Kritiken

Yoshi’s Crafted World – Good-Feels zweiter Streich

2D Hüpfspielexperte Good-Feel scheint nach einem Wario- und einem Kirby-Spiel mit Yoshi die richtige Nintendo-Marke gefunden zu haben, um der gestalterischen Kreativität freien Lauf zu lassen. Stand in Yoshi’s Woolly World noch flauschige Häkelware im Vordergrund, wird in Yoshi’s Crafted World dem Basteltrieb der Entwickler Tribut gezollt. Das gesamte Spiel samt seiner Charaktere sieht aus wie in fleißiger Heimarbeit gebastelt und so strahlt Yoshi’s Crafted World bereits auf rein optischer Ebene einen ganz eigenen Charme aus. Doch kann Yoshi’s Crafted World auch spielerisch begeistern?

Yoshi’s Crafted World orientiert sich wie bereits sein Vorgänger an dem Spielkonzept des SNES-Klassikers Yoshi’s Island, lockert die Spielstruktur aber noch etwas weiter auf. Wie gehabt sind die Level voll auf Sammelgegenstände ausgelegt und so ist bis kurz vor Ende des Spiels das reine Erreichen des Levelziels geradewegs ein Kinderspiel. Die eigentliche Herausforderung im Spiel ist das Sammeln über 600 Grinseblumen, die es im Spiel zu finden gibt. In jedem Level gibt es eine variable Zahl, mindestens jedoch fünf Grinseblumen direkt zu finden. Hinzu kommen Bonusgrinseblumen, wenn es einem gelingt, 20 versteckte rote Münzen zu finden, oder mit einer vollen Energieleiste ins Ziel zu gelangen.

Anders als in den bisherigen Yoshi-Jump & Runs ist die Sammelei aber nicht mehr nur für das Erreichen von Zusatzlevels relevant. Stattdessen muss man nach Abschluss einer jeden Welt eine Zahl von Grinseblumen – zwischen zehn und zwanzig in aller Regel – zahlen um die nächsten Welt betreten zu dürfen. Apropos Welten: Statt wie bisher fünf oder sechs Welten mit acht Levels gibt es in Yoshi’s Crafted World gleich siebzehn Welten, dafür aber nur mit zwei bis drei Levels je Welt. Dadurch können die Entwickler wesentlich mehr Ideen für ihre Level erproben, was im Falle von Crafted World zu einigen eher ungewöhnlichen Levelthemen wie beispielsweise einem Grusellevel mit Axtmörderclowns geführt hat. Gleichzeitig haben die Entwickler so die Möglichkeit genutzt, zwischen den einzelnen Levels einer Welt eine zusammenhängende kurze Geschichte zu erzählen, die den Übergang zwischen den einzelnen Levels darstellt. In dieser Hinsicht erinnert Yoshi’s Crafted World ein wenig an Donkey Kong Country Tropical Freeze.

Allerdings müssen Spieler, die die besonders knackigen Extralevel in bisherigen Yoshi-Spielen – mit Ausnahme von Yoshi’s Story – geschätzt haben, einen deutlichen Rückschritt in Kauf nehmen: In Yoshi’s Crafted World gibt es nur noch – je nach Zählweise – drei oder vier dieser knackigen Extralevel und die Level, die es gibt, sind auch nicht so schwierig, wie man es von den Island-Spielen her gewohnt ist. Auch eine vollständige Sammlung ist in Yoshi’s Crafted World nicht annähernd so wichtig, wie in den Vorgängern – mehr als dreihundert Grinseblumen sind nach dem Durchspielen noch übrig und können einzig für kosmetische Extras verwendet werden.

Auch in den normalen Levels ist Yoshi’s Crafted World allerdings überdurchschnittlich einfach ausgefallen. Dadurch, dass das Spiel die strikt lineare Struktur der Vorgänger aufbricht und nach einer linearen Sequenz von Welten zu Beginn des Spiels drei parallele Stränge anbietet, die erst kurz vor Ende wieder in eine gemeinsame Sequenz zusammenlaufen, ist der Schwierigkeitsgrad lange sehr flach und erst in den letzten 20% wird das Spiel etwas anspruchsvoller. Man muss Yoshi’s Crafted World allerdings zu Gute halten, dass die Entwickler eine ganze Menge toller Ideen in ihren Levels verarbeitet haben, die auch nach einiger Zeit in guter Erinnerung bleiben.

So gibt es beispielsweise ein Level in dem man in einer Zirkusmanege durch Ringe springen muss und dabei Uhren sammeln muss, die ein knappes Zeitlimit fortsetzen. In einem anderen Level muss man um die bereits angesprochenen Axtmörder herum navigieren, vor einem riesigen Dinosaurierskelett fliehen, das das Level hinter einem zerstört – und durch seine Zerstörung den Weg zu der einen oder anderen Grinseblume erst freischaltet. Mal fährt man mit einem Solarauto, das im Schatten langsam wird über eine kurze Rennstrecke, ein anderes Mal fliegt man mitten im Level mit einer Rakete zum Mond und hüpft anschließend mit verringerter Gravitation über die Mondoberfläche. Einfallsreiche Endgegnerkämpfe und clevere gespiegelte Versionen der Level, die auf der Rückseite des Levels spielen, runden das Level-Line-Up gekonnt ab. Sowohl aus Sicht der Präsentation, als auch aus spielerischer Sicht stecken eine Menge toller Ideen in Yoshi’s Crafted World.

Leider fehlt Yoshi’s Crafted World aber etwas, das bei Nintendo eigentlich seit jeher eine der absoluten Stärken des Spieldesigns war: Die strenge Schere des Regisseurs. Denn obwohl das Spiel bis hierhin sicherlich wie ein Fest für Jump & Run-Fans klingt, haben die Entwickler das Spiel leider mit einer Menge schwacher Inhalte zugebastelt, die den Umfang künstlich strecken. In jeder Welt gibt es nach Abschluss aller Level einen Roboter, der den Spieler beauftragt, spezielle Objekte aus dem Hintergrund der Level mit Eiern zu sammeln. Diese Objekte kann man zwar auch bereits vor Erhalt der Mission sammeln, dann erhält man aber nur eine Hand voll Münzen. Die Zahl der Missionen ist wesentlich größer als die Zahl der Level in einer jeden Welt und können nur nacheinander bearbeitet werden, so dass man manche Level nach Abschluss noch zwei bis drei Mal durchlaufen muss, um die sogenannten Kunstgewerke einzusammeln.

Damit nicht genug, haben die Entwickler viele dieser Kunstgewerke ziemlich fies im – die meiste Zeit zudem sehr verschwommenen – Hintergrund versteckt, so dass das Sammeln der Kunstgewerke eine haarige Angelegenheit sein kann. Nur eine Hand voll Kunstgewerke sind tatsächlich auf interessante Weise im Level positioniert, meist läuft das Spiel in diesen Missionen schlicht auf eine „Suche nach Walter“ hinaus. Wie zum Hohn wird man nach Abschluss des Hauptspiels dann sogar noch einmal durch alle Level geschickt, um zusätzlich eine im Hintergrund versteckte Box zu finden. Zwar wird hierdurch der 3D-Aspekt des Spiels ein wenig betont, doch im Endeffekt ist das ganze spielerisch unheimlich redundant und trübt den Gesamteindruck des Spiels erheblich. Erschwerend kommt hinzu, dass auch noch einige rote Münzen auf ähnliche Weise im Hintergrund verborgen sind und man so ohnehin schon beim ersten Durchlauf durch die Level immer sehr vorsichtig vorgehen muss, um keine Kleinigkeit im Levelhintergrund zu verpassen.

Nun könnte man natürlich sagen, dass diese Zusatzinhalte durchaus auch ignoriert werden können, doch ist das in einem Spiel, das so auf das Sammeln ausgelegt ist wie Yoshi’s Crafted World, ein schwaches Argument, das insbesondere in Anbetracht der Wahl aus einem massiv unvollständigem Spielstand oder dem Spielen zahlreicher redundanter Missionen nicht zufriedenstellend ist. Kurios ist übrigens die Schwierigkeitskurve von Yoshi’s Crafted World, denn wie bereits angesprochen sind die ersten 80% des Spiels enorm leicht, die letzten 20% hingegen durchaus anspruchsvoll und am Ende teilweise sogar richtiggehend kniffelig, besonders im Hinblick auf die zum Ende hin freigeschalteten Extramissionen in Endgegnerlevels. Die Frage ist nur, wo die Leistungssteigerung des Spielers, wenn er nicht zufällig bereits von den Vorgängern geübt ist, herkommen soll. Eine etwas stetere Schwierigkeitskurve, die dann durchaus in der Spitze etwas höher hätte enden dürfen, wäre definitiv angemessen gewesen.

Die Präsentation von Yoshi’s Crafted World ist famos. Bei konstanten 60 Bildern in der Sekunde bietet das Spiel eine farbenfrohe, detaillierte und äußerst konsistent gestaltete Spielwelt, die geradewegs herzerweichend niedlich ist. Sowohl die Charaktere, als auch die Umgebungen und die Animationen stecken voller Liebe zum Detail. Aus musikalischer Sicht ist Crafted World solide, kann aber weder mit seinem direkten Vorgänger mithalten, noch mit der optischen Brillanz.

Yoshi’s Crafted World ist insgesamt ein Spiel, das unter seinen Möglichkeiten bleibt, was insofern schade ist, als dass das Leveldesign durchaus eine Menge Spaß macht und voller Idee steckt. Dass man das Spiel deutlich verbessern könnte, indem man Inhalte entfernt oder zumindest ermöglicht, die Kunstgewerke unabhängig von den entsprechenden Missionen von Beginn an einsammeln kann, schmerzt hier schon ein wenig. Nichtsdestotrotz, wer gern 2D Jump & Runs spielt und nicht zwingend einen hohen Schwierigkeitsgrad benötigt oder gar Yoshi-Fan ist, wird mit dem Spiel eine Menge Freude haben.

Sebastian hat eine ausgeprägte Vorliebe für Jump & Runs, zählt aber auch Action-Adventures und Arcade-Spiele zu seinen Lieblings-Genres. Haupta...

Z.Carmine

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Yoshi ist für mich auch eher unwichtig geworden.
Ich finde auch, die Spielgeschwindigkeit wirkt langsam.
 

Darkie

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Raccoon City
Ich finde es auch nicht so gut. Hätte sich Nintendo eigentlich sparen können und velleicht auf der nächsten E³ zeigen können. Aber ich glaube das hätte es auch nicht besser gemacht.
 

Biber

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Es wäre total toll wenn es nicht Woolly World gegeben hätte. So ist das einfach überflüssig. Ja, es hat andere Ideen und ja, es sieht sehr schön aus und ist bestimmt ein gutes Spiel, aber ich hätte lieber ein interessantes Wario oder Kid Icarus oder F-Zero oder eine neue IP gehabt als NOCH ein Yoshi nach New Island und Woolly World, wobei Woolly World schon ein ziemlich direkter Nachfolger von Epic Yarn war.

Naja, immerhin wird es wohl ein gutes Spiel. Im Gegensatz zu Kirby 08/15. Macht das auch Good-Feel?
 

Yoshi

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Das Kippfeature bietet sich für Yoshi eigentlich sehr an, weil es ermöglicht, einige nette Rätsel zu bauen, die in das Sammel-Gameplay reinpassen. Ich freue mich sehr.
 

Screw

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Lustig wie die Shy Guys im Hintergrund diese Plattformen hin und herziehen.
 

Screw

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Auf gamefaqs wird gesagt, dass das neue Yoshi was mit Labo zu tun hat.
Yoshi's Island: Cardboard Crossing
 

Screw

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https://nintendoeverything.com/nintendos-site-lists-yoshi-switch-for-2019/
 

Screw

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Jedenfalls kennen wir jetzt schon einen Großteil des 2019er Line Ups:
Fire Emblem: Three Houses
MP 4
Yoshi
Bayonetta 3
Pokémon
Star Fox Grand Prix, das laut MFauli nur verschoben wurde
DAEMON X MACHINA

dazu noch ein paar Ports und es ist angerichtet.
 

Screw

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besser als Yoshi's Labo World...
https://nintendoeverything.com/yoshi-switch-might-be-titled-yoshis-crafted-world/
 

Screw

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Hong Kong SAR's Intellectual Property Department released the trademark "耀西的手工世界"(Yoshi's Handcrafted World), which is registered by Nintendo.
Considering the leaked English final name, this registered trademark could be the official Chinese Title of the game. pic.twitter.com/fxNU6o4MT2

— Chinese Nintendo (@chinesenintendo) 9. September 2018
 

Yoshi

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Sceint ja zum Glück nicht labotomiert worden zu sein. Es ist immernoch etwas langsam, sieht aber sonst imo signífikant besser aus.
 

Screw

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@Yoshi, ist dir das Spiel nicht etwas zu langsam?
https://www.youtube.com/watch?v=KIfdKxk93l8
 

Yoshi

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Hagen
[quote quote=84943]<a href="https://www.gaming-universe.de/mitglieder/yoshi/" rel="nofollow">@yoshi</a>, ist dir das Spiel nicht etwas zu langsam?
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[quote quote=84682](...). Es ist immernoch etwas langsam(...)[/quote]

Doch. Aber Woolly war auch relativ langsam, hat mir aber gut gefallen. Artoon / Arzest hat man ja leider länger nicht gesehen, deren Yoshi Spiel waren etwas schneller.