Ausblicke

Angespielt: Tiny Hands Adventure

Indie-Entwickler haben lange Zeit vor allem mit zweidimensionalen Spielen von sich reden gemacht, oftmals mit Parallelen zu 8- und 16bit Spielen. Doch in den vergangenen Jahren haben mehr und mehr Indies sich auch an 3D-Spielen versucht und zuletzt beispielsweise dem 3D Jump & Run der N64-Ära neues Leben eingehaucht. Tiny Hands Adventure hat sich nun Crash Bandicoot und – wie die Entwickler auf der Gamescom zu betonen wissen – Kao the Kangaroo (Teil 1, Dreamcast) zum Vorbild genommen. Auf der Gamescom konnten wir zwei der fünf Welten des Spiels spielen.

Die Geschichte von Tiny Hands Adventure ist ungewöhnlich, aber ziemlich niedlich. Man schlüpft in die Rolle des kleinen Tyrannosauriers Borti, der für sein Leben gerne Torwart beim Fußball wäre. Unglücklicherweise hat Borti aber naturbedingt relativ kurze Arme, was sich beim Towartdasein zu einem formidablen Nachteil erwächst. Daher macht Borti sich auf, Verlängerungen für seine Arme zu finden, um auf dem Spielfeld eine bessere Figur zu machen.

Spielerisch tritt Tiny Hands Adventure unmittelbar in die Fußstapfen seiner Vorbilder. In strikt linearen 3D-Levels und gelegentlichen 2D-Levels hüpft Borti von Plattform zu Plattform über unzählige bodenlose Löcher und setzt sich mit einer Wirbelattacke oder einem Sprung auf den Kopf gegen Gegner, die weitgehend ohne KI auskommen, also entweder stationär sind oder auf einer festgelegten Bahn patrouillieren. Zudem sind die Level mit zahlreichen Boxen, darunter gewöhnliche Boxen, die man bedenkenlos zerstören kann, um Fleisch (lies: Wumpa-Früchte) zu sammeln, und Nitroboxen, die bei Berührung töten, gespickt. Manche Boxen enthalten einen Schild, der funktionell der Aku Aku Maske entsprechen und Borti für einen Schlag vor einem Gegner beschützen.

Das Leveldesign ist relativ anspruchsvoll und ist auch früh bereits ziemlich streng mit dem Spieler, was insbesondere die Größe der Plattformen anbelangt, auf denen man landen muss. Jedes Level enthält außerdem einen speziellen Sammelgegenstand, den man auflesen muss, wenn man ins Ziel geht, um am Ende einer Welt den Endgegner freizuschalten. Weiterhin gibt es in jeder Welt fünf spezielle Edelsteine. Sammelt man alle fünf Edelsteine, schaltet man eine schwierigere Version des jeweiligen Levels ohne Zwischenspeicher frei, in denen man Kostüme für Borti finden kann. Allerdings kann man immer nur dann alle Edelsteine sammeln, wenn man die speziellen Fähigkeiten verwendet, die man nach Abschluss einer jeden Welt freischaltet und in Form von Erweiterungen für Bortis Arme daherkommen.

Tiny Hands Adventure Official Trailer

Das Spielkonzept von Crash Bandicoot wird also gut von Tiny Hands Adventure eingefangen, allerdings gibt es bei dem ganzen einen großen Haken. Die Steuerung von Borti ist gelinde gesagt gewöhnungsbedürftig. Solche Kuriositäten wie ungewöhnliche Wahlen für Bestätigung und Abbruch sind sicherlich vernachlässigbar, allerdings ist es unverständlich wieso die Entwickler den Sprung derart bockig gestaltet haben. Die Geschwindigkeit und Bewegungsrichtung, die man vor dem Absprung hat, wird für die Dauer des Sprungs nahezu vollständig beibehalten. Man kann nur äußerst geringfügig gegensteuern, um die Sprungtrajektorie zu beeinflussen. Gerade in Anbetracht der vielen knappen Sprünge im Spiel ist das harsch. Dass das Spiel mit Extraleben ziemlich stark geizt, verschärft dieses Problem. Darüber hinaus lässt die Kollisionsabfrage massiv zu wünschen übrig. An mehreren Stellen im Spiel ist Borti beim (erfolgreichen) Angriff auf einen Gegner selbst mit gestorben, was dem Spielspaß nicht eben zuträglich ist. Immerhin, einmal getötete Gegner bleiben solange tot, bis man alle seine Leben verliert und das Level komplett von vorn beginnen muss.

Tiny Hands Adventure ist bereits für Nintendo Switch erhältlich, allerdings hat die Gamescom-Demo einen äußerst schwachen Eindruck hinterlassen. Das Leveldesign ist strikt, aber nicht sonderlich interessant, die Spielmechanik bockig und unangenehm. Nach nur zwei von fünf Welten wäre ein Urteil verfrüht, sonderlich optimistisch stimmt die Demo aber nicht. Auf ein Highlight sei an dieser Stelle aber noch hingewiesen: Die Comicoptik in einem der 2D-Level ist äußerst ansprechend und Borti selbst ist ein ziemlich niedlicher Protagonist.

Sebastian hat eine ausgeprägte Vorliebe für Jump & Runs, zählt aber auch Action-Adventures und Arcade-Spiele zu seinen Lieblings-Genres. Hauptaugenmerk liegt bei ihm meistens auf der Spielmechanik, eine gut geschriebene Geschichte lässt ihn aber auch schwach werden. Lieblingsspiele: Yoshi’s Island, Super Mario Galaxy 2, Sonic Generations und Zelda: Skyward Sword.