cap, hat Link in einem Zelda-Hauptteil nicht mehr auf Knopfdruck des Spielers mit seinem Schwert zugeschlagen. In Skyward Sword musste der Spieler Schwertschläge nachahmen, in Twilight Princess einfach nur fuchteln und in den beiden Nintendo DS-Zeldas Phantom Hourglass und Spirit Tracks war eine Wischbewegung der Befehl für Links Hiebe. Während diese Steuerungsmethoden alle mehr oder weniger gut funktionierten, fehlten den Fans klassischer Zelda-Spiele, wie ich zugegebenermaßen einer bin, die Präzision und Schnelligkeit vergangener Tage. Dem Produzenten Eiji Aonuma insgeheim wohl auch. Denn in A Link Between Worlds schlägt Link wieder auf Knopfdruck zu!

Zurück zu den Wurzeln
Ihr fragt euch sicher nun: Warum schreibt dieser Reviewer so lang über die verschiedenen Arten in Zelda-Spielen einen Schwertschlag auszulösen? Die Antwort ist denkbar einfach: In dieser einen Designentscheidung lässt sich das ganze Konzept von A Link Between Worlds ableiten. Denn der neuste Teil kehrt in fast jeder Hinsicht zu den Wurzeln der Zelda-Serie zurück und ist ein reinrassiges klassisches Zelda.

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Gameplay vom Feinsten
Das zeigt sich an vielen Dingen. So sind, wie bereits erwähnt, Links Schwerthiebe wieder so hart, präzise und schnell wie in A Link to the Past und Link’s Awakening. Auch die Items werden wieder klassisch eingesetzt. Der Bumerang, um ein Beispiel zu nennen, wird wieder per Knopfdruck geworfen und die Wurfrichtung ist nicht veränderbar. Es gibt wieder eine freie Oberwelt, eine Menge Tempel und viele Minispiele. Aber Nintendo hat sich auch an Veränderungen der alten Formel gewagt: Magie, Pfeile und ähnliche Verbrauchsgegenstände wurden wegrationalisiert und durch einen Ausdauerbalken ersetzt. Legt ihr eine Bombe, nimmt eure Ausdauer genauso ab, wie wenn ihr einen Pfeil verschießt oder den Bumerang einsetzt. Da sich eure Ausdauer automatisch wieder auflädt, entfallen beispielsweise lästige Bombensuchaktionen. Statt der Verbrauchsgegenstände lassen Gegner mehr Rubine fallen, die nun eine wichtigere Rolle spielen und von denen ihr von Anfang an 9999 tragen könnt.

Ein Remake?
Oft kommt die Frage auf, ob A Link Between Worlds ein Remake von A Link to the Past ist. Die Frage ist klar zu verneinen. Das 3DS-Spiel ist vielmehr ein Nachfolger des SNES-Hits. Zwar spielt ALbW in der gleichen Welt wie ALttP und damit teilen sie sich die Oberwelt, die Anordnung der meisten Tempel und das Zwei-Welten-Konzept, aber die Inhalte der Dungeons und die meisten Rätsel auf der Oberwelt sind neu. Kenner von A Link to the Past werden sich daher zwar sofort heimisch fühlen, aber viele neue Rätsel und Hindernisse zu überwinden haben. Dazu trägt vor allem eines der neuen Hauptfeatures bei, welches Link zu einem beweglichen Gemälde an der Wand werden lässt. Diese Fähigkeit wurde richtig gut in die Rätsel integriert und überzeugt auf ganzer Linie.

Non-Linearität
Auf die Geschichte von A Link Between Worlds muss gar nicht eingegangen werden. Sie spielt zwar innerhalb der Zelda-Zeitlinie eine durchaus wichtige Rolle, wird aber nur an wenigen Stellen des Spiels vorangetrieben. Nur so viel sei noch gesagt: Sie ist für ein Zelda-Spiel durchaus vorzeigbar. Dass es nur so wenig Storyabschnitte gibt, hat aber einen sehr großen Vorteil: Es gibt keine storybedingte feste Reihenfolge, mit der ihr die Dungeons des Spiels besuchen müsst. Schon nach dem ersten Dungeon könnt ihr einen aus zwei weiteren Dungeons wählen und kurz darauf stehen euch ganze sieben weitere offen. Damit einhergehend entscheidet auch nur ihr, welchen Teil der Oberwelt ihr zu welchem Zeitpunkt erkunden wollt. Und erkunden heißt auch wirklich erkunden. Im Gegensatz zu früheren Zelda-Spielen, in denen ihr die meisten Rätsel aufgrund fehlender Items auf später verschieben musstet, könnt ihr euch in A Link Between Worlds fast von Anfang an jedem beliebigen Areal widmen. Ermöglicht wird das durch das Aufbrechen der „Ein Dungeon, ein Item“-Formel. Die meisten Items erhaltet ihr nämlich schon sehr früh im Spiel und vor allem alle auf einmal bei einem Händler. Dieses Konzept mag zwar seltsam klingen, doch die Tatsache, schon nach wenigen Stunden so richtig loslegen zu können, ist wahrlich fantastisch und überzeugt auf ganzer Linie.

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Technik
Grafisch ist A Link Between Worlds eine 2D-Pracht mit 3D-Effekt. Auch wenn es auf Screenshots nicht immer so aussieht, wirkt das Spiel auf einem Nintendo 3DS sehr sauber. Einzig die niedrige Auflösung des Bildschirms fällt etwas negativ ins Gewicht, für diesen Hardwaremangel kann das Spiel aber nichts. Überragend ist dagegen, wie flüssig das Spiel ist. A Link Between Worlds läuft mit 60 Bildern pro Sekunde (60fps) und das ist an vielen Stellen zu spüren. Auch der 3D-Effekt wurde sehr gut integriert. Obwohl es auch Eindruck schindende Feuersäulen gibt, die sich euch großmächtig entgegen bewegen, liegt der Fokus des 3D-Effekts auf einer dezenten, jederzeit passenden Verstärkung des Spielerlebnisses und einer Verbesserung der Übersicht bei Höhenunterschieden. Ein wenig Kritik muss man hier aber auch üben: Das Design der Figuren rief schon im Vorfeld des Release einigen Unmut hervor, der durchaus begründet ist. Die Köpfe der NPCs sind für mein Empfinden etwas zu groß geraten und verleihen den Figuren etwas zwergenhaftes. Auch das Design des Bösewichts ist gewöhnungsbedürftig. Dagegen weiß Links Gestalt in Gemäldeform trotz anfänglicher Unkenrufe in Bewegung durchaus zu gefallen und sticht positiv hervor.

Umfang & Schwierigkeitsgrad
Mein erster Durchgang, bei dem ich das Spiel etwa mit 80 Prozent aller sammelbaren Gegenstände abgeschlossen habe, dauerte laut interner Uhr des 3DS ziemlich genau 18 Stunden. Wer sich jedoch nur auf die Dungeons konzentriert, kann das Spiel mit Sicherheit auch in unter zehn Stunden beenden. Das Sammeln aller versteckten Dinge (wofür man zwischendurch immer wieder belohnt wird!) und das Meistern aller Minispiele, dürfte die meisten Spieler aber sicher noch einige weitere Stunden beschäftigen und dauert ohne Hilfen 20-25 Stunden. Bei mir zeigte die Uhr 22 Stunden für die Komplettierung des Spiels. Nach dem Durchspielen schaltet ihr zudem ein „New Game+“ frei, den Helden-Modus, in dem die Gegner stärker sind und der auch für Zelda-Veteranen eine Herausforderung darstellen sollte. Womit wir beim Schwierigkeitsgrad sind, dem einzigen ernsthaften Kritikpunkt an diesem fantastischen Spiel. A Link Between Worlds ist schlicht etwas zu leicht geraten. Damit sind nicht nur die Gegner und Bosse gemeint, die für geübte Spieler mit Tränken oder Feen im Inventar, eigentlich in keinem neueren Zelda eine Herausforderung darstellen, sondern auch die Rätsel. Zwar gibt es in den späteren Dungeons durchaus optionale Schatztruhen, die sehr gut versteckt sind, aber insgesamt ist das Spiel für Zelda-Veteranen schlichtweg zu leicht. Das ist unverständlich, da Anfängern sogar zusätzliche Tipps angeboten werden, die mit erlaufbaren 3DS-Münzen „bezahlt“ werden können.

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Keine Verkehrsschilder und Flötenorgien mehr
Was alle der letzten Zelda-Spiele vereinte, war das Zurückgreifen auf die Features des Abspielgeräts. Skyward Sword nutzte die präzise Wii-Bewegungssteuerung nicht nur für Schwertschläge, sondern auch für spezielle neue Items. Spirit Tracks unterstützte neben der Wisch-Schwertsteuerung auch das Nintendo DS-Mikrofon, in das man pusten musste, um das Musikinstrument zu spielen. Auf solche Experimente verzichtet A Link Between Worlds vollständig. Den 3DS-Touchscreen braucht ihr nur als Infobildschirm und zur Itemauswahl, die ihr aber alternativ auch vollständig per Knopfdruck erledigen könnt. Auch andere nervige Elemente, die den Spielspaß in vergangenen Zelda-Spielen getrübt haben, wie etwa Phai in Skyward Sword oder die Verkehrsschilder in Spirit Tracks braucht ihr nicht zu befürchten. Solcherlei Ballast trägt A Link Between Worlds nicht mit sich herum! Einzig die Speicherpunkte erinnern euch nach langen Spielsessions daran eine Pause einzulegen, diese kurzen Einblendungen stören aber nicht besonders.

Nintendo kann es immer noch! Mit A Link Between Worlds feiert die Zelda-Serie auf Handhelds nach den eher mittelmäßigen Nintendo DS-Zeldas ein fulminantes Comeback. Das Gameplay ist über jeden Zweifel erhaben und gerade der Spielfluss und die Spielgeschwindigkeit sind fantastisch. Die Konsequenz, mit der Nintendo den Spielfluss störende Hardware-Features des 3DS ignoriert und sich ganz auf ein traditionelles Spielerlebnis konzentriert hat, ist beeindruckend. Nicht ein einziges verirrtes nerviges Element ist vorhanden. Die Möglichkeit, die ganze große Welt mit fast allen Items von Anfang an frei erkunden zu können, ist für Entdeckernaturen fantastisch. Jeder bestimmt sein Spieltempo selbst und bestimmt, wann er welche Nebenquest verfolgt oder Tempel erkundet. Auch technisch präsentiert sich Links Ausflug herausragend. Die Grafik ist sehr sauber und detailverliebt, während der 3D-Effekt sinnvoll ergänzend eingesetzt wird. Musikalisch gehen Variationen bekannter Zelda-Themen Hand in Hand mit neuen überzeugenden Stücken, die allesamt jederzeit passend sind und typische Zelda-Stimmung aufkommen lassen. Kurzum: The Legend of Zelda: A Link Between Worlds ist ein Fest für Videospieler, belebt das Genre der 2D-Action-Adventures mit einem gewaltigen Schock wieder und setzt die Maßstäbe für kommende Vertreter des Genres. Dieser würdige Nachfolger der SNES-Legende The Legend of Zelda: A Link to the Past gehört in jede Sammlung!

Großartiges Spiel. Irgendwann muss ich es auch mal durchspielen.
K