Kritiken

The Legend of Zelda: Ocarina of Time 3D im Test

Viele Jahre fragte man sich, ob wir jemals eine Neuauflage zu dem vermeintlich besten Spiel des letzten Jahrtausends sehen würden und in der Tat benötigte es ein absolutes Key-Feature, wie eine neue Dimension, um Nintendo davon zu überzeugen, dass sich die Spielerfahrung nochmals verbessern ließe. Das Motto: Das Gute beibehalten, die wenigen Schwachstellen ausbessern und ein Spektakel für Fans anbieten. Wir haben uns für euch Hyrule in einer neuen Dimension angeschaut…

A Link to the Past
Während Nintendo neuerdings beim kommenden Wii-Zelda Skyward Sword von „A Link to the Future“ spricht, so wenden wir den Subtitel des Klassikers doch glatt auf Ocarina of Time 3D an. Eine Verbindung in die Vergangenheit eröffnet sich dank des 3D-Upgrades für den Nintendo 3DS zumindest für den Spieler selbst und wer den Nintendo 64-Klassiker bereits kennt, kann auch direkt den nächsten Abschnitt überspringen.

Unser Held Link hat sich bei Nintendo einer Schönheitsoperation unterzogen.

Ihr begleitet in The Legend of Zelda: Ocarina of Time 3D erneut den jungen Link mit der Mission das heilige Land Hyrule vor Ganondorf, dem König der Diebe, zu retten. Dieser möchte mit Hilfe von Zeitmanipulation nicht nur Hyrule, sondern auch durch die Kontrolle der Zeit die Königsfamilie inklusive Prinzessin Zelda stürzen. Nur Link ist dazu in der Lage die Pläne von Ganondorf noch zu durchkreuzen und somit Zelda und Hyrule zu retten. Während dieser Mission muss der Held weite Wege durch Hyrule von mythischen Landschaften bis hin zu geheimnisvollen Tempeln und Verliesen gehen…

Eine Legende von einem Triforce und dem heiligen Masterschwert
Zweifelsohne, Ocarina of Time brachte die epischen Momente der 2D-Klassiker rund um Link nahezu perfekt in eine realistische 3D-Umgebung und schaffte es den Sprung in die nächste Dimension in einer Art und Weise zu vollbringen, wie es kaum eine andere Franchise damals geschafft hat. Unvergessliche Momente wie die Szene rund um die Zitadelle der Zeit, in der unser grüner Held begleitet von stimmungsvoller Musik das heilige Masterschwert zieht, lassen auch heute noch das Herz höher schlagen. Dieses Spiel ist einfach zeitlos und könnte noch weitere Zockergenerationen auf Anhieb in den Bann ziehen. Wer bisher nicht in den Genuss kam dieses Meisterwerk spielen zu dürfen und auch nur ansatzweise etwas mit der Zelda-Serie oder einem Action-Adventure anfangen kann, der sollte sich diese historische Videospielperle nicht entgehen lassen – schon gar nicht wenn das Lineup des Nintendo 3DS ohnehin kaum Alternativen bietet…

So, what’s new?
Selten wird ein Spiel mehrmals überarbeitet – The Legend of Zelda: Ocarina of Time 3D ist solch ein Spiel. Nachdem das Spiel für den GameCube mit einer Master Quest ausgestattet wurde, welche neue Rätsel in den Tempeln, schwerer zu besiegende Bosse und spiegelverkehrte Abschnitte bot, folgt nun die zweite Neuauflage. Sowohl das Original als auch die Master Quest sind auf dem Modul gespeichert, wenngleich letztere erst nach dem Durchspielen der Ursprungsversion auswählbar ist. Natürlich kann man auf der einen Seite verstehen, dass Nintendo den Kunden das originale Spielerlebnis bieten möchte, doch hätte man die Wahl hier eindeutig dem Spieler überlassen sollen, um mehr Anreiz zu bieten. Schließlich hat man dank eingefügten Visionen mit Video-Tipps zum Besiegen von Bossen und Lösen von Abschnitten via Krabbelsteinen auch eine leichtere Version des Originals auf Anhieb eingepflanzt. Und was ist mit all den inzwischen erwachsenen Kunden, die das Spiel heutzutage einfach für zu leicht empfinden und ohnehin schon kennen? Diese Entscheidung wurde zu egoistisch getroffen und wenn man diesen Modus als Key-Feature deklariert, so hätte man dies anders lösen müssen. Damit schreckt man sicherlich potenzielle Interessenten ab, die ein Spiel nicht gerne mehrmals durchspielen.
Die Stadt von Hyrule wurde optisch ordentlich gepimpt.

Die Charaktere haben nichts von ihrem Charme verloren.

Abgesehen von dem obligatorischen 3D-Modus wurde das Spiel mit gewissen Ausnahmen als Port übernommen. Schlüsselstellen wie die Stadt Hyrule wurden optisch hierbei überarbeitet, freundlicher gestaltet und allgemein wirkt die Spielwelt sauberer und nicht so verwaschen wie das Original. Man bemühte sich Objekte gezielt aufzubessern, um optische Vorzüge zu demonstrieren. Auffallend sind vor allem die Hintergründe und eine breiter angelegte Farbpalette, wodurch das Spiel eine erfrischende Atmosphäre erlangt ohne die Stimmung zu versauen. Zusätzlich spendierte man den wichtigen Charakteren neue Modelle und so sieht Link deutlich ansprechender aus als damals. Nur reden will er auch heute noch nicht. Doch im Gegensatz zum Original kann man diesen damals gültigen Kritikpunkt nicht mehr anführen, denn dies ist nicht nur so gewollt, sondern hat sich auch so bei den Fans der Serie durchgesetzt, weil man sich so besser mit dem Helden identifizieren kann…

Zwar reden öffentlich alle von 3D, doch ein fast noch wichtigeres Feature ist der Touchscreen des Nintendo 3DS. Es ist erstaunlich wie gut das komplette Menü aus dem Original trotz weniger Tasten des Handhelds im Vergleich zum N64-Controller implementiert wurde. Keine verschachtelten Ansichten, zusätzliche Ablagen (I; II) für den schnellen Zugriff und alles Wichtige auf einen Blick, wodurch unnötige Einblendungen auf dem oberen Bildschirm gestrichen werden konnten. Denn in 3D können solche Buttons in der vordersten Ebene auf Dauer nerven und deplatziert wirken. Und auch für die Anvisierung von Gegnern wird eine Option angeboten, um nicht dauerhaft die Schultertaste gedrückt zu halten. Eine fast schon notwendige Lösung, denn das Halten der L-Taste ist auf dem Handheld dann doch recht anstrengend für den Finger. Und nach der Quälerei bei The Legend of Zelda: Spirit Tracks und der viel zu komplexen Einbindung der Flöte, ist man doch angenehm überrascht wie genial das Abspielen der Ocarina der Zeit von der Hand geht. Selbst hier macht das Spiel etwas besser als ein Zelda-Ableger von vor gerade mal 18 Monaten.

Die zweite Neuauflage des Klassikers enthält beide vorherigen Versionen in Form vom Original und der Master Quest, wenngleich letztere Version unverständlicherweise erst nach dem Durchspielen der Ursprungsversion auswählbar ist. Das Gameplay profitiert etwas von der Hardware des Nintendo 3DS und kann dank den Gyroskopen und dem Touchscreen Mehrwert bieten. Und auch der 3D-Effekt wurde gut umgesetzt. Es muss erst gar nicht nach einem Sweetspot für das persönliche Augenpaar gesucht werden und der 3D-Modus wirkt so klar wie bei keinem anderen Spiel auf dem Markt. Selbst wenn man den Regler auf das Maximum stellt, erkennt man den 3D-Effekt noch klar und deutlich. Es ist zwar letztendlich „nur“ ein Port mit einigen Remake-Elementen, weshalb einen der 3D-Modus nicht umhaut, jedoch merkt man immer wieder mal während dem Zocken wie sich Nintendo darum bemüht hat die dritte Dimension gut zu nutzen. Und paradoxerweise erscheint das Spiel in seiner ursprünglichen Form teilweise wie geschaffen für 3D. Sei es Navi mit ihren Funken oder die fliegenden Leuchtkörper im Kokiri-Wald. Dennoch bleibt ein Wermutstropfen: Das Ghosting tritt viel zu schnell auf und gerade bei actionreichen Szenen fällt es einem schwer den Handheld so zu halten, dass der 3D-Effekt auch wirklich scharf zu sehen ist. Insgesamt kommt für Kenner des Spiels sofort diese unbeschreibliche Atmosphäre zum Tragen und löst nicht nur Nostalgie in einem aus, sondern bietet zugleich auf eine andere Art und Weise erfrischende Neugier. Gedanken wie: „War das wirklich damals so? Wow!“ oder „Hey, ich erinnere mich daran“ werden durch eure Köpfe schießen. Und Neulinge, die bisher nur die verspielten Nachfolger erleben durften, werden ein Zelda-Spiel zu Gesicht bekommen, das nicht nur einzigartig ist, sondern die Franchise in einem unverkennbaren Ambiente erleuchtet.

Unsere Wertungsskala lässt es leider nicht zu ein 13 Jahre altes Spiel noch mit der höchsten Wertung auszustatten, denn ein Meilenstein muss weitaus andere Kriterien erfüllen. Würde es sich bei der 3D-Version von The Legend of Zelda: Ocarina of Time 3D um ein waschechtes Remake handeln – also eine komplette Neuentwicklung – , so könnte man darüber diskutieren, ob es auch heute noch ein weiterer Meilenstein wäre oder nicht. Doch letztendlich ist das Spiel größtenteils ein Port mit gezielten Remake-Elementen wie neuen Charakter-Modellen inklusive neuen Animationen und optischen Aufbesserungen von zentralen Objekten und Hintergründen, überarbeiteten Musikstücken sowie dem Implementieren von heute möglichen Gameplay-Features dank Gyroskopen, Touchscreen und brillenloser 3D-Technik. Man kann sich als Käufer sicher sein: Hier hat man wirklich alles aus dem Original gekitzelt. Man muss hier letztendlich auch festhalten, dass Ocarina of Time 3D im direkten Vergleich zum Original deutlich hübscher aussieht als es erste Vergleichsbilder im Internet andeuteten. Und keine Frage: Ocarina of Time 3D ist zweifelsohne ein herausragendes Spiel in dem noch überschaubaren Lineup an Nintendo 3DS-Software.

F
Als inzwischen [irgendwie] alter Hase auf Gaming-Universe ist Dominic berühmt-berüchtigt für seine japanische Rollenspiel-Zuneigung. Doch auch Rennspiele und Action-Adventures sowie Spiele mit intensiver Erfahrung fesseln ihn immer wieder, weshalb er schon seit einiger Zeit zu einem waschechten Multikonsolero mutierte, der alles (aber nur, was ihm gefällt!) wie ein wählerischer Schwamm aufsaugt und den Rest brav ignoriert.