Kritiken

Trackmania Turbo im Test

Das Arcade-Racer-Genre steckt trotz der anhaltenden Beliebtheit von Renspielen in der Krise. Die Entwickler haben in Sachen Rennspiele seit geraumer Zeit Simulationen in den alleinigen Fokus genommen und Arcade-Racing wird mittlerweile vielmals nur noch als Simulation mit Hilfsfunktionen oder als Open World-Spielplatz missverstanden. Umso erfreulicher ist es da, dass Ubisoft mit Trackmania Turbo aus den Vollen schöpft: 200 Strecken und obendrauf ein Leveleditor – Arcade-Freunde erwartet also eine langandauernde Spielerfahrung.

Im Kampf gegen die Uhr
Trackmania Turbo könnte auch unter dem Namen Time Attack Turbo veröffentlicht werden, denn anders als in vielen anderen Rennspielen befindet man sich im Kampagnen-Modus von Trackmania Turbo allein auf weiter Strecke. Einzig ein Geist, der dem Spieler zeigt, wie man gewisse Zielzeiten erzielen kann, belebt die Strecke ein wenig. Das bedeutet, dass der Spieler in Trackmania Turbo keine Angst vor Rammangriffen oder schwierigen Überholmanövern haben braucht, einzig die Streckenführung macht in Trackmania Turbo die Herausforderung aus.

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Entsprechend wichtig ist, wie schnell man die meistens recht kurzen Strecken absolviert. Das Spiel stellt dem Spieler in jede Strecke drei Zielzeiten zur Verfügung, die jeweils mit einer anderen Medaille korrespondieren. Die Bronze-Medaillen sind gleich von Beginn an geradezu Pflicht, denn nur wer fleißig Bronze-Medaillen sammelt, darf nach dem ersten Satz von zehn Strecken zum zweiten Satz voranschreiten. Nach einiger Zeit jedoch wird man auch mit Bronzemedaillen an eine Grenze stoßen, denn später im Spiel sind Silbermedaillen – die für die mittlere der drei Zielzeiten vergeben werden – benötigt um weitere Streckensets freizuschalten. Schließlich sind aber selbst Silbermedaillen keine starke Währung mehr und der Spieler muss gar mit Goldmedaillen – den Belohnungen für die höchstwertigen Zeiten – aufwarten, um die letzten Strecken fahren zu dürfen.

Die Jagd nach dem Gold
Die Zeiten die für die einzelnen Medaillen benötigt werden, sind gut ausbalanciert. Fährt man einfach ohne besonders heftigen Unfall vom Start zum Ziel, so sollte man stets eine Bronzemedaille garantiert haben, oftmals winkt sogar bereits eine Silbermedaille. Um die Goldmedaille zu erhalten, muss man allerdings schon recht makellos fahren, wenngleich natürlich auch von dieser Zielzeit noch einige Verbesserungen möglich sind. Wer sich hierzu motivieren kann, kann über die Goldmedaille hinaus seine Zeit nicht nur für eine persönliche Bestenliste, sondern auch für eine weltweite Rangliste weiter verbessern.

Arcade-Feeling pur
Wie es sich für ein Arcade-Rennspiel gehört, bietet Trackmania Turbo eine Kombination aus einfach erlernbarer Steuerung und zahlreichen Finessen um im Laufe der Zeit immer schneller fahren zu können. Die Steuerung des Spiels ist geradezu simpel, mit RT gibt man Gas, mit LT bremst man und mit dem Analogstick lenkt man sein Gefährt.

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Allerdings erweist sich die Lenkung als sehr sensibel, besonders auf Off-Road-Strecken, so dass man ein gutes Gefühl für die Zwischenstufen des Analogsticks haben sollte, wenn man seine Geschwindigkeit halten möchte. Überdies kommt Trackmania Turbo mit einem ausgefeilten Drift-System daher, das es ermöglicht, durch Antippen der Bremse das Heck ausbrechen zu lassen, um so engere Kurven sicher fahren zu können. Varianten wie das Loslassen des Gaspedals beim Drift oder das Initiieren mehrere Drifts in Folge ermöglichen weitere Kurven-Varianten, so dass es im Spiel eine ganze Menge an Techniken zu erlernen gibt, die immer schnellere und unfallärmere Fahrten ermöglichen.

Kurz und knackig
Die Zahl von 200 Strecken auf der Packungsrückseite trifft zwar zu, klingt aber doch im Ergebnis mehr als den Spieler tatsächlich erwartet. Der Natur des Spiels geschuldet, sind die meisten Strecken nämlich eher kurze Challenge-Strecken, die binnen weniger als einer Minute abgeschlossen sind, so man denn halbwegs fehlerfrei fährt. Natürlich wird man einige Zeit auf den einzelnen Strecken zubringen, wenn man die quasi-obligatorischen Goldmedaillen einheimsen möchte, doch sollte man bei Trackmania Turbo keine vollen Rennstrecken vergleichbar mit anderen Rennspielen erwarten. In Anbetracht dessen, dass die Anforderungen für die Goldmedaille bisweilen ziemlich hoch sind, ist es aber durchaus auch hilfreich und sinnvoll, dass die Strecken nicht sonderlich lang sind. Insbesondere können es sich die Entwickler so, dank der großen Zahl an Strecken, leisten, einzelne Ideen in den Fokus einer einzelnen Strecke zu stellen, was bei längeren Strecken schnell enttäuschend enden kann.

Auch wenn das Tempo nicht an FAST heranreicht, ist der Hinweis oben links durchaus ernst zu nehmen.

Das Streckendesign ist abwechslungsreich und oft rasant, wenngleich Trackmania Turbo im Vergleich beispielsweise zum kürzlich erschienenen FAST Racing Neo eine geradezu gemütliche Spielgeschwindigkeit aufweisen kann. Durch verschiedene Untergründe und den Wechsel zwischen Strecken, die geschicktes Driften bedürfen und solchen, die vor allem durch die sensible Steuerung in hohen Geschwindigkeiten fordernd sind, wird für genügend Abwechslung gesorgt, dass Trackmania Turbo durchweg motivieren kann.

Gelegentliches Tearing stört die Optik
Technisch ist Trackmania Turbo gut gelungen. Die Grafik ist klar und flüssig, allerdings fällt gelegentliches Tearing störend auf. Besonders ungünstig ist im Test aufgefallen, dass es sogar vereinzelte Spielmomente gibt, in denen die Grafik kurz hängen bleibt. Bei Spieler-designten Strecken mag das zwar noch verständlich sein, bei vorgefertigten Strecken hätte so etwas aber definitiv nicht passieren dürfen, zumal es kaum ein Genre gibt, in dem solche technische Probleme das Gameplay stärker beeinträchtigen als Arcade-Rennspiele.

Trackmania Turbo ist ein sehr gutes Rennspiel mit einfach erlernbarer Spielmechanik und gelungenem Streckendesign. Der Time Attack-Charakter des Spiels dürfte zwar nicht jedem Spieler zusagen, doch haben die Entwickler im Gegenzug ein sehr abwechslungsreiches Angebot an Strecken entworfen, so dass Trackmania Turbo für viele, viele Stunden Spaß machen kann. Wer nicht genug vom Spiel bekommt, kann sich natürlich überdies im Leveleditor austoben oder Level von anderen Spielern spielen, respektive sich online messen.

Sebastian hat eine ausgeprägte Vorliebe für Jump & Runs, zählt aber auch Action-Adventures und Arcade-Spiele zu seinen Lieblings-Genres. Hauptaugenmerk liegt bei ihm meistens auf der Spielmechanik, eine gut geschriebene Geschichte lässt ihn aber auch schwach werden. Lieblingsspiele: Yoshi’s Island, Super Mario Galaxy 2, Sonic Generations und Zelda: Skyward Sword.