Kritiken

The Legend of Zelda: Tri Force Heroes im Test

Die The Legend of Zelda-Serie ist gewiss eine der wertvollsten Marken, die sich in Nintendos Besitz befinden. Der besondere Wert der Marke spiegelt sich sicherlich auch in Nintendos vorsichtigem Umgang mit auswärtigen Entwicklern wieder. Außer Capcoms Flagship-Unternehmen hat bislang kein auswärtiger Entwickler einen neuen Titel in der Reihe entwickeln dürfen. Bis jetzt, denn nach den überzeugenden Portierungen von Ocarina of Time und Majora’s Mask hat Greezo offenbar Nintendos Vertrauen gewonnen und durfte mit Tri Force Heroes sein erstes selbst gestaltetes Zelda-Spiel entwickeln. Doch kann der geistige Nachfolger von Four Swords Adventures beweisen, dass Nintendos Vertrauen gerechtfertigt ist?

screen_the-legend-of-zelda-tri-force-heroes_11Ein Style-Problem
Die Geschichte von The Legend of Zelda: Tri Force Heroes ist selbst für Zelda-Verhältnisse skurril. Prinzessin Rüschlinde ist nicht nur die Thronerbin des modischen Königreichs Textilia, sondern auch in einer echten Notsituation. Ihre wunderschöne Kleidung wurde ihr genommen und stattdessen wurde sie in ein schwarzes, hässliches Overall gehüllt, das sie nicht mehr ausziehen – und scheinbar auch nicht mit anderer Kleidung überdecken kann. Eine Katastrophe, wie jeder modebewussten Frau klar sein dürfte und so liegen alle Hoffnungen auf den legendären Totem-Helden, die die böse Hexe, die Rüschlindes misslichen Zustand zu verantworten hat, in die Flucht schlagen sollen. Der Spieler schlüpft nun in die Rolle einer dieser sagenhaften Totem-Helden und muss gemeinsam mit zwei Mit-Helden seine Abenteurer-Qualitäten unter Beweis stellen.

Pärchen sind nicht willkommen
Wie man der obigen Story-Beschreibung bereits entnehmen kann, ist The Legend of Zelda: Tri Force Heroes kein gewöhnliches Zelda-Abenteuer, sondern, ähnlich wie Four Swords und Four Swords Adventures, vorrangig ein Multiplayer-Spiel. Allerdings haben die Entwickler von Nintendo und Greezo glücklicherweise auch an Einzelspieler gedacht und ermöglichen einen komplett eigenständigen Durchlauf durch das Spiel. Diese Option erscheint umso wichtiger, als dass Tri Force Heroes sehr restriktiv in seinen Mehrspieler-Optionen. Man kann das Spiel ausschließlich zu dritt spielen, einen Zweispieler-Modus gibt es nicht. Obendrein muss man von vorneherein auswählen, ob man lokal mit mehreren Spielkarten, im Download-Multiplayer mit nur einer Spielkarte oder im Online-Mehrspieler-Modus miteinander spielen möchte. Eine Kombination aus zwei lokalen Spielern und einem Online-Spieler ist nicht möglich.

screen_the-legend-of-zelda-tri-force-heroes_08Ein Korsett an Regeln
Mehr noch, auch die Kombination aus einem Freund und einem anonymen Spieler im Online-Spiel ist nicht möglich. Was Nintendo hier geritten hat, ist völlig unverständlich und in Anbetracht der geringen Zahl an Online-Spielern vor Release ist die Mehrspieler-Wertung vorerst als vorläufig anzusehen. In jedem Fall sei an dieser Stelle festzuhalten, dass diese restriktive Regelung ein echter Malus ist und Nintendo in dieser Hinsicht definitiv nachbessern sollte. Selbst der Fakt, dass man nicht zu zweit spielen kann, ist unverständlich, wenn man bedenkt, dass die Umsetzung im Einzelspielermodus ohne jeden Aufwand oder Einschränkung auch für zwei Spieler möglich gewesen wäre. Im lokalen Spiel gibt es keine Entschuldigung für den Verzicht auf diese Option.

32 Level mit Variationen
Im Mehrspieler-Modus ist es offensichtlich, wie das Spiel funktioniert: Jeder Spieler übernimmt die Kontrolle über eine Kopie des Totemhelden und spielt in gewohnter 2D-Zelda-Manier durch die zahlreichen Level und Missionen des Spiels. Insgesamt gibt es 32 Level, in jedem Level kommen noch eine Hand voll zusätzlicher Missionen hinzu, so beispielsweise die Möglichkeit, das Level mit verringerter Lebensenergie zu spielen, oder aber in Final Fantasy Crystal Chronicles-Manier mit einem Lebensorb durch die Level zu laufen, von dem sich die Spieler nicht zu weit entfernen dürfen.

screen_the-legend-of-zelda-tri-force-heroes_05Totem statt Formationen im Einzelspieler-Modus
Spielt man alleine, so übernimmt man stets die Kontrolle über einen einzelnen Link, die anderen beiden befinden sich als unbewegliche Puppen in der Spielwelt. Per Druck auf den Touchscreen kann man zwischen den verschiedenen Link-Kopien wechseln. Eine Möglichkeit, seine Links zu gruppieren wie es in Four Swords Adventures den Einzelspielermodus noch stark aufgewertet hat, gibt es nicht. Einzig die Möglichkeit, sich als Totem zu stapeln gibt es, die es einem ermöglicht, redundante Wege – von denen es anderenfalls durchaus eine Menge gibt – zu vermeiden. Aber auch um einen Totem zu bilden muss man per Touchscreen die Links durchwechseln. Auf Einzelspieler-Bedürfnisse ist Tri Force Heroes definitiv nicht optimiert.

Neue Items für Rätselspaß
Spielerisch setzt Tri Force Heroes auf die gewohnte Kombination aus Action und Rätseln. Erkundung hingegen spielt in Tri Force Heroes absolut keine Rolle. Jedes Level ist im Grunde genommen ein lineares Dungeon, in dem man die einzelnen Räume isoliert absolviert und dann zusammen zum nächsten Raum voranschreitet. Die erste Welt ist wie gewohnt geradezu trivial, in späteren Welten sind die Leveldesigner aber immer kreativer geworden und haben vor allem auch einige neue Items erdacht, die frischen Wind in die Rätsel bringen. Auch der Totem, die Möglichkeit, sich aufeinander zu stapeln und so beispielsweise Pfeile aus erhöhter Position zu schießen, wird auf interessante Weise genutzt. Allerdings ist der Totem in Sachen kreativer Nützlichkeit keinesfalls vergleichbar mit der Verschmelzungsfähigkeit aus A Link Between World, dem Spiel, das technisch für Tri Force Heroes Pate gestanden hat. Wie schon in Four Swords und Four Swords Adventures kann man übrigens zu jedem Zeitpunkt nur ein Item tragen, Kombinationen verschiedener Items sind also nur möglich, wenn mehrere Spieler zusammenarbeiten.

screen_the-legend-of-zelda-tri-force-heroes_16Langzeitspaß durch Missionen?
Möchte man The Legend of Zelda: Tri Force Heroes komplett durchspielen, werden sich die verschiedenen Missionen als wertvolles Geschenk erweisen, denn am Ende eines jeden Levels erhält man ein Sammelgut und Rubine und nur wenn man genügend dieser – leider zufällig verteilten – Güter sein Eigen nennt, kann man einige der Verkleidungen erstehen, die das Spiel zu bieten hat. Die Verkleidungen haben nicht nur einen kosmetischen, sondern auch einen praktischen Effekt, wie beispielsweise eine Immunität gegen Hitze, was sich naturgemäß bei heißen Levels als vorteilhaft erweist. Allerdings sei klar gesagt, dass jedes Level seinen größten Reiz beim ersten Durchspielen besitzt, anschließend kennt man die Lösung der Rätsel bereits und abgesehen von den zusätzlichen Restriktionen durch die Bonus-Missionen und die Anforderungen der Koordination zwischen den drei Spielern gibt es keine nennenswerten Unterschiede zwischen mehreren Durchläufen durch ein Level.

Gewohnt ansehnlicher A Link Between Worlds-Look
Technisch ist The Legend of Zelda: Tri Force Heroes sehr sauber, nutzt es doch die tolle A Link Between Worlds Engine, die vor allem mit einem sehr ansehnlichen 3D-Effekt glänzen kann. Auch musikalisch wissen neue Interpretationen bekannter Zelda-Stück zu gefallen. In den wenigen Online-Spielen die wir haben in der Testphase zusammen bekommen können, erwies sich die Internetverbindung allerdings bisweilen als kritisch. Das dürfte zwar mit hoher Wahrscheinlichkeit an den Teilnehmern liegen, da die Server geradezu leergefegt waren, aber ohne das Spiel unter Stress mit vielen Spielern gespielt zu haben, lässt sich in dieser Hinsicht keine definitive Aussage treffen. Da der Schwierigkeitsgrad von Tri Force Heroes, jedenfalls ohne die Bonus-Missionen, eher moderat ist, sind gelegentliche Performance-Probleme aber keine Spielspaß-Killer. Offline läuft das Spiel stets absolut rund.

The Legend of Zelda: Tri Force Heroes ist ein sehr gut designtes Multiplayer Action-Adventure, leidet aber stark unter der sehr restriktiven Multiplayer-Funktionalität. Zwar macht das Spiel auch alleine eine Menge Spaß, allerdings muss man hier, für Nintendo-Spiele eigentlich unüblich, mit einigen Unannehmlichkeiten leben. Insbesondere das Fehlen der in Four Swords Adventures bewährten simplen Formationen kann dafür sorgen, dass das reine Fortbewegen manchmal unnötig zeitaufwendig wird. Nichtsdestotrotz, Action-Adventure-Freunde sollten auf jeden Fall zugreifen.

Sebastian hat eine ausgeprägte Vorliebe für Jump & Runs, zählt aber auch Action-Adventures und Arcade-Spiele zu seinen Lieblings-Genres. Haupta...